Energiestreit Russland pumpt wieder Erdöl durch die Druschba-Pipeline

Russland und Weißrussland haben sich im Streit um die Durchleitung von Öl geeinigt, russisches Erdöl fließt wieder durch die Druschba-Pipeline. In der Nacht erreichte es Polen und wird voraussichtlich heute Nachmittag in deutschen Raffinerien ankommen.


Warschau/Moskau - Nach dreitägiger Unterbrechung hat Russland seine Öllieferungen über Weißrussland wieder aufgenommen. Nach polnischen Angaben erreichte das Öl heute Nacht Polen. Der Druck in der Leitung "Druschba" (Freundschaft) nehme spürbar zu und werde in absehbarer Zeit den Normalzustand erreichen, teilte der polnische Pipeline-Betreiber nach Angaben der russischen Agentur Itar-Tass mit. Der nördliche Strang der Röhre führt über Polen weiter nach Deutschland.

Raffinerie in Schwedt: Noch heute soll russisches Erdöl Deutschland durch die Druschba-Pipeline erreichen
Getty Images

Raffinerie in Schwedt: Noch heute soll russisches Erdöl Deutschland durch die Druschba-Pipeline erreichen

Der Generaldirektor des Pipeline-Betreibers Gomeltransneft-Druschba, Alexej Kostjuschenko, erklärte, das Rohöl habe das weißrussische Leitungssystem bereits gestern Abend gegen 22.30 Uhr (21.30 Uhr MEZ) erreicht. Es werde wieder Öl nach Polen, Deutschland, Tschechien, Ungarn sowie in die Ukraine und die Slowakei gepumpt.

Anlass für die Unterbrechung war der Streit über eine von Weißrussland erhobene Transitgebühr für die Durchleitung von Rohöl. Daraufhin stoppte Russland am Montag die Einleitung von Rohöl in die durch Weißrussland führende Pipeline "Druschba" und beschuldigte das Nachbarland, es habe der Leitung Öl für eigene Zwecke entnommen.

In Deutschland wuchs die Sorge, dass wegen des Lieferstopps die Versorgung mit Öl eingeschränkt werden könnte. Durch die Leitung fließt rund ein Fünftel des in Deutschland benötigten Erdöls.

Unter dem Eindruck von scharfer Kritik aus Deutschland und der Europäischen Union führten die Präsidenten von Russland und Weißrussland, Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko, gestern ein Telefongespräch zur Beilegung des Konflikts.

Kurz darauf erklärte die Regierung in Minsk ihren Verzicht auf die Transitgebühr in Höhe von 45 Dollar je Tonne Rohöl. Außerdem kündigte der weißrussische Ministerpräsident Sergej Sidorsky an, er werde heute zu Gesprächen mit dem Kreml nach Moskau fliegen. "Ich hoffe, wir werden innerhalb von zwei Tagen in der Lage sein, alle Meinungsverschiedenheiten zu überwinden", sagte Sidorsky. In Moskau sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur AP, die Erklärungen aus Minsk seien "Anlass für vorsichtigen Optimismus". Der Lieferstopp betraf neben Deutschland vor allem die Ukraine, Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei.

Weißrussland musste sich bereits zum Jahreswechsel den russischen Forderungen nach einem deutlich höheren Gaspreis beugen: Dem neuen Liefervertrag zufolge zahlt Minsk in diesem Jahr 100 Dollar je 1000 Kubikmeter Erdgas an den russischen Konzern Gasprom. Das ist mehr als doppelt so viel wie bisher.

kaz/AP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.