Enron-Skandal Kenny Boy hat ausgeträumt

Seine Firma ging in Konkurs, Aktionäre verloren ihr Vermögen, der Ruf der Wirtschaftsprüfer ist besudelt und das FBI ermittelt - doch Enron-Chef Kenneth Lay klebte an seinem Sessel. Nun ist der Mann, der die größte Pleite der US-Geschichte verantwortet zurückgetreten.


Enron-Chef Lay: FBI ermittelt wegen Verdachts auf Aktenvernichtung
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Enron-Chef Lay: FBI ermittelt wegen Verdachts auf Aktenvernichtung

Houston - Seit Februar 1986 hat Lay - mit einer kurzen Unterbrechung - das Skandalunternehmen geführt, von seinem Sitz im Verwaltungsrat mag er sich immer noch nicht trennen. Nun aber hat der 59-Jährige in Houston mitgeteilt, er habe sich "im Einklang mit dem Gläubigerausschuss" und dem Rest des Vorstands zum Rücktritt vom Chefposten entschlossen.

Lays Abgang folgt auf Ermittlungen, die das FBI am Dienstag aufgenommen hatte. Der Grund: Verdacht auf Aktenvernichtung. Lay selbst soll am 4. Februar vor zwei Ausschüssen des US-Kongresses aussagen. Justiz- und Arbeitsministerium haben ebenfalls Untersuchungen eingeleitet. Wer Lay als Vorstandsvorsitzender des einst siebtgrößten US-Unternehmens folgen soll, wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

"Ich will Enron überleben sehen, und dafür brauchen wir jemanden an der Spitze, der sich hundertprozentig auf die Anstrengungen zur Umstrukturierung der Firma konzentrieren kann", hieß es in Lays Erklärung weiter.

Anruf bei den Ministern

Nach gescheiterten Übernahmeverhandlungen mit Dynegy hatte Enron am 2. Dezember Konkurs angemeldet. Im November vergangenen Jahres räumte das texanische Unternehmen ein, dass der Gewinn in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent zu hoch angegeben worden war und ein Großteil der Schulden von 15 Milliarden Dollar nicht in den Bilanzen ausgewiesen wurde. Politische Brisanz erhält der Fall durch die enge Verbindung Enrons zur Regierung von George W. Bush. So räumte das Weiße Haus ein, dass Lay, ein langjähriger Freund des Präsidenten, kurz vor dem Zusammenbruch des Unternehmens zwei Kabinettsmitglieder anrief: Finanzminister Paul O'Neill und Handelsminister Don Evans.

George W. Bush und die Lex Lay

Das Justizministerium leitete Ermittlungen ein, die zeigen sollen, ob bei dem Konkurs Investoren betrogen und nicht über die wirkliche Lage des Unternehmens informiert wurden. Justizminister John Ashcroft zog sich allerdings von den Ermittlungen zurück, da Enron für seine Bewerbung um einen Sitz im Senat im Jahr 2000 mehr als 50.000 Dollar gespendet hatte.

Wie eng die Freundschaft zwischen den Texanern Lay und Bush wirklich war oder ist, steht nicht fest. Bush gab Lay den Spitznamen "Kenny Boy" und bezeichnete ihn als Förderer. Das Weiße Haus und Enron erklärten jedoch, beiden hätten sich nicht sehr nahe gestanden. Bush erhielt im Verlauf seiner politischen Karriere rund 550.000 Dollar Spenden von Enron. Lay setzte sich für eine Deregulierung des Energiemarktes ein; Bush unterzeichnete 1999 als Gouverneur von Texas ein entsprechendes Gesetz und ebnete Enron damit den Weg in neue Märkte.



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