Entwicklungshelfer Mobilfunk Wenn das Handy zur Bank wird

Für Länder mit schlechtem Bankensystem eröffnen sich neue Chancen: Das Handy als mobile Bank und Überweisungsträger bringt Kunden in Asien und Afrika riesige Erleichterungen im Alltag. Ein Blick auf das Beispiel Kenia.


Kikuyu - Die SMS auf seinem Handy versetzt Paul Kangethe in Erstaunen. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagt der 35-jährige Kenianer mit einer Mischung aus Verwunderung und Skepsis. Soeben hat ihm sein Mobiltelefon mitgeteilt, dass sein Schwager ihm Geld geschickt hat, das er im nächstgelegenen Handyladen abholen kann.

Kunde des M-Pesa-Angebots in Nairobi: Bank-Dienstleistungen für Kunden ohne Konto
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Kunde des M-Pesa-Angebots in Nairobi: Bank-Dienstleistungen für Kunden ohne Konto

Kangethe gehört zu den 65.000 Abonnenten des neuen Systems M-Pesa, mit dem Geld per Telefon angewiesen werden kann - ohne Bankkonto. Ein solches haben nämlich fast 40 Prozent der Kenianer nicht, vor allem in ländlichen Gegenden. Die Mobilfunkfirma Safaricom bietet den günstigen Service an - und träumt schon von weltweiter Expansion.

"Früher schickte mein Schwager mir Geld mit der Post, das konnte bis zu drei Tage dauern", erinnert sich Kangethe, der im Schatten eines Kiosks in der Stadt Kikuyu sitzt, etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt. Mit Partnervermittlung und Börseninformationen hat das Mobiltelefon auch das Leben in Kenia verändert - und der neue Finanzservice wird die kenianischen Banken dazu bringen, über die von ihnen bisher vernachlässigten Menschen auf dem Lande neu nachzudenken. Ganze 38 Prozent der Bevölkerung haben kein Bankkonto, fand das von der Weltbank finanzierte Programm FSDK in Kenia heraus.

Der Zugang zu Mobiltelefonen ist offenbar sehr viel leichter. Mehr als die Hälfte der Kenianer haben schon ein Handy, sagt Safaricoms Finanzdirektor Les Baillie. "Mit unserem Service bringen wir Bankdienstleistungen zu denen, die kein Konto haben." Bis zu 35.000 kenianische Schilling (390 Euro) können die Kunden per Handy versenden. Maximal 50.000 Schilling werden auf einem "virtuellen Konto" für sie verwahrt. Dazu müssen sie in ein Safaricom-Geschäft gehen und das Geld einzahlen, das dann als "Mobilgeld" angerechnet wird. Per SMS und mit einem persönlichen Code versehen können sie dann Summen verschicken.

"Nicht nur für Afrika eine Spitzentechnologie"

Die Gebühren für diesen Service sind vergleichsweise niedrig: 170 Schilling (1,90 Euro) pro Transaktion - das ist ein Bruchteil dessen, was traditionelle Dienste für Geldtransfers in Rechnung stellen. Banken, der Telegrammdienst Western Union oder die kenianische Postbank wurden aus diesem Grunde sogar schon vor der Einführung von M-Pesa von vielen Kunden gemieden. "Die große Mehrheit, nämlich 86 Prozent, schicken ihr Geld über Freunde, mit Bus- oder Minibusdiensten", sagt Caroline Pulver vom FSDK. "Leider ist diese Methode nicht sehr sicher."

Da M-Pesa nicht nur sicherer, sondern auch günstiger und schneller als die alten Methoden funktioniert, sind mittlerweile auch Kunden mit Bankkonto zum Handybanking übergegangen. "Ich habe früher immer bei der Bank überwiesen, aber das ist so umständlich und dauert so lange. Außerdem muss meine Familie weite Wege zurücklegen, um das Geld schließlich abzuheben. Handys aber gibt es absolut überall", sagt Zackayo Masinga, Geschäftsmann in Nairobi. Andere dagegen sind skeptisch: "Ich würde doch eher zu einer Bank gehen", sagt der Mathematiklehrer Cege Kihoro, "ich traue der neuen Technologie nicht".

Doch mehr als 1000 neue Kunden täglich, die den Dienst abonnieren, zeigen, dass Kihoro eher in der Minderheit ist. Und so will Safaricom in Zusammenarbeit mit Vodafone, die 35 Prozent der kenianischen Telekom halten, schon bald internationale Geldtransfers von und nach Großbritannien lancieren. "In den Entwicklungsländern wird es mehr und mehr Anbieter geben, die diesen Service in ihr Programm aufnehmen", ist Finanzdirektor Baillie optimistisch. So gebe es ein ähnliches Angebot schon auf den Philippinen. "Dies ist nicht nur für Afrika eine Spitzentechnologie, das ist auch weltweit ein großer Fortschritt", sagt FSDK-Expertin Pulver.

Karen Calabria, AFP



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