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Entwicklungsländer in Not: Weltbank erwartet ersten globalen Abschwung seit Zweitem Weltkrieg

Der Handel wird einbrechen, die globale Wirtschaft zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg schrumpfen: Die Weltbank warnt in einer neuen Prognose vor enormen Problemen in diesem Jahr. Besonders hart wird es die Entwicklungsländer treffen, Armut und Unruhen drohen - reichere Staaten sollen helfen.

Hamburg - Düstere Aussichten für 2009: Laut einer am Sonntag bekannt gewordenen Prognose der Weltbank wird die globale Wirtschaft in diesem Jahr erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg unter das Niveau des Vorjahres zurückfallen. Außerdem rechnet die multilaterale Institution mit dem stärksten Rückgang des Welthandels seit 80 Jahren.

Börse in China: Am dramatischsten trifft der Abschwung Ostasien
AFP

Börse in China: Am dramatischsten trifft der Abschwung Ostasien

Die globale Industrieproduktion dürfte Mitte des Jahres um 15 Prozent unter dem Wert des Vorjahres liegen, hieß es. Diese Zahlen stehen in einem Vorbereitungspapier für eine Finanzminister- und Notenbankkonferenz in der kommenden Woche. Weitere Angaben wurden noch nicht mitgeteilt.

Besonders betroffen von der Krise seien allerdings die ärmsten Nationen der Welt. Die dramatischsten Handelseinbrüche seien in Ostasien zu erwarten, wo das Wachstum bislang relativ stabil war. Dem Bericht zufolge rechnet die Weltbank allein bei einer Gruppe von 129 Staaten mit Fehlbeträgen von insgesamt 270 bis 700 Milliarden Dollar. Nur ein Viertel dieser verwundbaren Länder sei in der Lage, durch soziale Sicherung oder Arbeitsbeschaffungsprogramme die Folgen des Abschwungs zu dämpfen und ein Anschwellen der Armut zu verhindern.

Bei diesen Größenordnungen seien auch die internationalen Finanzinstitutionen mit Hilfe überfordert, teilte die Weltbank mit, die Entwicklungsländern günstige Kredite und Garantien anbietet. Die ärmsten Länder der Welt würden für eine längere Zeit belastet, weil die reicheren mehr Schulden machen müssten. Entwicklungsländer würden dadurch an den Rand gedrängt. Außerdem seien viele Finanzinstitutionen, die ihnen bisher Gelder geliehen hätten, förmlich verschwunden.

Das treibe für die ärmeren Staaten die Kosten für Kredite in die Höhe, was zu geringeren Investitionen und langsamerem Wachstum führe, argumentiert die Weltbank. Die reicheren Länder, die internationalen Institutionen und die Privatwirtschaft müssten gemeinsam die Belastung dieser Länder verringern. "Wir müssen in Echtzeit auf eine wachsende Krise reagieren, die vor allem die Bevölkerung der Entwicklungsländer trifft", sagte Weltbank-Präsident Robert B. Zoellick. "Diese globale Krise benötigt eine globale Lösung. Es ist ungemein wichtig, eine wirtschaftliche Katastrophe in den Entwicklungsländern zu verhindern, um die Weltwirtschaftskrise zu überstehen."

Konkret forderte Zoellick "Investitionen in (soziale) Sicherheitsnetze, in die Infrastruktur sowie in kleine und mittlere Betriebe, damit Arbeitsplätze geschaffen und soziale und politische Unruhen verhindert werden". Weltbank-Chefökonom Justin Yifu Lin regte an, dass reichere Staaten einige Milliarden aus ihren Konjunkturprogrammen an ärmere geben. Die entwickelten Länder der Welt seien zwar das Epizentrum der Krise und müssten ihre Investitionspakete tatsächlich auf sich konzentrieren - aber Infrastrukturinvestitionen in Entwicklungsländern könnten Engpässe in der globalen Ökonomie beseitigen, so Wachstum ankurbeln und schneller Nachfrage wiederherstellen. Das bringe viel und sei ein Schlüsselelement zur Erholung der Weltwirtschaft.

Im Kampf gegen die weltweite Krise hatte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) erst kürzlich weltweit mehr Konjunkturprogramme gefordert. Sie sollten bis in die Jahre 2010 und 2011 reichen und international koordiniert werden. Der IWF ging für dieses Jahr noch von einem weltweiten Wachstum von 0,5 Prozent aus - schloss aber nicht aus, dass diese Vorhersage in den kommenden Monaten weiter nach unten korrigiert werden muss.

hut/AP/Reuters/dpa

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