Erdgas Russland und Deutschland unterzeichnen Pipeline-Abkommen

Deutschland und Russland haben ein milliardenschweres Pipeline-Projekt beschlossen. Im Beisein von Kanzler Gerhard Schröder und Präsident Wladimir Putin unterzeichneten die Konzerne Gasprom, BASF und Eon ein Abkommen, das den gemeinsamen Bau einer Gasleitung durch die Ostsee vorsieht.


Männerfreunde Schröder, Putin: Die Rechnung ohne die Polen gemacht
REUTERS

Männerfreunde Schröder, Putin: Die Rechnung ohne die Polen gemacht

Berlin - Durch die rund 1200 Kilometer lange Röhre soll Gas von der russischen Hafenstadt Wyborg nahe St. Petersburg nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern transportiert werden. Schröder (SPD) und Putin begrüßten das etwa vier Milliarden Euro schwere Gemeinschaftprojekt. "Deutschland sichert sich damit einen Großteil seiner Energieversorgung auf Jahrzehnte", so der Kanzler. Mit Blick auf die Befürchtungen aus den osteuropäischen Ländern fügte er hinzu, dass die geplante Pipeline "gegen niemanden gerichtet" sei. Der Bau "dient deutschen Interessen und russischen Interessen. Ich wüsste nicht, was daran falsch sein sollte", sagte Schröder. Polen und die Baltenstaaten fühlen sich durch das Projekt übergangen.

Durch die Pipeline sollen zunächst etwa 27,5 Milliarden Kubikmeter des größtenteils aus Westsibirien stammenden Gases pro Jahr strömen und in Deutschland und Westeuropa verteilt werden. Später soll die Menge auf mehr als 50 Milliarden Kubikmeter steigen. Bisher liefert Russland jährlich etwa 116 Milliarden Kubikmeter Gas nach Westen. Der Rohstoff wird in Überland-Pipelines durch die Ukraine, Weißrussland, Polen und die Slowakei nach Westeuropa befördert.

Deutschland ist an einer Erhöhung der Gasimporte interessiert, weil der Bedarf steigt. Derzeit kommt gut ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus Russland. Jede zweite deutsche Wohnung wird mit Gas beheizt, in drei Viertel aller Neubauten wird eine Gasheizung eingebaut. Für die Bundesregierung sind stabile Energielieferungen auch angesichts der Preisrekorde an den Energiemärkten ein vordringliches Thema. Russland verfügt über rund ein Viertel der weltweiten Reserven des Energieträgers.

Proteste aus Polen

An der Ostsee-Pipeline wird Gasprom mit 51 Prozent beteiligt sein, BASF Chart zeigen und Eon Chart zeigen mit jeweils 24,5 Prozent. Die deutschen Unternehmen verstärken damit ihre enge Bindung an Gasprom. Eon ist über die Tochter Ruhrgas mit 6,5 Prozent an Gasprom beteiligt. Im April hatte das russische Monopolunternehmen allerdings auf der Hannover-Messe verkündet, dass BASF als erstes ausländisches Unternehmen an der Erschließung des riesigen sibirischen Gasfeldes Juschno Russkoje beteiligt wird.

Auf große Skepsis stößt die geplante Ostsee-Pipeline in Polen und den baltischen Ländern. Der polnische Ministerpräsident Marek Belka bezeichnete das Projekt auf einem Wirtschaftsforum im südpolnischen Krynica als "politisches Problem". Russland wolle damit "Stärke zeigen". Nach Expertenmeinung sei der Bau einer Pipeline unter der Ostsee wesentlich teurer als eine Leitung durch Polen, betonte der Regierungschef.

Der frühere litauische Regierungschef Vytautas Landsbergis warnte davor, dass mit der Leitung auf längere Sicht das strategische Gleichgewicht in Europa verschoben werde. Nach dem Bau der Leitung vorbei an den baltischen Staaten und Polen habe Russland künftig ein Gaspreis-Monopol und könne so die Politik der Nachbarländer beeinflussen, erklärte der jetzige Europa-Abgeordnete.

Der russische Ölkonzern Rosneft und mehrere westliche Banken schlossen am Rande des Putin-Besuchs in Berlin einen Vertrag über einen Großkredit. ABN Amro Chart zeigen, Dresdner Kleinwort Wasserstein, JP Morgan und Morgan Stanley Chart zeigen leihen dem Staatsunternehmen insgesamt 7,5 Milliarden Dollar, teilten die Banken mit. Rosneft hatte Ende 2004 über einen Zwischenschritt die Yukos-Fördertochter Yuganskneftegas erworben. Das Geschäft war im Ausland kritisiert worden, weil der Kreml damit seine Kontrolle über die Energiequellen des Landes stärkte. Von der geplanten Fusion von Gasprom und Rosneft hat Moskau inzwischen wieder Abstand genommen.



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