Erfindermesse in Genf Showtime im Skurrilitäten-Kabinett

Vibrierende Kondome, der Chillischoten-Tester, eine Augapfel-Trainiermaschine: Bei der Erfindermesse in Genf finden sich Skurrilitäten en masse. Nun hoffen die Entwickler auf den großen Durchbruch.


Genf - Manchmal ist es so naheliegend, dass man sich fragt, warum zuvor noch niemand auf die Idee gekommen ist. Marc Kaeser aus Murten in der Schweiz ist so sicher nicht der einzige Windsurfer, der gerne auch snowboarden geht. Doch erst er hat das "Snoorf" erfunden, eine Vorrichtung, mit der ein Segel auf das Snowboard aufgeschnallt werden kann.

Die weiten Flächen des Jura in der Schweiz, wo der Wind so richtig bläst, seien wie geschaffen, um mit seinem neuen Sportgerät drüber hinweg zu fegen, sagt Kaeser. Ab September hofft er, seine Neuentwicklung auf den Mark bringen zu können. Stolze 800 Franken sollen sich Freizeitsportler das Gerät nach Kaesers Vorstellungen kosten lassen.

Wie Kaeser haben sich zahlreiche Erfinder, die ihre Schöpfungen derzeit auf der Internationalen Erfinder-Messe in Genf ausstellen, offenbar von ihren eigenen Wünschen oder den unmittelbaren Notwendigkeiten ihres Alltags leiten lassen.

Ein Erdbeben-Wecker aus Taiwan ist in den Messehallen zu sehen, eine Augapfel-Trainiermaschine für Kurzsichtige, selbstreinigende Kleidungsstücke, eine verstellbare Brille, die auch beim Schminken getragen werden kann. Auch vibrierende Kondome oder ein Gerät, dass die Schärfe von Chillischoten misst, gehören zu den rund 1000 Ausstellungsstücken.

Doch auch wenn so manche Entwicklung zum Schmunzeln einlädt, ist die Messe nicht in erster Linie eine Show der Skurrilitäten. Letztes Jahr wurden in Genf Geschäfte in Höhe von rund 30 Millionen Dollar gemacht. 70.000 Besucher erwarten die Veranstalter dieses Mal - die meisten seien Profis, die Lizenzen erwerben wollen oder Produkte suchen, die sie vermarkten können, heißt es seitens der Veranstalter. Die Aussteller kommen aus 40 verschiedenen Ländern. Das Treffen ist das größte seiner Art.

Vor allem für die freien Erfinder, die sich hier zeigen, ist die Messe deshalb ein wichtiger Termin. Sie haben in Genf Gelegenheit, ihre Produkte oder auch sich selbst, beispielsweise als potentieller Entwickler, den Unternehmen zu empfehlen. Wie viele von ihnen hofft der Deutsche Wilfried Maret, auf diesem Weg für sein elektrisches Fahrrad mit Solarzellen-Dach einen Investor oder Partner zu finden. Nur so könnte er das Gerät, das ihm zufolge bis zu 80 km/h schaffen soll, auch tatsächlich in bemerkenswerten Stückzahlen auf den Markt bringen.

ase



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