Berlin - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat einen neuen Präsidenten. Mit Eric Schweitzer dürfte ein frischer Wind in dem Verband einziehen, hinter dem 3,6 Millionen gewerbliche Unternehmen des Landes stehen. Von Schweitzer wird ein anderer Stil im Vergleich zu seinem gemessen auftretenden Vorgänger Hans Heinrich Driftmann erwartet.
Das jedenfalls lässt der Lebenslauf des 47-Jährigen vermuten: Geboren wurde Schweitzer in Ipoh in Malaysia. Dann lebte er mit seinen Eltern ein paar Jahre in Saudi-Arabien - sein Vater arbeitete damals als Bauingenieur. Inzwischen ist Schweitzer begeisterter Berliner und besitzt eine Dauerkarte für Hertha BSC.
"Wertegeprägt, leistungsorientiert, liberal", so beschreibt sich der neue DIHK-Chef selbst. Mit seinem jüngeren Bruder Axel besitzt und führt er den international tätigen Entsorger Alba - eine Gruppe mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz. "Ich bin ein Mensch, der in Berlin, in einem Familienunternehmen aufgewachsen ist und der davon geprägt ist", erzählt er. Dem Bild des traditionellen Mittelständlers, dem überwiegenden Klientel der Industrie- und Handelskammern (IHKs), entspricht er dennoch nicht. Zwar ist Alba ein Familienunternehmen, gegründet von seinem Vater Franz Josef vor gut 40 Jahren. Doch als "guter alter Mittelstand" kann die Firmengruppe mit rund 200 Tochter- und Beteiligungsfirmen im In- und Ausland, rund 9000 Beschäftigten und Standorten in Europa, den USA und Asien sicher nicht gelten.
Anders als Driftmann, der das Handeln der Politik nicht kritiklos, aber mit mildem Grundton kommentierte, ist Schweitzer offenbar ein Mann, an dem man sich reiben kann. Insofern ist es mehr als ein Generationenwechsel, dem sich der Dachverband der IHKs unterzieht. Allerdings: Allzu weit vorwagen will sich der neue DIHK-Chef noch nicht. Auf die Frage, ob er "klare Kante" zeigen will, antwortet er ausweichend: "Man wird sehen." Das müsse man "immer vom Ende her denken". Dann fügt er aber hinzu, manchmal müsse man eben einfach wahrgenommen werden.
Warum er aus der FDP austrat, verrät er nicht
Bei manchem Gewerkschaftern war das Alba-Management und damit auch Schweitzer selbst zeitweise als Lohndrücker verrufen. "Das stimmt nicht", sagt der Gegner eines flächendeckenden Mindestlohns. Allenfalls 700 der 9000 Beschäftigten von Alba arbeiteten zum Mindestlohn der Branche von 8,68 Euro pro Stunde. Der Rest bekomme mehr. Und auch als Steuerzahler will er sich nichts vorwerfen lassen. "Wir bezahlen alle Steuern, die man zu bezahlen hat, in Deutschland."
Aus der FDP trat Eric Schweitzer im vergangenen Jahr aus - über die Gründe schweigt er bis heute. Andererseits ist Schweitzer ein Mann, der sich früh über sein eigenes Unternehmen hinaus engagiert hat. Bereits mit 25 Jahren trat er in die Geschäftsführung von Alba ein. In der Folge übernahm er auch Funktionen im zuständigen Branchenverband BDE. 2004 rückte er an die Spitze der Berliner IHK. Inzwischen macht er das achteinhalb Jahre. Daher kann er problemlos sagen: "Der DIHK, das ist ja nun kein Thema, das neu für mich ist."
Auch dass er in der neuen Funktion zu den wichtigen Gesprächspartnern von Kanzlerin Angela Merkel in der Wirtschaft zählen wird, ist für ihn nichts Neues. "Ich kenne die Bundeskanzlerin aus ihrer Zeit, als sie noch Umweltministerin war", erzählt er. Die Europa-Politik von Merkel zur Lösung der Staatsschuldenkrise findet er - nebenher gesagt - richtig und gut. Und ihrem Rat für Nachhaltigkeit gehört er auch schon seit 2010 an.
Sein Vorgänger Driftmann hatte Schweitzer zusammen mit einer Findungskommission als Nachfolger auserkoren. "Er steht als aktiver Unternehmer einem erfolgreichen Familienunternehmen vor und weiß genau, welche Sorgen, Nöte und Erwartungen Unternehmer in Deutschland haben", sagte Driftmann damals. Genau das kann der neue DIHK-Chef nun unter Beweis stellen. Der Vater von zwei Kindern hat, so der erste Eindruck, etwas von einem "Hans Dampf in allen Gassen".
Von Gernot Heller, Reuters
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