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Erklärung: Wie Smart Chips funktionieren

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Eigentlich sind die derzeit viel diskutierten Smart Chips bereits ein halbes Jahrhundert alt. Doch erst die Entwicklung der Informationstechnologie in den vergangenen Jahren hat dafür gesorgt, dass sich die elektronischen Winzlinge nun explosionsartig ausbreiten können.

Eigentlich ziemlich doof und vollkommen passiv: Smart Chips
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Eigentlich ziemlich doof und vollkommen passiv: Smart Chips

Bei Radio Frequency Identification Devices (RFIDs) handelt es sich um Chips, auf denen Daten gespeichert sind. RFIDs sind passiv, das heißt, sie senden keine Signale aus, sondern lassen sich von Sendern oder Lesegeräten mit Radiowellen anfunken und geben dann ihre Informationen preis. Zudem besitzen RFIDs keine Stromquelle; die zur Übertragung der Daten notwendige Energie erhalten sie durch das von ihnen empfangene Radiosignal. Je nach gespeicherter Datenmenge können RFIDs so winzig wie ein Streicholzkopf oder so groß wie ein Ziegelstein sein.

Wegen der passiven, einem Strichcode auf einer Verpackung ähnelnden Rolle ist die Bezeichnung Smart Chip (auch: Smart Tag oder eTag) eigentlich Irre führend. Das Adjektiv "smart" bezieht sich denn auch eher darauf, dass Gegenstände, auf denen ein Smart Chip angebracht wird, Informationen über sich weitergeben können. In einer Welt, in der alle Produkte mit RFIDs ausgestattet sind, ist jedes Ding "schlau" und kann jederzeit mitteilen, was es ist und wo es sich befindet.

In der schönen neuen RFID-Welt kann jeder "gesmartete" Gegenstand über das Internet angefunkt werden. Voraussetzung ist eine Infrastruktur aus Sendern, Servern und Datenbanken. Surfer könnten dann in Zukunft über ihren Rechner Gegenstände kontaktieren, lokalisieren, befragen. Auf diese Weise wird das Web der Computer zum "internet of things" ("Forbes").

50 Jahre Winterschlaf

Die Technologie für Smart Chips stammt aus den fünfziger Jahren, doch erst jetzt hebt das Konzept richtig ab. Das liegt an Internet, drahtloser Kommunikation und immer kleiner und billiger werdenden Chips. Wie bereits bei Barcodes werden große Konzerne wie Wal-Mart Chart zeigen dafür sorgen, dass sich die Technologie schnell verbreitet.

In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen ihre Lieferketten komplett computerisiert: Rechner geben jederzeit Auskunft darüber, wie viele Teile oder Produkte derzeit auf Lager sind. Wenn Material zur Neige geht, wird automatisch ein Bestellvorgang ausgelöst. Mit solchen integrierten Hightech-Systemen erreicht es etwa der Computerhersteller Dell Chart zeigen, dass ein für die PC-Fertigung benötigtes Teil erst vier Stunden vor der Montage in der Fabrik eintrifft.

Die Kostenersparnis ist immens, weil überflüssiges Inventar vermieden wird und sich alle Zeitabläufe genauestens planen lassen. RFIDs werden diese Entwicklung nochmals rasant beschleunigen, da sich alles immer und überall lokalisieren und verfolgen lassen wird. Die Industrie erhofft sich weitere Effizienzgewinne in Milliardenhöhe.

Derzeit werden RFIDs vor allem im Logistik- und Vertriebsbereich eingesetzt. Noch kostet ein RFID-Chip zwischen 50 Cents und drei Dollar. Aber bald wird ein Smart Tag Prognosen zufolge nur noch ein oder zwei Cent kosten - dann wäre es betriebswirtschaftlich vertretbar, ihn in praktisch jedes Produkt einzubauen, das mehr als einen Dollar kostet.

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