Ernüchternde Studie Private Vorsorge rettet das Rentenniveau nicht

Zukunft ungewiss: Millionen Arbeitnehmer sorgen viel zu wenig für das Alter vor - dabei ist selbst mit konsequenter betrieblicher und privater Vorsorge der Lebensstandard der jetzigen Rentnergeneration in Zukunft kaum noch zu erreichen. Das zeigt eine Studie der Deutschen Rentenversicherung.


Würzburg – Die Bilanz ist erschreckend, ist doch nicht erst seit gestern von Altersverarmung die Rede. Trotzdem sorgen immer noch Millionen Deutsche nicht ausreichend für ihr Alter vor, wie die Studie "Altersvorsorge in Deutschland 2005" zeigt, die die Deutsche Rentenversicherung Bund und das Bundesarbeitsministerium heute vorstellten. Immerhin ein Sechstel bis ein Viertel der zwischen 1957 und 1961 Geborenen tun auf diesem Gebiet nichts.

Rentner in Deutschland: Altersbezüge sinken selbst für diejenigen, die vorsorgen
DDP

Rentner in Deutschland: Altersbezüge sinken selbst für diejenigen, die vorsorgen

Die 300 Seiten starke Studie legt in aufwendigen Modellrechnungen dar, wie sich die Alterseinkommen der heute 46- bis 50-Jährigen im Vergleich zu den heute 61- bis 65-Jährigen entwickeln werden. Im Detail betrachtet haben immerhin 15 Prozent der versicherten westdeutschen Männer weder eine private noch eine betriebliche Altersvorsorge, bei den Frauen sind es 24 Prozent. Im Osten sind 27 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen dieser Jahrgangsgruppen später allein auf die gesetzliche Rente angewiesen.

Dabei sinken die Altersbezüge selbst für diejenigen, die konsequent vorsorgen. Insgesamt wird die Generation der derzeit 46- bis 50-Jährigen der Untersuchung zufolge bei Renteneintritt im Durchschnitt noch 88 Prozent des Netto-Alterseinkommens heutiger Ruheständler erreichen. Der Wert sinkt - gerechnet nach heutigem Geldwert - von 1700 Euro im Durchschnitt auf 1596 Euro.

Rische gegen Versicherungspflicht

Im Einzelnen stellt sich das Bild in diesem Szenario folgendermaßen dar: Für ostdeutsche Männer wird eine Verringerung um zwei Prozent vorhergesagt, von 1073 Euro auf 1052 Euro. Nur bei westdeutschen Frauen steigen die Durchschnittswerte um acht Prozent von 788 auf 850 Euro im Durchschnitt, weil in den jüngeren Jahrgängen mehr Frauen arbeiten. Das Einkommensniveau der ostdeutschen Frauen im Alter bleibt in etwa stabil - heute sind es 898, künftig 911 Euro.

Rentenversicherungs-Präsident Herbert Rische wies darauf hin, dass vor allem Langzeitarbeitslose "verhältnismäßig mickrig abgesichert" seien: Für ein Jahr Arbeitslosengeld-II-Bezug erhalten sie einen Rentenanspruch von gut zwei Euro im Monat. Er bekräftigte seine Forderung nach einer Erwerbstätigenversicherung, in die auch Selbstständige einbezahlen.

Eine obligatorische Zusatzversicherung zur privaten Altersvorsorge beurteilt Rische dennoch skeptisch: Dann sei zu befürchten, dass sich der Staat aus der Förderung der Altersvorsorge zurückziehe.

Ein wenig Hoffnung allerdings gibt es: Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland können in den kommenden Jahren wieder zumindest mit einer leichten Erhöhung ihrer Renten rechnen. Die gute Konjunktur und die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt haben die zuletzt krisengeschüttelten Rentenkassen gefüllt. Aufgrund der guten Wirtschaftslage und höherer Beiträge rechnet die Deutsche Rentenversicherung bis zum Jahresende 2007 mit einem Anstieg ihrer Rücklage auf 11,5 Milliarden Euro. Das geht aus dem Rentenversicherungsbericht 2007 hervor, der heute vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. Ende 2006 hatte die Rücklage noch 9,7 Milliarden Euro betragen.

Insgesamt haben die Rentenkassen damit nun 0,72 Monatsausgaben in Reserve. Vorgeschrieben sind mindestens 0,2 Monatsausgaben, doch war auch dieser Wert in den Vorjahren wiederholt unterschritten worden.

Die Prognosen gehen weiter davon aus, dass deshalb die gesetzlichen Renten in den kommenden 15 Jahren jeweils um 1,7 Prozent im Durchschnitt steigen werden. 2007 wird es aber zunächst nur knapp über ein Prozent sein - was nicht einmal die Inflation ausgleicht.

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung war zum Jahresbeginn 2007 um 0,4 Punkte auf 19,9 Prozent erhöht worden. Dabei soll es dem Bericht zufolge auch vorerst bleiben. Erst für das Jahr 2011 wird eine Absenkung auf dann voraussichtlich 19,4 Prozent angestrebt.

ase/dpa/AP



insgesamt 4434 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
M@ESW, 09.03.2007
1.
Sollten einfach ehrlich sein und sagen: Bis 2015 noch Rente mit 65 und ab 2016 gar keine Rente mehr.
af1755, 09.03.2007
2.
---Zitat von sysop--- Zur Sanierung der Beitragslage hat der Bundestag die Rente mit 67 beschlossen. Eine richtige Entscheidung? Oder nur eine kurze Atempause vor weiteren Einschnitten? ---Zitatende--- Schlichter Unfug, denn bereits bisher arbeitete nur ein Teil bis zum Erreichen der Altersgrnze von 65. Wo sollen denn die Arbeitsplätze für die Alten herkommen? Rente mit 67 bedeutet in der Praxis eine Rentenkürzung !!
Atemlos, 09.03.2007
3. Unfug und ungerecht
Die, die es betrifft haben nicht abgestimmt - die, die abgestimmt haben, betrifft es i.d.R. nicht. Dies ist eine Rentenkürzung - eine Pensionskürzung für die, die entschieden haben ist nicht in Sicht... Ergo: alles wie immer... und: die, die es betrifft sind brav still
C.Jung 09.03.2007
4. Kind beim Namen nennen:
a.) *Rentenkürzung*, die 27te b.) *Schweinerei*, bei zugleich Rentenanspruch der Beschließer solcher Segnungen bereits 12 Jahre früher.
schneewolf, 09.03.2007
5. Rente erst mit 67
gilt das auch für Beamte, Abgeordnete und sonstige Politiker? Frau Pauli erhält ja wohl mit 50 schon jeden Monat ca. € 4.000. Verträgt sich das? Wasser predigen und Wein saufen, ist von unseren Politikern perfektioniert. Auch für diese Bande gilt der auf Ackermann und Co. gemünzte Spruch des OLG Düsseldorf: Ihr seid nicht die Gutsbesitzer, Ihr seid die Gutsverwalter!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.