New York - Deutlich dünner und in zerknitterter Gefängnisuniform - so beschreibt die Reporterin der "New York Times" den Milliardenbetrüger Bernard Madoff. Als erste hat sie einen Interviewtermin bekommen, mehr als zwei Jahre nach Madoffs Verhaftung.
Die spannendste Aussage des zweistündigen Gesprächs: Madoff bezichtigt Banken und Hedgefonds, von seinem gigantischen Betrug gewusst zu haben. "Sie müssen davon gewusst haben", sagte er der US-Zeitung. Aber seine Partner hätten bewusst weggesehen, nach dem Motto: "Wenn du etwas Illegales tust, wollen wir es gar nicht wissen."
Die Attacke auf mögliche Komplizen stellt eine Kehrtwende in Madoffs Verteidigung dar. Denn bislang hat er stets darauf beharrt, er sei der Einzige, der von dem 65 Milliarden Dollar schweren Schneeballsystem gewusst habe.
Madoff hatte über Jahre Geld von Investoren eingesammelt und die Ausschüttungen mit den Beiträgen immer neuer Anleger bezahlt. In der Finanzkrise brach sein Schneeballsystem zusammen. Es ist der größte Betrugsfall der Finanzgeschichte. Ein Gericht verurteilte den heute 72-Jährigen im Juni 2009 zu 150 Jahren Gefängnis. Die Strafe sitzt er in einem Bundesgefängnis in Butner, North Carolina, ab.
Die Reporterin der "New York Times" zitiert in ihrem Artikel neben dem zweistündigen Gespräch auch aus E-Mails, die Madoff ihr im Dezember und Januar geschrieben habe. Er wirft den Banken zwar nicht konkret vor, an seinem Betrug beteiligt gewesen zu sein, sagt aber, sie hätten es unterlassen, seine Finanzgeschäfte ordentlich zu prüfen. Im Klartext: Seine ehemaligen Geschäftspartner sollen absichtlich weggeschaut haben. Namen von beteiligten Banken oder gar Personen nennt Madoff nicht.
Die Aussagen müssen jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Immerhin hat Madoff seine Anleger 16 Jahre lang getäuscht und um ihr Geld gebracht. Das könnte ihm als Zeuge vor Gericht von Nachteil sein. Das wisse Madoff natürlich auch selbst, schreibt die "New York Times".
"Wollte Familie Medienzirkus ersparen"
Klar ist laut der Zeitung, dass Madoff die Berichterstattung über seinen Fall ganz genau verfolgt. So habe er sich über eine Schmähkampagne beschwert, die es nach dem Selbstmord seines Sohnes Mark im Dezember gegeben habe. Madoff weist in dem Interview Berichte zurück, er habe sich geweigert, an der Beerdigung teilzunehmen.
Stattdessen habe die Gefängnisverwaltung ihm untersagt, hinzufahren - im Interesse der öffentlichen Sicherheit und weil die Zeit nicht ausgereicht habe, den Trip zu organisieren. Außerdem sei ihm bewusst gewesen, was sein Erscheinen bei der Beerdigung für "einen Medienzirkus" ausgelöst hätte. Diesen habe er seiner Familie ersparen wollen.
Auch über sein Leben im Gefängnis spricht Madoff: Er lebe in einem 13 Quadratmeter großen Raum mit seinem mittlerweile zweiten Zellenkumpan, seit seiner Verlegung nach North Carolina.
Dabei hat er durchaus schon Knasthärte zu spüren bekommen: Vor rund einem Jahr verprügelte ihn ein Mithäftling, weil Madoff diesem Geld schuldete. Dabei trug der Betrüger eine gebrochene Nase, gebrochene Rippen sowie Schnitte im Gesicht und auf dem Kopf davon.
cte
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