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Erwartete Rezession: Globale Krise trifft Deutschland besonders hart

Die Konjunkturaussichten für 2009 verschlechtern sich drastisch. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten, dass die globale Krise Deutschland als Exportnation besonders schwer treffen wird: In ihrem Herbstgutachten gehen sie nur noch 0,2 Prozent Wachstum aus - die Republik steht kurz vor einer Rezession.

Berlin - Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen Deutschlands Konjunktur in Gefahr. Das Land ist ihrer neuen Prognose für 2009 zufolge kurz vor einer Rezession - denn die Folgen der Kreditkrise treffen die Bundesrepublik besonders hart.

Container-Terminal in Hamburg: Der größte Unsicherheitsfaktor besteht im Ausmaß und der Dauer der Finanzkrise"
DDP

Container-Terminal in Hamburg: Der größte Unsicherheitsfaktor besteht im Ausmaß und der Dauer der Finanzkrise"

Mit der Zuspitzung der Lage an den Finanzmärkten hätten sich die Aussichten deutlich verschlechtert, sagten die Wirtschaftsforscher bei der Vorstellung des Herbstgutachtens am Dienstag in Berlin. Deutschland als Exportnation sei von der internationalen Konjunkturschwäche besonders betroffen, weil vor allem die Nachfrage nach Investitionsgütern zurückgehe.

Die Experten gehen für das kommende Jahr von einem maximalen Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent aus. Im schlimmsten Fall rutschen die Werte in den negativen Bereich. Im Frühjahr hatten sie noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent erwartet. Grund dafür ist ein erwarteter Produktionsrückgang. "Vor allem haben sich die Erwartungen der Unternehmen in nahezu allen Sektoren der Wirtschaft in einem Maße verschlechtert, wie das in der Vergangenheit nur in Rezessionen zu beobachten war", heißt es. Für das laufende Jahr bleiben die Institute bei ihrer im Frühjahr prognostizierten Wachstumsrate von 1,8 Prozent.

"Der größte Unsicherheitsfaktor der Prognose besteht im Ausmaß und der Dauer der Finanzkrise an den internationalen Finanzmärkten", heißt es in dem Gutachten weiter. Denn tatsächlich sei das Ausmaß der Finanzmarktkrise noch nicht absehbar. Zum jetzigen Zeitpunkt sei unklar, wie tiefgreifend das Finanzsystem gestört sei und wie rasch das System wieder seine volle Funktionsfähigkeit wiedererlangen könne.

Den Experten zufolge droht die aktuelle Bankenkrise von einer Liquiditätskrise zu einer Solvenzkrise zu werden. Erhebliche Abschreibungen der Finanzinstitute und ihre hohen Refinanzierungskosten hätten unter anderem das Eigenkapital der Banken geschmälert. Staatliches Eingreifen sei daher notwendig. Jetzt müsse im Vordergrund stehen, dass gesamte Bankensystem zu rekapitalisieren.

Den Instituten zufolge muss es in den kommenden Monaten zu einer Stabilisierung des Bankensektors kommen. Andernfalls wäre mit einem Einbruch der Investitionstätigkeit in der Realwirtschaft zu rechnen und die zugespitzte Lage in den Bankensystemen der USA und Europas würde über den internationalen Konjunkturverbund auch andere Volkswirtschaften mit bislang stabilen Finanzsystemen in Mitleidenschaft ziehen, hieß es weiter.

Das Herbstgutachten legen das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, das ifo-Institut München, das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen in Kooperation mit Instituten in Zürich und Wien vor.

Ein weiteres Indiz für den Trend der Wirtschaftsforscher: Auch die Stimmung deutscher Finanzexperten ist vor dem Hintergrund der Finanzkrise überraschend deutlich eingebrochen. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien im Oktober zum Vormonat um 21,9 Punkte auf minus 63,0 Punkte gesunken, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit. Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf minus 51,1 Punkte erwartet. Die Konjunkturerwartungen liegen weiter deutlich unter ihrem historischen Mittelwert von 27,5 Punkten. Die Finanzkrise drücke die Konjunkturerwartungen, hieß es.

"Die Sorge der Finanzmarktexperten, dass die Krise an den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergreift, hatte sich verständlicherweise verstärkt", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Das gerade beschlossene Rettungspaket der Bundesregierung dürfte jedoch helfen, die Situation zu stabilisieren.

sam/AP/dpa-AFX

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