S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Schickt endlich die Helikopter!

Der Bankenrettungsschirm ESM soll jetzt helfen, Unternehmen mit Krediten zu versorgen. Ein Vorschlag von beeindruckender Mutlosigkeit. Wesentlich wirksamer wäre es, das Geld per Hubschrauber über der Eurozone abzuwerfen.

Eine Kolumne von


Ich hatte mir schon so einige Konstruktionen ausgedacht, mit denen man die immer noch schwelende Wirtschaftskrise im Euroraum beenden könnte. Aber auf diese Idee bin auch ich nicht gekommen. Benutze einfach die verbleibenden Finanzierungsspielräume des Rettungsschirms ESM und schicke das Geld an die Europäische Investitionsbank. Die soll es dann weiter an kleine und mittlere Unternehmen verleihen.

Das ist die neueste Idee, wie man die Wirtschaft auf die Beine bringt könnte. Diese Idee verstößt gegen geltendes Recht und hat den weiteren Nachteil, dass sie nicht funktioniert. Aber mal abgesehen von solchen Details, das schlimmste an dem Vorschlag ist seine Mutlosigkeit. Er kommt aus dem Umfeld von Jean-Claude Juncker, dem designierten Kommissionspräsidenten.

Wäre es nicht besser, sich zunächst einmal zu fragen, welches Problem wir hier eigentlich lösen wollen? Ist Liquidität wirklich das Problem? Wohl kaum. Die Europäische Zentralbank legt dauernd neue Liquiditätsprogramme für den Bankensektor auf. Und was passiert? Die Banken wollen das Geld nicht und zahlen lieber die alten Kredite schnell zurück. Wenn Liquidität nicht mehr das Problem ist, wie soll dann ein Kreditprogramm helfen?

Firmen wollen keine Kredite, sie wollen Aufträge

Der Grund für die kontinuierliche wirtschaftliche Stagnation ist eine fehlende Gesamtnachfrage im Euroraum, nicht die Knappheit des Geldes. Die Firmen wollen keine Kredite. Sie wollen Aufträge. Sie halten sich mit Investitionen zurück, weil sie sich durch die Ereignisse in Osteuropa verunsichert fühlen. Wenn die Nachfrage zu schwach ist, können Investitionen keine Renditen erwirtschaften. Früher kam der rettende Nachfrageimpuls von außen. Doch die Weltwirtschaft hilft uns diesmal nicht aus der Patsche. Die Eurozone muss ihre Wirtschaft von innen ankurbeln.

Da die Geldpolitik ihre Mittel weitgehend ausgeschöpft hat, ist das einzige, was in der Situation noch funktioniert, eine großanlegte Koordination von Geld- und Haushaltspolitik. Anstatt mit Kreditprogrammen rumzufummeln, sollte Juncker versuchen, die Kohle direkt unter die Leute zu bringen.

Er könnte zum Beispiel einen Gutschein über 300 Milliarden Euro ausschreiben und ihn an die EZB verhökern. Würde die EZB eine solche Aktion mit einem Mitgliedstaat machen, dann wäre das monetäre Staatsfinanzierung. Der Staat begibt Anleihen. Die Notenbank finanziert sie. So etwas ist natürlich verboten. Jetzt ist die EU aber kein Staat, wie uns das Bundesverfassungsgericht in mehreren Urteilen immer wieder bestätigt hat. Und wenn die EU kein Staat ist, dann kann man schließlich nicht von einer verdeckten Staatsfinanzierung sprechen. Wir befinden uns hier in einem quasi rechtsfreien Raum.

Mitgliedstaaten haben keine finanziellen Spielräume

Für diese Aktion bräuchte man nicht einmal Finanzminister oder die Staats- und Regierungschefs. Es reicht ein Blatt Papier und ein Füllfederhalter, mit dem Juncker den Bond unterzeichnet. Und da die EZB auf deutschen Wunsch hin unabhängig ist, kann sie niemand daran hindern, Junckers Zettel zu kaufen und das Geld direkt zu überweisen. Woher kommt das Geld? Die EZB macht es genauso wie Juncker. Sie schafft es aus dem Nichts. Früher hätte man gesagt: Sie kann es drucken. Die Bilanzsumme der EZB wäre dann um diesen Betrag größer. In normalen Zeiten würde die Inflation steigen. Heute wäre das kein Problem.

Wie wir es aus den USA kennen, braucht eine große moderne Binnenwirtschaft wir der Euroraum den Staat nicht nur als Schiedsrichter, sondern vor allem als Ersatzspieler. Der springt dann ein, wenn Not an Mann ist. Jetzt ist wieder so eine Zeit. Die Mitgliedstaaten haben keine finanziellen Spielräume. Die Haushaltspolitik lässt sich nicht grenzüberschreitend koordinieren. Die EZB kann die Zinsen nicht noch weiter senken. Nur die EU hat noch Spielräume. Und die EZB hat das Geld.

Wenn man ablehnt, dann gibt es nur noch die allerradikalste Methode, die sich der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den Sechzigerjahren des letzten Jahrzehnts ausgedacht hat. Mario Draghi mietet sich einen Hubschrauber und verstreut die 300 Milliarden direkt über den Euroraum.

Mehr zum Thema
Newsletter
Alle Kolumnisten


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 74 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kantundco 22.09.2014
1. Yeah, Wunderwaffen!
Sind wir mal wieder so weit? Münchhausen lebt im falschen Jahrhundert, im falschen Krieg und im falschen Rang. Danken wir dem Schicksal, das nur was zu schreiben, aber nichts zu sagen hat. Denn er wird auch dann, wenn alles den Bach runtergegangen ist, immer noch Recht gehabt haben.
weltbetrachter 22.09.2014
2. Kredite an kleine Unternehmen - schön wäre es wohl
Da kommt ein Chef eines kleinen Unternehmens zur Bank und möchte die Gunst der Stunde für sich nutzen. Ein Kredit für eine Investition soll es sein. Volumen ca 800.000 Euro. Da wird nach 30 Prozent Eigenkapital, zusätzliche Sicherheiten und allerlei Jahresabschlüssen und bestätigte Prognosen gefragt. Die Banken wollen gar kein Geld verleihen, weil die Zinsen für die niedrig sind. DA ist die BLOCKADE, die aufgelöst werden muß !!!
hefe21 22.09.2014
3. In den Sechzigern des letzten Jahrzehnts..
..also so um 1966, das war noch eine schöne Zeit, da hat Amerika aus Hubschraubern noch ganz andere Dinge abgeworfen. Und dass das liebliche Land sinnbildlich später auch Geld aus Hubschraubern abwerfen musste und muss, das liegt auch daran, dass es seit dem Sieg über Hitler gigantische Summen in Militär und Geheimdienst steckt. Denn einmal muss es noch so schön sein wie damals, diesen Wunsch hat das allzeit liebliche Ländchen mit einem Serientäter gemein.
mimas101 22.09.2014
4. Geht nicht
zum ersten haben wir keine Hubschrauber übrig (die 3 verbliebenen sind gerade unterwegs), zum zweiten geht es nicht wie das Beispiel Japan zeigt (da gibt es nur noch übersättigte Konsumenten), zum dritten geht es nicht weil die Industrie keine wert- und nachhaltigen Wirtschaftsgüter herstellen will, das würde die Renditen schmälern, zum vierten geht es nicht da ich nicht weiß was die EWG eigentlich ist, zum fünften geht es nicht weil der Preis-Leistungsmechanismus nicht mehr funktioniert, zum sechsten geht es nicht weil es durch die Globalisierung keine geschlossenen nationalen Wirtschaftskreisläufe mehr gibt, zum siebten geht es nicht weil keine Kredite nachgefragt werden, zum achten geht es nicht weil der Inlandskonsum 2002 anläßlich der Währungsreform (fast) vollständig zusammengebrochen ist. Eine Gehaltshalbierung (nachfolgend garniert mit Minijobs, SCHUFA, Tagelöhnern, 800-DM-Halbezitjobs und Micropayment) ist halt nicht förderlich für einen Konsumrausch der die Probleme nachhaltig auch nicht beseitigt und zum neunten geht es nicht weil 3/4 der EWG Dritte-Welt-Länder sind in denen u.a. keine Steuerehrlichkeit gegeben ist und dort auch nicht gekauft werden kann. Bananenrepublikanisch-spätkapitalistische Verhältnisse halt in der das Kapital vergessen hat das sie von den Konsumenten leben. Da müssen also erstmals andere Modelle her die berücksichtigen das es Marktsättigungen gibt und nicht für Alle Arbeit und damit Erwerbseinkommen da ist.
rugall70 22.09.2014
5. Zwei Semmeln für drei Personen
Lieber Herr Münchau, folgendes Szenario: Drei Menschen sind auf einer einsamen Insel gestrandet. Sie haben zwei Semmeln im Gepäck. Wieviel Geld müssen sie über der Insel abwerfen, damit sich jeder eine Semmel kaufen kann?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.