Ethikbanken Gute Geschäfte mit dem Gutmenschentum

Für viele ist die Kreditkrise eine Katastrophe - für andere eine Chance: Die Ethikbank in Eisenberg wirtschaftet nach sozialen und ökologischen Regeln - und erlebt die besten Monate ihrer Geschichte. So viele Kunden kamen noch nie. Doch wie grün sind die Alternativinstitute wirklich?

Aus Eisenberg berichtet


Die Katastrophe war zu groß, zu folgenreich, deshalb würde Sylke Schröder die Finanzkrise wohl niemals offen als Glücksfall bezeichnen. Aber im Prinzip war sie für die Bankerin genau das. Weltweit mussten Geldinstitute Milliarden abschreiben, nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers schmierten auch die Börsen ab, Anleger verloren Vermögen. Das Vertrauen der Kunden in die Institutionen des Finanzmarktes gilt seitdem als tief erschüttert.

Die Ethikbank, die Schröder führt, erlebt jedoch gerade die besten Monate ihrer Geschichte.

2007 trug der Ableger der Volksbank Eisenberg erstmals einen "kleinen, beschaulichen Beitrag" zum Ergebnis der Genossenschaftsbank bei, wie Schröder zufrieden erklärt. Auch 2008 lief gut - und so viele Kontoeröffnungen wie in den ersten fünf Monaten 2009 gab es bei der Online-Bank noch nie.

Sicher: Auf den ersten Blick wirken die Zahlen im Vergleich zu den Großbanken fast niedlich. 700 Kunden meldeten sich bei der Online-Bank in diesem Jahr bislang an, rund 8300 sind es damit insgesamt. 140.000 Euro erwirtschaftete das Geldinstitut 2007, im Folgejahr war es sogar noch weniger, weil in den weiteren Ausbau reinvestiert werden musste. Die Deutsche Bank machte zu Höchstzeiten 6,5 Milliarden Euro Gewinn.

Doch die Ethikbank ist nur eine von drei deutschen Alternativbanken, die nach strengen ökologischen oder sozialen Kriterien arbeiten, und sie ist der Winzling in der Branche. Die GLS Bank in Bochum und die Nürnberger Umweltbank gewannen 2009 jeweils 6000 Neukunden hinzu - schon fast so viel wie im gesamten Jahr 2008. Damit legen schon mehr als 150.000 Menschen ihre Gelder bei den beiden grünen Banken an.

"Immer mehr Kunden wenden sich von den herkömmlichen Banken ab", schlussfolgert Schröder. Es ist keine Massenflucht, aber doch ein Trend.

"HypoReal-itätsverlust"

In der Ethikbank in Eisenberg herrscht Aufbruchstimmung. Der Relaunch der veralteten Homepage steht an. In der Nachbarschaft des Geldinstituts wurde jüngst ein neues Gebäude gekauft, in das Teile der Belegschaft umziehen sollen - in dem alten Bankgebäude der Volksbank sitzen die Kollegen schon bis unters Dach. Gerade wird zudem eine eigene Marketing-Abteilung aufgebaut. Zum ersten Mal gibt es damit auch einen nennenswerten Etat für Werbung, 250.000 Euro immerhin.

Sylke Schröder ist sich allerdings nicht sicher, ob man mit den Anzeigen, die derzeit erstmals in Magazinen erscheinen, den richtigen Ton getroffen hat. "HypoReal-itätsverlust" lautet einer der Slogans in Anspielung auf die wankende Hypo-Real-Estate-Bank, in die der Staat Unsummen pumpen musste. Ein anderer lautet: "500.000.000.000 - die neue Bank-Leid-Zahl". Der Spruch bezieht sich auf das Bankenrettungspaket der Bundesregierung.

"Ich weiß nicht, ob wir uns damit nicht zu weit entfernen, von dem, was die Ethikbank eigentlich bewegt", sagt Schröder.

Die 43-jährige Bank-Managerin ist nicht gerade eine Missionarin in Batikklamotten. Eigentlich eher der Typ Karrierefrau, gepflegt, ernst, sachlich. Direkt nach der Wende fing sie bei der Volksbank Eisenberg an - als Vorstandssekretärin. Dann arbeitete sie sich hoch, wurde Direktionsassistentin, anschließend Prokuristin. Inzwischen sitzt sie selbst in der Chefetage der Volksbank, wo sie für das Direktbankgeschäft und damit für die Ethikbank zuständig ist. Und auch der Vorstand eines Mini-Instituts wie der kleinen Genossenschaftsbank in Eisenberg muss die strengen gesetzlichen Voraussetzungen zur Führung einer Bank erfüllen, bevor er seinen Posten antreten kann. Inklusive einer Managementausbildung, die selbst die disziplinierte Schröder "hammerhart" findet.

Atom-Firmen sind tabu

Trotz dieses sehr weltlichen Werdegangs geht es Schröder bei ihrer Bank ums Prinzip. Um einen nachhaltigen Lebensstil. So kam überhaupt erst die Idee zustande: Schon seit Mitte der neunziger Jahre experimentierte die kleine Volksbank in Eisenberg mit drei Konten, von denen Teile der Zinsen in wohltätige Projekte flossen. Einen ethischen Anstrich und den entsprechenden Imagegewinn hatte sie damit - aber schon bald wiesen Kritiker darauf hin, dass für konsequent ethisches Banking mehr nötig sei. Und Schröder fand, sie hatten recht. 2002 hob sie gemeinsam mit Vorstandschef Klaus Euler die Ethikbank aus der Taufe.

Die Angebotspalette des Geldinstituts reicht jetzt vom Girokonto über Sparbriefe und Fonds bis hin zum Ökobaukredit. Wie jede andere Bank arbeitet auch die Ethikbank mit den Kundengeldern an Wertpapier- und Kapitalmärkten, allerdings nach bestimmten ökologischen und sozialen Kriterien.

So sind Wertpapiere von Firmen tabu, die Atomkraftwerke bauen, im Rüstungsgeschäft tätig sind, Kinder für sich arbeiten lassen oder Chemikalien mit ozonzerstörender Wirkung herstellen. Auch das soziale und ökologische Engagement der Firmen wird berücksichtigt. Bei Staatsanleihen wird auf Menschen- und Bürgerrechte in den Herkunftsländern geachtet. Die nötigen Analysen, um Unternehmen und Regionen mit Blick auf die eigenen Werte beurteilen zu können, kauft die Ethikbank bei dem auf sozial-ökologische Themen spezialisierten Markforschungsunternehmen imug und bei der Zürcher Kantonalbank ein.

Wie grün ist BMW?

Der gute Zweck schränkt die Geschäftsmöglichkeiten ein und kostet Geld. Auf allzu berauschende Zinsen müssen die Kunden deshalb verzichten. Dass die Angebote der Bank im Vergleich mit herkömmlichen Instituten trotzdem wenigstens zum Teil im guten Mittelfeld liegen, verdankt sie unter anderem den Vorteilen einer Direktbank. Beratungsgebühren und Kosten für eine Filiale entfallen.

Ob die Ethikbank wirklich "grün" ist, darüber lässt sich allerdings streiten. Jemand, der wirklich nach streng ökologischen Standpunkten Geld anlegen wolle, "würde sich sicher bei so manchem Unternehmen wundern, in das da investiert wird", sagt Karin Baur, Redakteurin bei der Zeitschrift "Finanztest". Auf der Liste der Firmen, die das Geldinstitut für geeignet hält, finden sich unter anderem der Autohersteller BMW Chart zeigen, ebenso wie WackerChemie und die Norddeutsche Affinerie Chart zeigen.

Dafür kann aber jeder selbst bestimmen, ob er mit der Anlagestrategie der Bank einverstanden ist. Weil auf der Internetseite die Bewertungsstrategie für die in Frage kommenden Firmen genau dargelegt ist. Und in strittigen Fällen wird auch mal abgestimmt.

Online-Abstimmung über die Geschäftsstrategie

So wie damals bei der Allianz. Da hatte ein Kunde geschrieben, dass die Versicherung Anteile an EADS hielt - eine winzige Beteiligung, weniger als ein Prozent. Damit verstieß der Konzern rein rechnerisch nicht gegen die Kriterien der Ethikbank. Doch EADS produziert unter anderem Rüstungsgüter - ein No-go für das Geldinstitut. "Wir hatten Bauchschmerzen", sagt Schröder. Also befragte man die Kunden online.

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Seitdem steht die Allianz auf der Liste der kontroversen Projekte - und gehört nicht mehr zum "Anlageuniversum", in dem die Ethikbank mit den Geldern der Kunden arbeiten darf.

Es ist wohl diese Transparenz, die die Kunden in der aktuellen Krise anzieht. Denn natürlich schützen auch politisch korrekte Investments nicht vor Verlusten. Auch Ökofonds haben im vergangenen Jahr in der Finanzkrise stark an Wert verloren, und selbst die Ethikbank hat in Unternehmensanleihen von Banken investiert. Der Kollaps des Finanzsystems, der vergangenes Jahr kurzzeitig drohte, hätte auch die Eisenberger schwer getroffen.

Trotzdem scheint der Gedanke, sein Geld in grünen Geldanlagen zu versenken, vielen Menschen noch angenehmer als die Vorstellung, dass das Vermögen in bizarren Kreditderivaten verschwunden ist.



Forum - Grüne Fonds und Alternativbanken - der bessere Weg?
insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
ukw 29.06.2009
1. .
DAS ist sicher ein guter weg, sein Geld anzulegen. Die GLS Bank z.B. ist eine weitere Möglichkeit. Was mir gerade aufgefallen ist: Nachdem Madoff zu 150 Jahre Haft verurteilt worden ist - wegen seinem Schneeball System... worin Unterscheidet sich Madoffs System von dem der üblichen Banken? Deren Schneeballsystem musste durch Not- und Rettungspakete vor dem Zusammenbruch geschützt werden. Madoff hat ohne Rückversicherung gearbeitet aber das Rücksicherungssystem der großen Finanzinstitute hat ebenfalls nicht gehalten. Bekommen Ackermann & Co nun noch höhere Haftstrafen?
Dirk M. Nebel 29.06.2009
2.
Zitat von sysopFür die einen ist die Kreditkrise eine Katastrophe. Die Ethikbank in Eisenberg, die nach selbst gesetzten sozialen und ökologischen Regeln wirtschaftet, erlebt die besten Monate ihrer Geschichte. Sind grüne Fonds und Alternativbanken der bessere Weg, sein Geld anzulegen? Diskutieren Sie mit!
Die Frage ist etwas schwer zu beantworten und ein wenig ulkig zudem, da der "Gründer" der Ethikbank an seinem Wohnort als Querulant verschrieen ist. Er kämpfte monatelang mit allen möglichen Mitteln gegen einen e-Plus-Mobilfunkmast in der Nähe seines Wohnhauses. Da dies nicht funktioniert hat, schaltet er seither immer am Wochenende Anzeigen in der örtlichen Tageszeitung, die offenbar gegen den Bürgermeister seines Wohnortes gerichtet sind, aber eigentlich ein wenig albern klingen. Wieso sollte ich so einem Menschen mein Geld anvertrauen?
bono1 29.06.2009
3.
Zitat von sysopFür die einen ist die Kreditkrise eine Katastrophe. Die Ethikbank in Eisenberg, die nach selbst gesetzten sozialen und ökologischen Regeln wirtschaftet, erlebt die besten Monate ihrer Geschichte. Sind grüne Fonds und Alternativbanken der bessere Weg, sein Geld anzulegen? Diskutieren Sie mit!
Da Banken grundsätzlich auf Produktionserhöhung ausgerichtet sind
rabenkrähe 29.06.2009
4.
Zitat von ukwDAS ist sicher ein guter weg, sein Geld anzulegen. Die GLS Bank z.B. ist eine weitere Möglichkeit. Was mir gerade aufgefallen ist: Nachdem Madoff zu 150 Jahre Haft verurteilt worden ist - wegen seinem Schneeball System... worin Unterscheidet sich Madoffs System von dem der üblichen Banken? Deren Schneeballsystem musste durch Not- und Rettungspakete vor dem Zusammenbruch geschützt werden. Madoff hat ohne Rückversicherung gearbeitet aber das Rücksicherungssystem der großen Finanzinstitute hat ebenfalls nicht gehalten. Bekommen Ackermann & Co nun noch höhere Haftstrafen?
..... Ach Madoff: Jede Krise braucht ihre Bösewichte, Madoff ist ohne Zweifel ein solcher, der läßt sich gut präsentieren und vermarkten. Und lenkt perfekt von den eigentlichen Ursachen ab: Einem kranken System. Natürlich sind Alternativbanken und grüne Fonds erfreuliche Angebote, aber im Gesamtkontext sind sie nichts anderes als Feigenblätter. Mögen sie wachsen und gedeihen... rabenkrähe
bono1 29.06.2009
5.
Zitat von sysopFür die einen ist die Kreditkrise eine Katastrophe. Die Ethikbank in Eisenberg, die nach selbst gesetzten sozialen und ökologischen Regeln wirtschaftet, erlebt die besten Monate ihrer Geschichte. Sind grüne Fonds und Alternativbanken der bessere Weg, sein Geld anzulegen? Diskutieren Sie mit!
Da Bankenkredite grundsätzlich auf Produktionserhöhung ausgerichtet sind, was der Ressourcenschonung zuwider läuft, wird hier Etikettenschwindel betrieben.
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