EU-Streit Darf Ebbelwoi Apfelwein sein?

Ist Apfelwein überhaupt Wein, wo doch gar keine Trauben drin sind? Die EU hatte im Juli Wein als Erzeugnis aus Trauben definiert - und damit quasi eine diplomatische Krise mit Hessen ausgelöst. Jetzt gibt sich die zuständige EU-Kommissarin versöhnlich.


Brüssel - Brüssel will die Bezeichnung "Apfelwein" womöglich doch nicht abschaffen. Nach einem Sturm der Entrüstung aus Hessen, aber auch aus Berlin, zeigte sich die EU-Kommission heute kompromissbereit. Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel sei an einer "pragmatischen Lösung" interessiert, sagte ihr Sprecher heute in Brüssel.

Hessisches Getränk: Parteiübergreifender Alarm
AP

Hessisches Getränk: Parteiübergreifender Alarm

Nach der geplanten EU-Weinmarktreform dürfen nur noch Getränke aus Trauben den Namen "Wein" tragen, aber nicht mehr solche aus anderen Früchten wie Äpfeln oder Kirschen. Damit wäre beispielsweise auch der brandenburgische Kirschwein betroffen.

"Wir sind offen für Vorschläge", sagte Fischer Boels Sprecher Michael Mann mit Blick auf die Proteste aus Deutschland. Außer Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte sich auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) vergangene Woche für eine Rettung des unter anderem auch "Äppelwoi" und "Ebbelwoi" genannten Getränks stark gemacht. In Hessen schlugen Politiker parteiübergreifend Alarm.

Laut dem Sprecher ging es Fischer Boel darum, die Bezeichnung "Wein" internationalen Gebräuchen anzupassen. Der Sprecher verwies auf eine Definition des Internationalen Weinbauverbands, wonach Wein "ein Produkt aus Trauben" sei. Daher habe die EU geplant, Apfel- und sonstige Obstweine aus dem Wein-Richtlinienentwurf herauszunehmen. Ziel sei eine "kohärente Definition von Wein" gewesen.

Auch andere Punkte der geplanten Weinmarktreform wie das Verbot von zugesetztem Zucker sind umstritten. Die EU-Kommission will mit der Reform vor allem die Überproduktion reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Weine gegen Konkurrenz aus Übersee stärken. Fischer Boel hoffe nun, spätestens beim Treffen der EU-Agrarminister zu einer "für alle Seiten zufriedenstellenden Lösung" zu kommen.

kaz/AFP/AP/dpa



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