EU-Urteil Apotheker besiegen Pharmadiscounter

Die Privilegien für deutsche Apotheker sind mit dem EU-Wettbewerbsrecht vereinbar. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden - Apothekenketten bleiben in Deutschland damit verboten. Das Urteil ist eine schwere Niederlage für den Arzneimittel-Versender DocMorris.


Luxemburg - Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat das Fremdbesitzverbot für Apotheken bestätigt. Danach dürfen weiterhin nur approbierte Pharmazeuten Apotheken besitzen, Ketten bleiben unzulässig. Im Interesse des Gesundheitsschutzes sei das gerechtfertigt, urteilte der EuGH.

Apotheke (im Münsterland): Keine Ketten in Deutschland
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Apotheke (im Münsterland): Keine Ketten in Deutschland

Zwar arbeiten auch in Doc-Morris-Apotheken ausgebildete Pharmazeuten. Nach Ansicht des EU-Generalanwalts besteht bei angestellten Apothekern aber die Gefahr, dass sie von ihrem Arbeitgeber dazu gebracht werden, wirtschaftliche Interessen über den Gesundheitsschutz zu stellen.

Mit dem Urteil unterlag das Saarland im Streit mit mehreren Apotheker-Verbänden und Apothekern. Das Bundesland hält die deutschen Vorschriften für europarechtswidrig und hatte deshalb 2006 der niederländischen Internet-Apotheke DocMorris den Betrieb einer Filiale in Saarbrücken erlaubt. Doch zum Schutz der Gesundheit dürfen die EU-Staaten den freien Wettbewerb beschränken, urteilte der EuGH.

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, äußerte sich zufrieden: "Das ist ein guter Tag für den Verbraucher- und Patientenschutz in Deutschland und Europa."

Mehrere Drogeriemarktketten und Pharmagroßhändler wollten gerne in den Apotheken-Markt einsteigen und hatten daher auf eine gegenteilige Entscheidung gehofft. DocMorris ist bislang in Deutschland nur mit Lizenzbetrieben präsent, deren Eigentümer deutsche Apotheker sind. Das ist auch künftig erlaubt.

DocMorris ist eine Tochter des Stuttgarter Pharmahändlers Celesio, der mehrheitlich dem Familienunternehmen Haniel gehört und bereits gut 2300 Apotheken betreibt. Mit einem Umsatz von gut 35 Milliarden Euro im Jahr zählt der deutsche Apothekenmarkt zu den weltgrößten.

ler/AFP/dpa



Forum - Wie viel Wettbewerb braucht das Gesundheitssystem?
insgesamt 447 Beiträge
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Seite 1
japan10 19.05.2009
1.
Zitat von sysopVerbot von Apothekenketten, staatliche Regulierung für Ärzte - ist das deutsche Gesundheitssystem überreguliert? Oder ist nur so die gerechte Versorgung der Bürger sicherzustellen?
In diesem System wird deutlich, wie Lobbyarbeit funktioniert.
trabajador5, 19.05.2009
2.
Zitat von japan10In diesem System wird deutlich, wie Lobbyarbeit funktioniert.
damit dürfte klar sein, dass die pharmaindustrie nicht nur die deutsche politik, sondern auch die europäische politik kontrolliert.
Gungan, 19.05.2009
3. 10:10
Eine Schlagzeile ohne Artikel, aber schon ein Forumsthema und drei Beiträge! SPON wird immer BILDhafter
Synpho 19.05.2009
4.
Zitat von sysopVerbot von Apothekenketten, staatliche Regulierung für Ärzte - ist das deutsche Gesundheitssystem überreguliert? Oder ist nur so die gerechte Versorgung der Bürger sicherzustellen?
Gerechte Versorgung? Wohl eher die totale Stagnatation der Medikamentenpreise. Ein Wettbewerb innerhalb der Medizinischen Versorgung wäre nur von Vorteil für die Bürger, da evtl. günstigere Preise zu erwarten wären.
Cupseller 19.05.2009
5. weniger Kassen
Die Krankenkasen verschlingen zuviel Geld für sich, statt für die Kranken. Die Privatkassen gehören verboten, die gesetzlichen müssen in der Anzahl z.B. nach Berufsgruppen, oder Regionalität beschränkt werden. Die Ärzte müssen wieder per Behandlungsart bezahlt werden, meinetwegen mit Kontrollen durch die Kassen. Die Kassenvereinigungen, die Arztekongresse gehören aufgelöst. Die Interessen der reichen Pharmaindustrie stieß somit auf einen oligopolistischen Abnehmermarkt (wenige Krankenkassen), dann könnten es auch Apothekerketten geben. Wichtiger wäre es, dass die Politik Einfluß auf die Forschung, also Weiterentwicklung der Präperate im Dienste der Menschheit nimmt und nicht im Dienste extremer Gewinne. Hier gehörte ein weltweiter Ethikrat (Uno?) vorgeschaltet, der die Parameter dafür zurrt und Preisgrenzen nach oben festlegte. Ist zwar eine idealisierte Betrachtung, aber Medizin hat keine Grenzen.
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