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Euro-Krise: Merkel zockt am Abgrund

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Das Vertrauen der Märkte in die Euro-Staaten schwindet, sogar zahlungsfähige Länder bekommen kaum noch Geld. Setzt sich die Abwärtsspirale fort, ist die Währungsunion bald Geschichte. Doch die Bundesregierung verweigert sich weiter allen Lösungen - und wird damit zum größten Risiko des Euro.

AFP

Es gibt eine extrem riskante Verhandlungsstrategie. Sie wird in der Spieltheorie Brinkmanship genannt. Frei übersetzt bedeutet das so viel wie "Zocken am Rande des Abgrunds". Der ehemalige US-Außenminister John Foster Dulles prägte den Begriff in den fünfziger Jahren. Damals versuchten die USA, den Expansionsdrang der Sowjetunion mit der Androhung eines Atomschlags zu bremsen. "Die notwendige Kunst besteht darin, bis zur äußersten Grenze zu gehen, ohne in einen Krieg verwickelt zu werden. Wer sie nicht beherrscht, schlittert in den Krieg. Wer versucht, davor davonzulaufen (...), der ist verloren", sagte Dulles.

Damit die Strategie erfolgreich sein kann, muss der Zocker genau wissen, wo der Abgrund verläuft. Er sollte sich außerdem im Klaren darüber sein, was passiert, wenn das Prinzip "Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter" Realität wird.

So, wie die Bundesregierung derzeit agiert, sind Zweifel angebracht, ob Angela Merkel und ihre Mitstreiter genau wissen, wann der "point of no return" erreicht ist, der Euro also wirklich nicht mehr zu retten ist.

Wer Geld hat, legt es besser nicht in der Euro-Zone an

Das Vertrauen der Märkte in die Mitglieder der europäischen Währungsunion und die Banken, die deren Schulden finanziert haben, schwindet zusehends. Die jüngste Geldschwemme der Notenbanken ist nur ein weiteres Indiz dafür, wie groß die Verunsicherung ist. Regierungen und Unternehmen weltweit bereiten sich auf den Euro-Notfall vor, selbst wenn die dramatischen Folgen eines Auseinanderbrechens der gemeinsamen Währung kaum zu überblicken sind.

Um zu verstehen, warum die Euro-Zone am Abgrund wandelt, muss man sich nur ein paar naheliegende Fragen stellen:

  • Warum sollte ein privater Investor einem kriselnden Euro-Land noch Geld leihen, wenn Staaten - siehe Griechenland - allen anfänglichen Bekenntnissen zum Trotz doch pleitegehen können? Oder ihnen von finanzkräftigen Ländern mit dem Rauswurf aus der Währungsunion gedroht wird, wie es Angela Merkel und Nicolas Sarkozy getan haben?
  • Weshalb sollten China, Indien oder andere aufstrebende Wirtschaftsmächte Milliarden in europäische Staatsanleihen investieren, wenn sie damit rechnen müssen, für ihre bestehenden Euro-Devisenreserven bald Peseten, Lire oder vielleicht auch gar nichts mehr zurückzubekommen?
  • Wieso sollte eine Bank einer anderen noch einen Kredit zugestehen, wenn sie fürchten muss, dass sich die Staatsanleihen in deren Portfolio vom Vermögenswert zum Verlustbringer entwickeln?
  • Und wieso sollten Kleinsparer angesichts dieser Unsicherheit ihr Geld weiter einem Finanzinstitut anvertrauen?

Niemand kann diese berechtigten Zweifel im Moment ausräumen. Wer Geld hat, legt es deshalb besser nicht in der Euro-Zone an. Und wer dort investiert hat, sieht zu, dass er seine Anlagen möglichst abzieht. Setzt sich diese Abwärtsspirale fort, ist der Kollaps von Staaten und Banken bestenfalls noch eine Frage von Monaten. Eher von Wochen.

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1. .
alexbln 02.12.2011
so ein unfug der aus teilen der presse seit tagen auf uns einprasselt um merkel und co weichzuklopfen. der euro ist geschichte-so oder so, jetzt ist nur die frage ob es für uns teurer oder richtig teuer und ubnezahlbar wird. eurobonds sind und bleiben teufelszeug. jedes land hat für seine schulden allein zu haften, fertig aus.
2. Ein neuer Böll
Bondurant 02.12.2011
Zitat von sysopDas Vertrauen der Märkte in die Euro-Staaten schwindet, sogar zahlungsfähige Länder bekommen kaum noch Geld. Setzt sich die Abwärtsspirale fort, ist die Währungsunion bald Geschichte. Doch die Bundesregierung verweigert sich weiter allen Lösungen - und wird damit zum größten Risiko des Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,801233,00.html
und wie gehabt: deftige Kritik, verbunden mit rührend naiven Lösungsvorschlägen: Genau! Wenn Brüssel das so vorschreibt dann machen das auch alle so, denn sonst schicken die vielleicht Herrn Böll, der den Laden in Ordnung bringt und davor haben die Einzelstaaten dann natürlich Angst und trauen sich nicht, gegen das Konsolidierungsprogramm einfach zu verstoßen und zu sagen: nun brauchen wir neues Geld. Ganz undenkbar! Hätte man Böll doch schon früher gefragt, alles wäre gut gewesen.
3. Wem ist Merkel hörig?
wakaba 02.12.2011
Wer steuert Merkel? Wer führt Krieg gegen alle und alles? Da gibts nur eine Antwort für: Washingtoner Finanz- und Energieklüngel. Sind die einzigen die soviel Power haben. Warum diese Schlussfolgerung? Weil an der US-innenpolitischen Front Ruheherrscht weil alle Kräfte an der Eurofront sind. Vielleicht ist es an der Zeit die US aus Europa zu verbannen und damit mein ich die Grenze am Aermelkanal zu ziehen und auch Schweden zu isolieren. Europa darf nicht sterben und Totengräberin Merkel vor dem Akt der Zerstörung absetzen. Sonst sind wir bald wieder mit der Idee Europa soweit wie zu Beginn des 30-jährigen Krieges. Und nur die US würde davon profitieren.
4. D-Mark jetzt
kdshp 02.12.2011
Zitat von sysopDas Vertrauen der Märkte in die Euro-Staaten schwindet, sogar zahlungsfähige Länder bekommen kaum noch Geld. Setzt sich die Abwärtsspirale fort, ist die Währungsunion bald Geschichte. Doch die Bundesregierung verweigert sich weiter allen Lösungen - und wird damit zum größten Risiko des Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,801233,00.html
Hallo, die beste lösung wäre doch diesen EURO in die tonne zu klopfen und die D-Mark wieder einzuführen. Dieser EURO kostet gerade uns deutschen mehr als er uns was bringen üwrde.
5. Immer die gleiche Leier
BurtCocain 02.12.2011
Entschiedenes Handeln bedeudet hier wie immer nur eins,Geld lockermachen.Wenn Deutschland bzw. Merkel handeln soll dann soll sie weitere Milliarden ins Faß ohne Boden schmeißen.Seit mittlerweile bald 2 Jahren wird schlechtem Geld gutes hinterhergeworfen,das Geld hat jetzt jemand anders aber die Lage hat sich nicht geändert. Insofern zockt Merkel nicht sie weigert sich einfach nur!Daß die anderen das von ihr vordern ist nachvollziehbar,denn ihnen tut es ja nicht weh,sondern sie wollen nur davon profitieren. Wieso sollte also die Einführung von Eurobonds etwas ändern.Auch dadurch werden die Schulden nicht bezahlt.Vertrauen bedeutet halt jemandem trauen.Und wenn ich jemandem nicht mehr traue daß er seine Schulden zurückzahlen kann,dann ist das Vertrauen dahin.
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