Sydney/Lissabon - Für Spanien dürfte es künftig teurer werden, sich Geld an den Finanzmärkten zu leihen: Nach der Rating-Agentur Fitch beurteilt jetzt auch Standard and Poor's die Zuverlässigkeit des Landes bei der Rückzahlung seiner Schulden schlechter - und stufte die Kreditwürdigkeit der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone am Freitag um eine Note auf AA- herunter.
Wie Fitch schloss auch S&P eine weitere Verschlechterung nicht aus und setzte den Ausblick auf "negativ". Die Agentur begründete ihren Schritt unter anderem mit der hohen Arbeitslosigkeit, einer zunehmenden Kreditklemme sowie der hohen Verschuldung des Privatsektors in Spanien. Als weitere Gefahr nannten die Experten die absehbare Abkühlung der Konjunktur. "Trotz der Anzeichen für eine gewisse Widerstandsfähigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung 2011, sehen wir wachsende Risiken für das Wachstum Spaniens", hieß es in der Erklärung. Die Arbeitsmarktreform der Regierung sei noch nicht abgeschlossen und die spanische Finanzbranche werde durch den wachsenden Umfang an "problematischen Vermögenswerten" geschwächt, erklärte die Agentur.
Damit wächst der Druck auf die Euro-Zone, zügig eine umfassende Lösung für die Schuldenkrise vorzulegen. Am Donnerstagabend hatte Fitch zum Rundumschlag in der Bankenbranche ausgeholt. Sie überprüft mehrere Großbanken auf eine mögliche Herabstufung, darunter auch die Deutsche Bank, das Schweizer Geldinstitut Credit Suisse und die US-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley. Begründet wurde das damit, dass diese Banken besonders anfällig für die wachsenden Schwierigkeiten seien, denen sich die Finanzmärkte gegenübersähen.
Zwar gehörten die Banken zu den größten Finanzhäusern der Welt, erklärte Fitch. "Die neuere Geschichte zeigt aber, dass auch große Banken zusammenbrechen können." Die derzeitigen Risiken hätten große Ähnlichkeiten mit denen während der Finanzkrise 2008.
Portugal streicht Zulagen für Beamte
Die Regierung in Portugal, die ebenfalls gegen die Schuldenkrise ankämpft, kündigte jetzt ein drakonisches Sparprogramm an. Regierungschef Coelho stellte am Donnerstagabend in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache den vom Kabinett beschlossenen Haushalt für 2012 vor, der harte Sparschnitte vorsieht. "Das Land durchlebt eine Zeit des nationalen Notstands", sagte der Regierungschef. "Wir müssen mehr, viel mehr tun als ursprünglich geplant."
Unter anderem kündigte Coelho an, dass Staatsbedienstete mit einem Monatsgehalt von über 1000 Euro vorübergehend auf ein 13. und 14. Monatsgehalt verzichten müssten. Die Mehrwertsteuer soll erhöht, Ausgaben bei Bildung und Gesundheit sollen gekürzt werden. Coelho betonte, die Maßnahmen würden nur so lange gelten, wie das Land von internationaler Hilfe abhängig sei. Das hochverschuldete Portugal hatte vom Internationalem Währungsfonds (IWF) und der EU im Mai die Zusage für ein Hilfspaket von 78 Milliarden Euro erhalten und sich im Gegenzug zu strikten Sparmaßnahmen verpflichtet.
Das Parlament stimmt am Montag über das Budget ab, eine Zustimmung gilt angesichts der großen Regierungsmehrheit als sicher. Experten gehen wegen der einschneidenden Einsparungen von einem Schrumpfen der portugiesischen Wirtschaft von 1,8 Prozent in diesem und zwei Prozent im kommenden Jahr aus. Die Arbeitslosigkeit in dem südeuropäischen Land liegt bei zwölf Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit den achtziger Jahren.
hen/Reuters/AFP
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