Eurokurs-Brandrede Airbus-Chef Enders kündigt radikalen Sparplan an

Alarm bei Airbus: Wegen des Euro-Rekordhochs hat Unternehmenschef Enders nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vor Betriebsräten weitere radikale Sparmaßnahmen angekündigt. Der Kurs-Verfall des Dollars sei "lebensbedrohlich" für den Konzern, jetzt gelte das Motto: "keine Tabus".


Hamburg – Eine "Alarmrede" - anders könne man die Ansprache, die Airbus-Chef Thomas Enders heute vor den deutschen Betriebsräten in Hamburg hielt, nicht bezeichnen, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Angesichts des rasant steigenden Euro-Dollar-Kurses - ein Euro kostet inzwischen über 1,48 Dollar - zeichnete Enders wahre Horrorszenarien. Der Kurs habe "die Schmerzgrenze überschritten", das Tempo des Dollar-Verfalls "lässt vernünftige Anpassungsprozesse kaum noch zu", sagte Enders. "Das ist lebensbedrohlich." Obwohl das Unternehmen Aufträge in Rekordhöhe erwartet, müsse man deshalb auch mit "gewaltigen Verlusten" rechnen.

Airbus-Chef Enders: "Das ist lebensbedrohlich"
DDP

Airbus-Chef Enders: "Das ist lebensbedrohlich"

Die jüngste Wechselkursentwicklung ist für Airbus besonders problematisch: Das Unternehmen produziert im Euro-Raum, verkauft Maschinen aber zu Dollarpreisen. Wenn der Dollar zehn Cent an Wert verliert, kostet das die Airbus-Mutter EADS eine Milliarde Euro. Und das Schlimmste: Airbus durchläuft gerade eine Sanierungsphase mit dem Programm "Power 8" - das aber geht von einem Euro-Kurs von 1,35 Dollar aus.

Es müsse deshalb weiter gespart werden, erklärte Enders heute - und dass es dabei nicht um Kleinigkeiten gehen wird, daran ließ er keinen Zweifel. In den nächsten Wochen werde genau entschieden, in welchen Bereichen weitere Einschnitte folgen. "Wir müssen unser Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen. Es ist so nicht mehr tragfähig", sagte er: "Es geht um radikale Maßnahmen", alle großen Kostenblöcke müssten auf Kürzungsmöglichkeiten überprüft werden.

"Vor allem müssen wir unsere Zukunftsinvestitionen auf den Prüfstand stellen", sagte Enders. "Da werden manche Produktverbesserungen Blütenträume bleiben", sagte Enders heute. Um welche Projekte es dabei genau gehen könnte, erklärte Enders allerdings nicht.

Noch mehr Werke zum Verkauf?

Immerhin: Dass Enders mit seiner Brandrede für einen weiteren gravierenden Personalabbau vorfühlen wollte, bezweifelt man in Unternehmenskreisen. Angesichts der Auftragslage sei in diesem Bereich kaum noch Sparpotential. Trotzdem dürfte die Rede die Airbus-Mitarbeiter beunruhigen – denn Enders sagte über die anstehenden Maßnahmen auch: "Es kann keine Tabus mehr geben, es geht um die gesamte Wertschöpfungskette - auch um Outsourcing." Noch mehr Outsourcing kann bedeuten, dass weitere Werke auf die Verkaufsliste rücken. Derzeit werden im Rahmen von "Power 8" in Deutschland bereits für die Werke in Varel, Laupheim und Nordenham Käufer oder Partner gesucht.

Der alarmierende Tonfall Enders' kommt nicht von ungefähr. Vor wenigen Tagen musste der Airbus-Mutterkonzern erschütternd schlechte Geschäftszahlen vorlegen: Der Verlust vor Zinsen, Steuern, Firmenwertabschreibungen und Sonderposten, den das Unternehmen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres als Ebit auswies, betrug 343 Millionen Euro, wie EADS mitteilte. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte dagegen noch ein operativer Gewinn von knapp 1,43 Milliarden Euro in den Büchern gestanden.

Nun will Enders wohl unter anderem die Politik alarmieren. Auch wenn er diesen Eindruck unter allen Umständen vermeiden will: "Damit mich keiner missversteht, ich beschreibe nur nüchtern, was der Verfall des Dollar-Kurses für unser Unternehmen bedeutet und was wir tun müssen", erklärte er heute. "Ich rufe weder Politik noch EZB zu Währungsmaßnahmen auf."

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