Europäischer Energieriese Vattenfall kauft Nuon für 8,5 Milliarden Euro

Mega-Deal in der europäischen Energiebranche: Der schwedische Stromkonzern Vattenfall kauft den niederländischen Konkurrenten Nuon für 8,5 Milliarden Euro. Beide Unternehmen sind auch in Deutschland aktiv - Experten fürchten nun Einschränkungen beim Wettbewerb.


Stockholm - In der europäischen Energiebranche gibt es die nächste große Konzernübernahme. Wenige Monate nach dem Verkauf des niederländischen Unternehmens Essent an den deutschen RWE-Konzern verliert erneut ein Versorger seine Eigenständigkeit. Die Nummer zwei auf dem niederländischen Markt, Nuon, geht für 8,5 Milliarden Euro in bar an den schwedischen Staatskonzern Vattenfall.

Vattenfall-Kraftwerk (in Brandenburg): Einer der vier großen Konzerne
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Vattenfall-Kraftwerk (in Brandenburg): Einer der vier großen Konzerne

Der Zusammenschluss ist auch für deutsche Kunden relevant: Sowohl Vattenfall als auch Nuon sind hierzulande aktiv. Vattenfall ist vor allem in Hamburg, Berlin und Ostdeutschland präsent. Nuon hat sich mit seinen Angeboten "Lekker Strom" und "Wakker Gas" deutschlandweit einen Namen gemacht.

Vattenfall ist neben E.on Chart zeigen, RWE Chart zeigen und EnBW Chart zeigen einer der vier großen Energiekonzerne in Deutschland. Nuon gilt als junger Anbieter, der den etablierten Unternehmen bisher Konkurrenz gemacht hat. Im Verbund mit Vattenfall könnte der Wettbewerb in Deutschland nun eingeschränkt werden - für Verbraucher möglicherweise keine guten Aussichten.

Stromnetze in Deutschland: Vattenfall ist im Osten und in Hamburg präsent
DER SPIEGEL

Stromnetze in Deutschland: Vattenfall ist im Osten und in Hamburg präsent

"Jeder Zusammenschluss dämpft den Wettbewerb", sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher zu SPIEGEL ONLINE. "Das birgt immer die Gefahr steigender Preise."

Vattenfall hatte in Deutschland zuletzt zahlreiche Kunden verloren, unter anderem wegen Pannen in den Atomreaktoren Brunsbüttel und Krümmel. Nuon hingegen ist in Deutschland ein aufstrebendes Unternehmen mit wachsenden Kundenzahlen.

"Gerade Nuon war gegen die vier großen Konzerne angetreten", sagt Verbraucherschützer Peters. Dass das Unternehmen nun von einem der vier Etablierten übernommen werde, verheiße für die Kunden nichts Gutes. "Das Kartellamt muss den Deal untersagen", fordert Peters.

Auch beim Bundesverband der Verbraucherzentralen stößt die Übernahme auf wenig Begeisterung: "Dieser Konzentrationsprozess war zu erwarten, ist aber kein gutes Zeichen für die Kunden", sagt Energieexperte Holger Krawinkel zu SPIEGEL ONLINE. Vor allem für die Berliner Kunden, die gerade erst gewechselt hätten: "Die sind jetzt wieder beim alten Anbieter gelandet." Langfristig sei eine Konzentration innerhalb Europas zwar nicht zu vermeiden, es werde nur ein Dutzend Anbieter geben. "Umso wichtiger ist deshalb, dass es eine vollständige Entflechtung von Netz, Betrieb und Kraftwerken gibt", so Krawinkel.

Nach einer Vereinbarung der beiden Partner wird Vattenfall zunächst nur 49 Prozent an Nuon übernehmen, der Rest soll in den kommenden sechs Jahren folgen. Die niederländische Nuon-Netzgesellschaft Alliander soll nicht mit übernommen werden.

Vattenfall hatte sich in der Vergangenheit auch um den niederländischen Marktführer Essent bemüht. Hier hatten die Schweden jedoch gegen RWE verloren - das Unternehmen ging für neun Milliarden Euro an die Deutschen.

Vattenfall gehört dem schwedischen Staat. Das Unternehmen ist einer der größten Stromerzeuger in Europa. Neben Deutschland und dem Stammland Schweden ist Vattenfall auch in Finnland, Dänemark, Polen und Großbritannien aktiv.

Der Konzern kam im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 15,2 Milliarden Euro Umsatz. Er beschäftigt 32.800 Mitarbeiter. Davon entfallen 22.400 auf Vattenfall Europe und damit vor allem auf Deutschland. Das schwedische Unternehmen erklärte, ein Stellenabbau sei infolge der Übernahme nicht geplant.

Nuon versorgt nach eigenen Angaben mehr als drei Millionen Kunden in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Das Unternehmen produziert Strom, Gas, Wärme und Kälte. Im vergangenen Jahr hatte Nuon mit seinen rund 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 6,1 Milliarden Euro.

wal/sam/Reuters/dpa/AP



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