Ex-Airbus-Chef über EADS "Eine Firma, die in der Sackgasse steckt"

Als er noch Airbus-Chef war, fiel der Franzose Jean Pierson durch seine deutliche Sprache auf. Er hat sich nicht geändert: In einem Interview zieht er über die überkomplexe Struktur der Mutterfirma EADS her, über die ständigen Einmischungen der Politik – und über die Deutschen.


Paris - Der langjährige Chef des Flugzeugbauers Airbus hat auf eine Reform der Führungsstrukturen beim Mutterkonzern EADS Chart zeigen gedrängt. Dabei kritisierte Pierson vor allem die deutschen Aktionäre.

Pierson: Großaktionäre sollen raus
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Pierson: Großaktionäre sollen raus

Bei Problemen oder dem Start neuer Flugzeug-Programme hätten die Deutschen in der Airbus-Geschichte stets "diese Gelegenheiten genutzt, um zu verhandeln", klagte Pierson im Pariser Wirtschaftsblatt "Les Echos". Der Franzose, der von 1985 bis 1998 an der Airbus-Spitze stand, beklagte eine "deutsch-französische Rivalität".

Das derzeitige System könne "nicht andauern". Pierson forderte einen Ausstieg der EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère, die "nichts mehr in der Luftfahrt verloren haben".

"EADS ist eine Firma, die in der Sackgasse steckt", sagte Pierson mit Blick auf die Krise um den Sanierungsplan "Power 8". Er sehe dabei nicht, wer - auf Seiten der Deutschen oder der Franzosen - einlenken könnte.

Einzelheiten des von seinem Nachfolger Louis Gallois ausgearbeiteten Plans kenne er nicht, räumte Pierson ein. Doch er kenne Gallois und zweifle nicht, dass sein Plan "seriös und vernünftig auf industrieller und sozialer Ebene sowie ausgewogen verteilt" sei.

Pierson fügte hinzu: "Dass die Deutschen davon profitieren, um wie in der Vergangenheit die Dinge in Frage zu stellen und neue Vorteile abzutrotzen, überrascht mich nicht."

Unter Pierson hatte Airbus als eher loses Konsortium gearbeitet. Inzwischen ist die Firma eine hundertprozentige Tochter des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS. An EADS sind deutsche und französische Partner mit jeweils 22,5 Prozent beteiligt. Die Statuten sehen jeweils auch deutsch-französische Doppelspitzen in Vorstand und Verwaltungsrat vor.

itz/AFP



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