Ex-Arcandor-Chef Richter zweifeln an Middelhoffs Finanznot

Was braucht der gescheiterte Top-Manager Thomas Middelhoff monatlich zum Leben? 35.000 Euro allein für Personalkosten in Bielefeld und St. Tropez? Vor Gericht scheiterte der Ex-Arcandor-Chef nach SPIEGEL-Informationen mit dieser Erklärung - die Millionen auf seiner Bank bleiben eingefroren.

Thomas Middelhoff: Nicht glaubhaft, dass existentielle Not droht
dapd

Thomas Middelhoff: Nicht glaubhaft, dass existentielle Not droht


Hamburg - Schwere Niederlage für Thomas Middelhoff: Der frühere Arcandor-Chef ist nach Informationen des SPIEGEL vor dem Kölner Oberlandesgericht mit dem Versuch gescheitert, 23 Millionen Euro Festgeld und weitere 970.000 Euro in Wertpapieren per Einstweiliger Verfügung freizuklagen.

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Heft 7/2012
Verboten gefährlich

Das Bankhaus Sal. Oppenheim hatte die entsprechenden Konten und Depots eingefroren, weil Middelhoff und seine Gattin Cornelie Kredite von mehr als 100 Millionen Euro nicht mehr bedienen. In dem Verfahren hatten die Eheleute Middelhoff argumentiert, ohne das eingefrorene Geld seien sie vielleicht schon bald nicht mehr flüssig und verfügten nur noch über das absolute Existenzminimum.

Die Kölner Richter mochten dem nicht folgen und wiesen den Antrag zurück. Die Middelhoffs hätten "nicht glaubhaft gemacht", dass sie ohne das Geld in "eine existentielle Notlage" geraten könnten. Die Antragsteller veranschlagten ihre monatlichen Lebenshaltungskosten viel zu hoch und rechneten sich unanständig arm. So sei "nicht nachvollziehbar belegt, dass die von ihnen mit monatlich 35.000 Euro veranschlagten Kosten der Lebenshaltung unverzichtbar und nicht in zumutbarer Weise reduzierbar sind".

15.000 Euro für Gärtner und Überwachung in St. Tropez

Middelhoff und seine Frau sollten sich an der Wirklichkeit orientieren und nicht am "subjektiven Empfinden aufgrund ihrer bisherigen Lebensführung". Deshalb sei auch "nicht ersichtlich, wieso für ihre Immobilien in Bielefeld Personalkosten von monatlich mehr als 20.000 Euro unverzichtbar sein sollten". Gleiches gelte "für monatliche Personalkosten von 15.000 Euro für Gärtner und Bewachung des Anwesens der Antragsteller in St. Tropez".

Hinzu komme, "dass weiterhin nicht nachvollziehbar und plausibel dargelegt, geschweige denn hinreichend glaubhaft gemacht ist", warum es "nicht möglich ist, vorhandenes Vermögen" einzusetzen, um etwaige Engpässe zu überbrücken. Etwa jene "619.586,83 Euro", die als "liquides Vermögen bei Drittbanken" lägen. Oder "erhebliches unbelastetes Vermögen" im Eigentum von Cornelie Middelhoff, "dessen Verwertung oder Belastung möglich erscheint".

Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller wollte sich zu den Vermögensverhältnissen seiner Mandanten "nicht im Detail" äußern. Er sei aber sicher, das Hauptsacheverfahren gegen die Bank zu gewinnen, "weil die Darlehensforderungen von Sal. Oppenheim nur auf dem Papier bestehen - juristisch sind diese Forderungen nichtig".

(Aktenzeichen 13 W 79/11)

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insgesamt 212 Beiträge
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conny2, 12.02.2012
1. Unanständig
Zitat von sysopdapdWas braucht der gescheiterte Top-Manager Thomas Middelhoff monatlich zum Leben? 35.000 Euro allein für Personalkosten in Bielefeld und St. Tropez? Vor Gericht scheiterte der Ex-Arcandor-Chef nach SPIEGEL-Informationen mit dieser Erklärung - die Millionen auf seiner Bank bleiben eingefroren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,814749,00.html
In solchen Verfahren zeigt sich, dass Leuten wie Middelhoff jegliche Bodenhaftung fehlt, vom Anstandsgefühl gar nicht zu reden. Ärgerlich ist nur, dass sich die Gerichte mit derart unverschämten Anträgen überhaupt befassen müssen.
keksguru 12.02.2012
2. na den Herrn Middelhoff kennt man ja
und man weiß daß er keinerlei Ethik im Geschäftsleben gezeigt hat. Z.B. die ihm für sehr kurze Zeit anvertraute Führung von Karstadt, die hauptsächlich eine Holding in England fett gemacht hat mit komplett überhöhten Ladenmieten. Jedenfalls ist es für den Menschen auf der Straße nicht nachvollziehbar, warum die monatliche Lebensführung deutlich über 30.000 Euro kostet - da muß die Frau schon mal die Schatulle aufmachen, denn die sind ja beide nicht ganz unvermögend.
idealist100 12.02.2012
3. Solchen
Zitat von sysopdapdWas braucht der gescheiterte Top-Manager Thomas Middelhoff monatlich zum Leben? 35.000 Euro allein für Personalkosten in Bielefeld und St. Tropez? Vor Gericht scheiterte der Ex-Arcandor-Chef nach SPIEGEL-Informationen mit dieser Erklärung - die Millionen auf seiner Bank bleiben eingefroren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,814749,00.html
Solchen Typen sollte schon vom Staat sein Ganzer Besitz weg gepfändet und ihm eine 2 Zimmer Sozialbauwohnung und H.4 zur Verfügung gestellt werden. Das ganze sollte in den Sozialhaushalt einfließen bzw. zum Abbau der Staatsschulden verwendet werden.
lorn order 12.02.2012
4. Armut ist relativ
Zitat von sysopdapdWas braucht der gescheiterte Top-Manager Thomas Middelhoff monatlich zum Leben? 35.000 Euro allein für Personalkosten in Bielefeld und St. Tropez? Vor Gericht scheiterte der Ex-Arcandor-Chef nach SPIEGEL-Informationen mit dieser Erklärung - die Millionen auf seiner Bank bleiben eingefroren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,814749,00.html
Armut ist doch relativ zu den durchschnittlichen Verhältnissen zu sehen. Mehrere Miliarden Menschen auf der Welt wären froh, wenn sie das Einkommen hätten, mit dem man in Deutschland als arm gilt. Und wenn Herr und Frau Middelhoff in Milliardärskreisen in St. Tropez verkehren, so müssen sich diese beiden gequälten Menschen ja bitterarm wie Kirchenmäuse vorkommen, wenn sie nicht einmal mehr kümmerliche 35000 Euro pro Monat für Personalkosten aufbringen können. Vielleicht sehen wir ja Herrn Middelhoff demnächst in Athen für einen Schuldenschnitt demonstrieren, in eigener Sache natürlich.
Sotho 12.02.2012
5. Weise Urteile
Zitat von sysopdapdWas braucht der gescheiterte Top-Manager Thomas Middelhoff monatlich zum Leben? 35.000 Euro allein für Personalkosten in Bielefeld und St. Tropez? Vor Gericht scheiterte der Ex-Arcandor-Chef nach SPIEGEL-Informationen mit dieser Erklärung - die Millionen auf seiner Bank bleiben eingefroren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,814749,00.html
In Amerika gab es einmal einen Richter, der weise Urteile gefällt hatte. Wer Tiere aussetzte musste selber einen Tag oder ein paar Tage allein in der Wildniss verbringen. Middelhoff und seine Familie sollte man zwingen für ein oder zwei Jahre auf dem Niveau einer Hartz4 Familie zu verbringen. Einschließlich einer entsprechenden Wohnung. Eine heilsame Erfahrung.
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