Ex-Countrywide-Manager Ramschhypothek-Pionier zockt mit Krisenkrediten

Die US-Hypothekenbank Countrywide stand für die brutale Renditejagd, die zur Finanzkrise führte - nun ist ein Top-Manager des Instituts wieder groß ins Immobiliengeschäft eingestiegen. Er kauft faule Kredite für Discountpreise vom Staat, treibt die Zinsen ein und hofft auf hohe Gewinnmargen.


New York - Sie gaben sich als die Erfüller eines amerikanischen Traums. Die Chefs der US-Hypothekenbank Countrywide versprachen, praktisch jeder arbeitende US-Bürger könne sich ein Eigenheim leisten. CEO Angelo Mozilo und sein Vizechef Standort Kurland verkauften sogenannte subprime loans, Ramschkredite für Hauskäufer mit unterdurchschnittlicher und schlechter Bonität. Sie reichten die Hochrisikopakete gebündelt an Großbanken weiter - später wurden sie beinahe wertlos, die Finanzinstitute mussten Milliarden abschreiben. An vorderster Stelle steht Countrywide deshalb für die Exzesse, die zur globalen Finanzkrise führten.

Hypothekenmanager Kurland: Geschäft läuft "außerordentlich gut"
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Hypothekenmanager Kurland: Geschäft läuft "außerordentlich gut"

Nun macht der frühere Countrywide-Vize Kurland erneut Schlagzeilen. Die "New York Times" berichtet, wie eine Gruppe um Kurland Millionen Dollar an der Finanzkrise verdienen könnten. Kurland und einige Vertraute haben eine Firma mit dem Namen PennyMac gegründet, mit der sie schlechte Kredite aufkaufen, die die US-Regierung von anderen gescheiterten Banken übernommen hat - üblicherweise für einen Bruchteil des Wertes.

Man sei "sehr erfolgreich", das Geschäft laufe "außerordentlich gut", zitiert die Zeitung John Lawrence, einen Kreditmanager von PennyMac.

Ehemalige Countrywide-Manager profitieren so von der Krise, die sie selbst mitverursacht haben. Margot Saunders, eine Verbraucherschützerin, sagte der "New York Times": "Das ist vergleichbar mit einem Brandstifter, der nach der Tat die verkohlten Reste aufkauft und mit Gewinn weiterverscherbelt."

Ein Beispiel für das Geschäftsmodell: PennyMac hat für den Preis von 43,2 Millionen Dollar ein Kreditpaket mit überwiegend faulen Hypothekendarlehen von der staatlichen Kreditversicherung FDIC übernommen - ursprünglich hatten diese Kredite einen Gesamtwert von 560 Millionen.

PennyMac verhandelt nun mit den Kreditnehmern und kann teilweise deutliche Zinssenkungen in Aussicht stellen. Vielen Hausbesitzern ermöglicht das, die Ratenzahlungen wieder aufzunehmen und ihr Haus zu behalten. PennyMac wiederum darf laut Abkommen mit der FDIC bis zu 40 Cent von jedem Dollar behalten, den die Firma von den Kreditnehmern erhält. Für PennyMac reicht das für einen Profit aus - schließlich wurde das Kreditpaket mit einem deutlichen Abschlag erworben.

Countrywide galt einst als Pionier eines besonders riskanten Kreditmodells: Kreditnehmer mit zweifelhafter Bonität wurden durch anfangs niedrige "Teaser"-Zinsen zum kreditfinanzierten Kauf einer Immobilie animiert. Laut Vertragsbedingungen konnten die Zinsen aber zu einem späteren Zeitpunkt massiv ansteigen. Ergebnis: Viele Kreditnehmer waren mit der Last der Abträge überfordert. Der Ruf von Countrywide, zeitweise die größte Immobilienbank der USA, ist inzwischen so ruiniert, dass die Bank of America, die die Bankrottfirma übernommen hat, den Markennamen bald abschaffen will.

Kurland hat das Hauptquartier von PennyMac im vergangenen Jahr im selben Vorort von Los Angeles eröffnet, wo auch Countrywide einst residierte. Der Kritik, er sei ein Profiteur der Krise, begegnet der Firmenchef offensiv. Der "New York Times" sagte er, PennyMac wolle als Vorbild dafür dienen, wie die Regierung gemeinsam mit den Banken den Immobilienmarkt stabilisieren könnte.

In der Tat habe die PennyMac vielen Hausbesitzern geholfen, schreibt die Zeitung und zitiert mehrere Betroffene. Robert Robinson aus Pennsylvania etwa berichtet, PennyMac habe seinen Zinsen halbiert, so dass seine Hypothek wieder bezahlbar wurde.

Kurland bedauerte gegenüber der "New York Times", was bei Countrywide geschehen ist, wies zugleich aber alle Schuld von sich. Er betont, die Kreditvergabe sei nach seinem Ausscheiden aus der Firma 2006 bedeutend aggressiver geworden. Dennoch gebe es zumindest Fragezeichen angesichts seiner Verantwortung, schreibt die Zeitung. In mehrere Klagen gegen Countrywide wird Kurland vorgeworfen, eine entscheidende Rolle bei der Einführung der umstrittenen "Teaser"-Kredite gespielt zu haben.

"Kurland versucht aus einer Situation Profit zu schlagen, die er selbst verursacht hat", beschuldigt ihn Blair Nicholas, ein Anwalt, der eine Gruppe von Lehrern vertritt, die Klage gegen ehemalige Countrywide-Manager erhoben haben. "Es ist tragisch und ironisch", sagte Nicholas der "New York Times", "aber Gier ist nun mal eine Wachstumsindustrie."

cte



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