Urteil gegen Ex-Goldman-Investmentbanker Fabrice Tourre führte Kunden in die Irre

In einem der spektakulärsten Prozesse um die US-Finanzkrise ist ein Urteil gesprochen worden: Eine Jury in Manhatten sah es als erwiesen an, dass der einstige Goldman-Sachs-Trader Fabrice Tourre seine Kunden absichtlich täuschte.

  Investmentbanker  Fabrice Tourre auf dem Weg zum Gericht in Manhatten
AP/dpa

Investmentbanker Fabrice Tourre auf dem Weg zum Gericht in Manhatten


New York - Fünf Jahre nach dem Hochkochen der Finanzkrise hat ein US-Gericht einen Banker für seine Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen. Eine Jury in Manhattan sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der damalige Goldman-Sachs-Mitarbeiter Fabrice Tourre beim Verkauf von Hypothekenpapieren seinen Kunden wichtige Informationen verschwiegen hatte. In den Turbulenzen verloren die Papiere rasant an Wert. Dem 34-Jährigen drohen nun eine Geldstrafe und ein Berufsverbot. Darüber wird später entschieden.

Zu den Geschädigten gehörte auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die eine wichtige Rolle am US-Hypothekenmarkt gespielt hatte, sich verspekulierte und vom deutschen Steuerzahler mit Milliarden gerettet werden musste. Sie war eines der ersten Opfer der Finanzkrise.

Die Entscheidung des Gerichts stellt einen der größten Siege für die US-Börsenaufsicht SEC dar, die das Zivilverfahren angestoßen hatte. Die Anwälte der Börsenaufsichtsbehörde (SEC) nannten Tourre das Gesicht der Wall-Street-Gier. Tourres Anwälte bezeichneten ihn hingegen als Sündenbock in einer Wirtschaftsflaute, die von größeren ökonomischen Mächten ausgelöst worden sei.

Der Franzose, der sich gerne "fabulous Fab" nannte, war für den Verkauf von "collateralized debt obligations" (CDO) zuständig gewesen, dubiose Kreditprodukte der Wall Street. Die Abzocke war dabei von Anfang an eingeplant, wie Tourrein der E-Mail an seine Freundin geprahlt hatte.

Zwar mussten sich bereits zahlreiche Banken für ihr Verhalten zu Zeiten der Finanzkrise verantworten, nicht aber einzelne Banker.

Goldman Sachs selbst hatte den Fall im Rahmen eines Vergleichs schon vor drei Jahren mit der Zahlung von 550 Millionen Dollar (rund 417 Millionen Euro) beigelegt.

kha/AP/dpa

insgesamt 11 Beiträge
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key_art 01.08.2013
1.
Solche Trader und Investmentbanker/Manager werden inzwischen zumindest hier in D inzwischen in die Scheinselbstständigkeit gedrängt, damit die Bank jede Verantwortung von sich weisen kann. Die Banken instrumentalisieren die Gier junger Menschen, um sich an deren Leistung zu bereichern, jedoch ohne jede Verantwortung auf sich zu nehmen, wenn es schief geht. Früher waren diese Art "Transaktionen" den Neppern, Schleppern und den Bauernfängern vorbehalten.
hansulrich47 01.08.2013
2. Das ist kein Sündenbock,
der hier verurteilt wurde, sondern ein genau passender Banker! Diese überheblichen Freaks, die ihren Kunden Mist verhökern, sollten alle in den Knast! Davon gibt es in Deutschalnd bei nahezu allen Banken und Sparkassen noch etliche .....
eule_neu 01.08.2013
3. Betrüger & Zocker
Wann beginnt bei uns und in anderen EU-Ländern endlich die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise, die den Bürgern der EU soviel Geld abverlangt haben. Die Staatsanwaltschaften dürfen doch nicht nur die HSH-Nordbank vor den Kadi zitieren, es sind viele Nadelstreifen-Banker und Schattenbankzocker schuldig an der Sache. Es kann doch nicht sein, daß viel Steuergeld in Anspruch genommen wurde und es keine Schuldigen gibt! Wie verhält sich denn die Regierung unseres Landes zu solchen Fällen? Wieder tiefes Schweigen, Verdrängen und Verleugnen?
si tacuisses 02.08.2013
4. Wann geht Draghi brummen weil er Griechenland
Zitat von sysopAP/dpaIn einem der bislang spektakulärsten Prozesse um die US-Finanzkrise ist ein Urteil gesprochen worden: Der einstige Goldman-Sachs-Trader Fabrice Tourre wurde für haftbar befunden. Er soll Klienten um eine Milliarde Dollar gebracht haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/ex-goldman-trader-muss-fuer-milliardenbetrug-buessen-a-914402.html
durch massiven Betrug in die EU half ??
dalir 02.08.2013
5. optional
Schade das er keinen anstand hat und vom Dach der Bank gesprungen ist.
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