Vorgesetzter des "Wals von London" Ex-JP-Morgan-Händler in Spanien festgenommen

6,2 Milliarden Dollar soll der als "Wal von London" bekannt gewordene JP-Morgan-Händler versenkt haben. Jetzt hat die spanische Polizei dessen Vorgesetzten festgenommen - ihm soll in den USA der Prozess gemacht werden.

JP Morgan in New York: Auf sinkende Preise spekuliert, dann gingen sie hoch
AFP

JP Morgan in New York: Auf sinkende Preise spekuliert, dann gingen sie hoch


Madrid - Er soll in den milliardenschweren Handelsskandal um den "Wal von London" verwickelt sein: Die spanische Polizei hat einen ehemaligen Händler der Bank JP Morgan Chase, Javier Martin-Artajo, festgenommen. Der 49-Jährige habe sich am Dienstag auf einer Polizeiwache selbst gestellt, nachdem die Behörden mit ihm Kontakt aufgenommen hätten, teilte die Polizei mit. Die USA suchten ihn wegen Betrugs und Steuerkriminalität per internationalem Haftbefehl.

Martin-Artajo ist nach Angaben der US-Ermittler der ranghöchste Händler, der in die Affäre verwickelt sein soll. Er war der direkte Vorgesetzte des Londoner Händlers Bruno Iksil, der mit riskanten Derivate-Geschäften 6,2 Milliarden Dollar versenkte und daraufhin als "Wal von London" in die Finanzgeschichte einging.

Iksil soll für das Geldhaus große Mengen versicherungsähnlicher Produkte wie Kreditausfallversicherungen (CDS) gekauft und weiterverkauft haben. Offenbar im falschen Moment: Er spekulierte auf sinkende Preise, dann gingen sie nach oben. Iksil kooperiert Insidern zufolge aber mit den Behörden und wird daher nicht vor ein Strafgericht gestellt.

Martin-Artajo sowie der Iksil unterstellte Händler Julien Grout hingegen sind in den USA angeklagt. Martin-Artajo habe Untergebene angewiesen, Verluste zu verschleiern und gegen bankinterne Regeln zu verstoßen, heißt es in der Anklage, die sich unter anderem auch auf Anrufe und E-Mails stützt. Die Anwälte Martin-Artajos erklärten, der 49-Jährige werde "von allen Vorwürfen reingewaschen".

Die Verfahren gegen Martin-Artajo und Grout sind die ersten im Zusammenhang mit dem Skandal. In der Folge hatte die Investmentchefin die Bank verlassen, und Institutschef Jamie Dimon büßte einen Großteil seines Gehalts ein. Gegen die Bank sind auch noch zahlreiche Zivilklagen anhängig.

Grout hält sich in Frankreich auf; er verhandle derzeit mit den US-Justizbehörden über die Bedingungen, unter denen er in die USA reisen würde, sagte sein Anwalt am Dienstag. Neben Geldbußen drohen den beiden Angeklagten jeweils bis zu 25 Jahre Haft.

vks/Reuters/AP/AFP



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raber 27.08.2013
1. Wann geht es in Deutschland los?
So muss es gemacht werden. Wann fängt es in Deutschland an? Die Bankmanager sind keine Bundestagsabgeordneten mit Sonderrechten wie Bestechlichkeitsgenehmigung; oder doch?
copperfish 27.08.2013
2. Angewiesen
Ja, da bist du als Angestellter in der Zwickmühle. Dein Vorgesetzter verlangt von dir seine kriminellen Machenschaften zu "verschleiern", und tritt hinterher als strafbefreiter "Kronzeuge" gegen dich auf. Hättest du auf diese Dinge hingewiesen, wärst du bestenfalls gefeuert worden, mit der !Aussicht", nie wieder einen Job in deine Branche zu bekommen. Wärst du "Wistleblower" geworden, hättest du dich auch strafbar gemacht. Was lehrt uns das? Halte dich von allen "Jobs" in "Betrieben" mit Mafia ähnlichen Strukturen fern, als da vor allem wären: Politik Banken "Dienste" Polizei Nationale und internationale Großkonzerne Diese Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!
spiekr 27.08.2013
3. "Er spekulierte auf sinkende Preise,.."
Zitat von sysopAFP6,2 Milliarden Dollar soll der als "Wal von London" bekanntgewordene JPMorgan-Händler versenkt haben. Jetzt hat die spanische Polizei dessen Vorgesetzten festgenommen - ihm soll in den USA der Prozess gemacht werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/ex-jpmorgan-haendler-in-spanien-festgenommen-a-918930.html
und verlor. Wieso wäre es weniger strafbar, wenn er gewonnen hätte? Da es immer Gegenkonten gibt, entstehen dort gleichlautende Gewinne. Verlierer sind die Millionen Kleinunternehmer und Konsumenten, die spekulative Gewinne mit realen Produkten und Dienstleistungen bezahlen müssen, in welche die Spekulaten letzten Endes ihr Geld eintauschen werden.
agztse 27.08.2013
4.
Zitat von spiekrund verlor. Wieso wäre es weniger strafbar, wenn er gewonnen hätte? Da es immer Gegenkonten gibt, entstehen dort gleichlautende Gewinne. Verlierer sind die Millionen Kleinunternehmer und Konsumenten, die spekulative Gewinne mit realen Produkten und Dienstleistungen bezahlen müssen, in welche die Spekulaten letzten Endes ihr Geld eintauschen werden.
hmmm.... wenn die" Spekulaten letzten Endes ihr Geld eintauschen" gegen reale Produkte und Dienstleistungen dann sind es doch die Spekulanten die für die Produkte und Dienstleistungen zahlen und die Kleinunternehmer, wie der freundliche Ferrarihändler um der Ecke, profitieren. Oder wie oder was?
spiekr 27.08.2013
5. Nun raten Sie mal,
Zitat von agztsehmmm.... wenn die" Spekulaten letzten Endes ihr Geld eintauschen" gegen reale Produkte und Dienstleistungen dann sind es doch die Spekulanten die für die Produkte und Dienstleistungen zahlen und die Kleinunternehmer, wie der freundliche Ferrarihändler um der Ecke, profitieren. Oder wie oder was?
auf wen die Welt von beiden o.g. Gruppen verzichten könnte. Politik muss Bedingungen schaffen, die der Allgemeinheit nutzt. Ich will die Spekulation nicht verbieten, sondern deren Gewinne besteuern mit über 80% wie z.B. Zigaretten. Oder noch eleganter: Spekulationsverluste können nicht mit anderen Gewinnen egal welcher Art verrechnet werden. Denn was GB zusätzlich nervt: Der "Wal von London" schmälert den Gewinn seiner Bank = Kapitalertragssteuer sinkt für GB. Bitte denken Sie über weltweite Konzerne nach, die ihre Spekulationsgewinne & Verluste in verschiedenen (Steuer)Ländern enstehen lassen können.
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