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Experte Bofinger: Zock-Stopp für die Weltwirtschaft

Eine globale Banken-Schufa, staatliche Rating-Agenturen, verschärfte Eigenkapitalregeln - Peter Bofinger fordert harte Reformen für die Finanzsysteme. Auf SPIEGEL ONLINE erklärt der Wirtschaftsweise seinen Drei-Punkte-Plan: Wie die Welt nicht mehr in die Zocker-Ökonomie zurückfallen kann.

Frankfurter Banken-Skyline: Neue Verkehrsregeln für die Finanzsysteme
DDP

Frankfurter Banken-Skyline: Neue Verkehrsregeln für die Finanzsysteme

Um die Krise zu überwinden, braucht es zweierlei: eine akute Intervention, wie sie derzeit ja auch betrieben wird - und eine grundlegende Erneuerung der staatlichen Regulierungen zur Bankenaufsicht. Die Betonung liegt auf grundlegend: Angesichts der unglaublich gravierenden Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre wird es nicht ausreichen, nur die eine oder andere Stellschraube neu zu justieren.

Ohne weitreichende Reformen ist die Gefahr sehr groß, dass es nach Bewältigung der aktuellen Krise und im unbegrenzten Vertrauen auf staatliche Rettungsschirme ganz schnell wieder zu einem Rückfall ins hemmungslose Zocken kommt.

Doch was ist eigentlich möglich, um die Märkte besser zu regulieren? Das größte Hindernis für umfassende Lösungen sind die nach wie vor hohen nationalen Interessen. Diese machen den eigentlich naheliegenden Schritt, für ein global vernetztes Finanzsystem eine internationale Bankenaufsicht zu etablieren, unmöglich.

Auch die weniger ambitionierte Lösung einer integrierten europaweiten Bankenaufsicht erscheint vor diesem Hintergrund wenig realistisch, obwohl die großen Probleme des irischen Bankensystems und die damit verbundenen Spannungen innerhalb der Europäischen Währungsunion immer deutlicher erkennen lassen, dass eine einheitliche Währung mit national zersplitterten Bankaufsichtsbehörden auf Dauer keine Zukunft haben wird.

Gleichwohl hat die Krise in vielen Ländern eine deutlich erkennbare Bereitschaft zu grundlegenden Verbesserungen bei der Bankenregulierung geschaffen. Sie werden vor allem im Rahmen des Financial Stability Forum diskutiert, einer internationalen Institution, in der elf Industrieländer und wichtige internationale Institutionen vertreten sind.

Jetzt also gilt es zu handeln!

Die internationalen Finanzsysteme brauchen vor allem drei grundlegende neue Verkehrsregeln:

  • eine internationale Banken-Schufa
  • eine Verschärfung der Eigenkapital-Vorschriften
  • eine staatliche europäische Rating-Agentur

SPIEGEL ONLINE dokumentiert Bofingers Drei-Punkte-Plan:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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1. Bofinger sollte mal der Bundesbankpräsident werden
Kaiserbubu 14.05.2009
Schade das er es nicht geworden ist. Dann wäre vielleicht vieles in Deutschland anders gelaufen. Fakt ist doch, dass die Brandstifter jetzt die Feuerwehr spielen und nach dem Prinzip "Alles bleibt anders" handeln. Das Zocken geht fröhlich weiter. Ackermann feiert sich für seinen Milliardengewinn ( obwohl er 4 Milliarden Verlußt hat und der Gewinn eine bilanztechnische Trickserei war). Und was machen die Medien? Was macht der Spiegel? Diese Betrügereien müssten jeden Tag auf die erste Seite, damit endlich die Verlogenheit der Eliten und der Politik ein Ende gemacht wird. Wo sind wir hingekommen? Statt dessen ergözen sich Spiegelredakteure an der angeblichen humorlosen Linken. Was für ein Trauerspiel. Es gibt so viele Ökonomen, die vernünftige Vorschläge machen. Aber es kommen immer wieder die zu Worte, die von der Wirtschaft finanzierte "Institute" haben. Und die Mdien plappern alles nach. was da kommt. Bitte aufwachen und endlich Haltung zeigen.
2. nette Theorie
seine_unermesslichkeit 14.05.2009
Alles gute Vorschläge von Bofinger. Sie haben nur den Nachteil, dass sie sich praktisch nicht verwirklichen lassen werden. In den entwickelten westlichen Demokratien sind die Interessen zwischen Bänkern, Politikern und den Vorständen der Industrie derart miteinandern verwoben und versippt, dass es keine grundlegenden Reformen geben wird. Niemand sägt sich den Ast ab, auf dem er sitzt!
3. Wenn es denn soooo einfach wäre
Dominik Menakker, 14.05.2009
Der Artikel grenzt an Volksverdummung. Zwar alles schön eingängig geschrieben und hört sich alles auch so einfach an, aber Bofinger sagt nur die halbe Wahrheit. Thema Bankenschufa: Gerade die deutschen, und hier gerade die Landesbanken haben es doch vorgemacht, wie man die Bankenaufsicht aushebelt. Zweckgesellschaften gegründet, für deren Verbindlichkeiten gehaftet, die Haftung aber in den Büchern mit unter der Meldesumme bilanziert, und schon in die ganze Aufsicht im Eimer. Das ganze würde nur funktionieren, wenn es eine weltweite Meldepflicht gäbe, und man gleichzeitig jedem Bankmitabeiter noch einen staatlichen Meldekontrolleur in den Nacken setzen würde. Also mithin vollkommen unrealistisch. Aber er glaubt wohl, beim kleinen Volk mit dem Wort "Schufa", die ja jeder kennt punkten zu können. Eigentlich erbärmlich. Die EK Rendite der Deutschen Bank wurde an anderer Stelle bereits ausführlich diskutiert. Die von Bofinger als "solide" dargestellten 4 % wären absoluter Dummfug. Damit wären noch nicht einmal im Konsumerbereich die Kreditausfallrisiken abgedeckt. Wer so einen Stuss verbreitet zeigt eigentlich nur, dass er von der Materie keine Ahnung hat. Bofingers staatliche Rating Agenturen sind ebenfalls Unsinn. Einerseits ist mit 100 % -iger Sicherheit davon auszugehen, dass diese politischer Einflussnahme unterliegen ( was würde Wulff für ein Tänzchen aufführen, wenn VW abgewertet wird ), andererseits fehlt auf staatlicher Seite schlicht der Sachverstand. Viel wichtiger wäre es Rating Agenturen für grobe Fahrlässigkeit haftbar zu machen. Ein weiteres Beipiel für das "Klein-Erna" Denken von Bofinger ist seine Klage über 100-er Seiten lange Verträge. Diese basieren auf der simplen Tatsache, dass die amerikanische und britische Rechtsprechung viel stärker auf Fallrecht basiert, denn die deutsche. Da wo es in D reicht auf die Regeln des § xxx HGB oder sonst was hinzuweisen, muss sowas hier in den US explizit ausformuliert werden. Da wird dann ein einfacher Kreditvertrag über eine mittlere 6-stellige Summe für ein mittleres Unternehmen schon mal 50 Seiten und länger. Es ist einfach so. Sich darüber aufzuregen heißt nur, die Rechtsordnung anderer Länder nicht zu kennen oder nicht zu respektieren. Beides ist für einen "Experten" ein Armutszeugnis Last but not least seine Idee des Finanz TÜV's. Weiß er eigentlich, was er da geschrieben hat? Ich übersetze es mal in gemeines Deutsch: Beamten sind eh blöder als Banker, aber es geht nur noch durch, was auch der dumme Beamte versteht. Wenn das die Zukunft der Finanzwirtschaft sein soll, dann gute Nacht.
4. Spart die Titel ein
saddamatus, 14.05.2009
Zitat von Dominik MenakkerDer Artikel grenzt an Volksverdummung. Zwar alles schön eingängig geschrieben und hört sich alles auch so einfach an, aber Bofinger sagt nur die halbe Wahrheit. Thema Bankenschufa: Gerade die deutschen, und hier gerade die Landesbanken haben es doch vorgemacht, wie man die Bankenaufsicht aushebelt. Zweckgesellschaften gegründet, für deren Verbindlichkeiten gehaftet, die Haftung aber in den Büchern mit unter der Meldesumme bilanziert, und schon in die ganze Aufsicht im Eimer. Das ganze würde nur funktionieren, wenn es eine weltweite Meldepflicht gäbe, und man gleichzeitig jedem Bankmitabeiter noch einen staatlichen Meldekontrolleur in den Nacken setzen würde. Also mithin vollkommen unrealistisch. Aber er glaubt wohl, beim kleinen Volk mit dem Wort "Schufa", die ja jeder kennt punkten zu können. Eigentlich erbärmlich. Die EK Rendite der Deutschen Bank wurde an anderer Stelle bereits ausführlich diskutiert. Die von Bofinger als "solide" dargestellten 4 % wären absoluter Dummfug. Damit wären noch nicht einmal im Konsumerbereich die Kreditausfallrisiken abgedeckt. Wer so einen Stuss verbreitet zeigt eigentlich nur, dass er von der Materie keine Ahnung hat. Bofingers staatliche Rating Agenturen sind ebenfalls Unsinn. Einerseits ist mit 100 % -iger Sicherheit davon auszugehen, dass diese politischer Einflussnahme unterliegen ( was würde Wulff für ein Tänzchen aufführen, wenn VW abgewertet wird ), andererseits fehlt auf staatlicher Seite schlicht der Sachverstand. Viel wichtiger wäre es Rating Agenturen für grobe Fahrlässigkeit haftbar zu machen. Ein weiteres Beipiel für das "Klein-Erna" Denken von Bofinger ist seine Klage über 100-er Seiten lange Verträge. Diese basieren auf der simplen Tatsache, dass die amerikanische und britische Rechtsprechung viel stärker auf Fallrecht basiert, denn die deutsche. Da wo es in D reicht auf die Regeln des § xxx HGB oder sonst was hinzuweisen, muss sowas hier in den US explizit ausformuliert werden. Da wird dann ein einfacher Kreditvertrag über eine mittlere 6-stellige Summe für ein mittleres Unternehmen schon mal 50 Seiten und länger. Es ist einfach so. Sich darüber aufzuregen heißt nur, die Rechtsordnung anderer Länder nicht zu kennen oder nicht zu respektieren. Beides ist für einen "Experten" ein Armutszeugnis Last but not least seine Idee des Finanz TÜV's. Weiß er eigentlich, was er da geschrieben hat? Ich übersetze es mal in gemeines Deutsch: Beamten sind eh blöder als Banker, aber es geht nur noch durch, was auch der dumme Beamte versteht. Wenn das die Zukunft der Finanzwirtschaft sein soll, dann gute Nacht.
Ihr pseudokompetenter Sermon erinnert mich an die letzten 15 Jahre. In diesem Zeitraum wurden alle Ansätze die sich mit den tatsächlichen Problemen befassen von Nichtsblickern als inkompetent niedergetreten, die dann sich dann anschliessend das Hirn von Vodooökönomen haben vollpupsen lassen, weil sie Argument nicht von nassforscher Propaganda unterscheiden können. Sie haben nur die Plattsprüche gut auswendig gelernt, die von den Profiteuren der Geldverbrenne ventiliert wurden um beim Abzocken nicht gestört zu werden. Wie wäre es denn mit konstruktiven Kommentaren? Bofinger ist immerhin einer der Wenigen, die gegen den Neolib-Gesinnungsterror der letzten Jahrzehnte gegen gehalten hat und dafür auch übelste Verunglimpfungen hinnehmen musste.
5. Als Kommunisten verschrieen
PML, 14.05.2009
Zitat von saddamatusIhr pseudokompetenter Sermon erinnert mich an die letzten 15 Jahre. In diesem Zeitraum wurden alle Ansätze die sich mit den tatsächlichen Problemen befassen von Nichtsblickern als inkompetent niedergetreten, die dann sich dann anschliessend das Hirn von Vodooökönomen haben vollpupsen lassen, weil sie Argument nicht von nassforscher Propaganda unterscheiden können. Sie haben nur die Plattsprüche gut auswendig gelernt, die von den Profiteuren der Geldverbrenne ventiliert wurden um beim Abzocken nicht gestört zu werden. Wie wäre es denn mit konstruktiven Kommentaren? Bofinger ist immerhin einer der Wenigen, die gegen den Neolib-Gesinnungsterror der letzten Jahrzehnte gegen gehalten hat und dafür auch übelste Verunglimpfungen hinnehmen musste.
ALLERDINGS! Und nicht nur er! Die Milton-Friedman-Heiopeis, in ihrer grenzdebilen Marktglückseligkeit, haben uns Ordoliberale als "Linke" verschrieen.
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