Experten US-"Bad Bank" könnte bis zu vier Billionen Dollar kosten

Die Einrichtung einer sogenannten "Bad Bank" in den USA könnte doppelt so teuer werden wie kalkuliert: Nach Ansicht eines US-Senators würde ein staatliches Institut zum Aufkauf hochriskanter Papiere bis zu vier Billionen Dollar kosten. Bislang ging die Regierung von zwei Billionen Dollar aus.


Washington - Die Schaffung einer sogenannten "Bad Bank" in den USA könnte nach Ansicht des einflussreichen Senators Charles Schumer ein bis vier Billionen Dollar kosten. Dies hätten Berechnungen von Experten ergeben, erklärte Schummer am Donnerstag.

"Das ist eine Menge Geld, und das könnte viele andere Bereiche im Finanzsystem vermurksen", sagte der Senator zu Reportern. Die Banken benötigten aber nicht unbedingt weitere zwei bis drei Billionen Dollar an staatlicher Hilfe. Die US-Regierung berät derzeit laut "Wall Street Journal" darüber, noch einmal bis zwei Billionen Dollar zur Stützung des Bankensystems aufzubringen.

Am Dienstag hatte der demokratische Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd, Gespräche der US-Regierung über einen Aufbau einer staatlich kontrollierten Bank zum Wertpapieraufkauf bestätigt. Der Aufkauf der gesamten hochriskanten Papiere aus den Bilanzen der Geldhäuser durch eine staatliche "Bad Bank" stand in den USA im vergangenen Jahr zunächst im Zentrum des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets Tarp. Später gewann aber die direkte Staatsbeteiligung an Banken an Bedeutung.

Auch in Deutschland wurde zuletzt wiederholt über die Einrichtung einer "Bad Bank" diskutiert - die Idee einer zentralen staatlichen Bad Bank, die faule Kredite auf einen Schlag sozialisiert, wurde aber nach Angaben aus Regierungskreisen endgültig verworfen. Stattdessen erwägt die Regierung nun nach Berichten des "Handelsblatt" und der Nachrichtenagentur Reuters mehrere Mini-"Bad Banks", sprich: die Gründung bankeigener Zweckgesellschaften, in denen die Banken ihre Risikopapiere auslagern.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) plant dem Bericht zufolge, dass die Banken die ausgelagerten Papiere mit Eigenkapital unterlegen müssen. Sollten die Papiere fällig werden und der Marktpreis unter dem Einstandspreis in der Zweckgesellschaft liegen, müsste die Bank für den Verlust selbst einstehen.

Bei einem Spitzentreffen am Freitag im Kanzleramt werden Angela Merkel und Top-Minister Berichten zufolge über die Einrichtung solch dezentraler "Bad Banks" beraten - und über eine Übernahme der Hypo Real Estate.

amz/ssc/Reuters

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