Exportkrise China-Boom schwächt sich merklich ab

Die weltweite Finanzkrise trifft China hart: Nach Angaben der Regierung in Peking wächst der Export in diesem Jahr nur noch um zehn Prozent, der Handelsüberschuss der Volksrepublik schrumpft gar um 25 Prozent. Die deutsche Wirtschaft fürchtet bereits, mit in den Sog gerissen zu werden.


Peking - Jahrelang ging es mit China rasant aufwärts, nun schwächt sich der Trend deutlich ab. Nach einem Exportzuwachs von 25,7 Prozent im Vorjahr erwartet die Volksrepublik in diesem Jahr ein Wachstum der Ausfuhren von nur noch zehn Prozent. Dies berichtet die chinesische Akademie für Handel und Wirtschaftskooperation, die dem Außenhandelsministerium angegliedert ist, nach einem Bericht der Wertpapierzeitung "Shanghai Securities News".

Chinesisches Schiff im Hamburger Hafen: Deutsch-chinesisches Handelsvolumen von 85 Milliarden Euro
DPA

Chinesisches Schiff im Hamburger Hafen: Deutsch-chinesisches Handelsvolumen von 85 Milliarden Euro

Der Handelsüberschuss dürfte sogar zurückgehen: von 262 Milliarden auf nur noch 200 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Minus von fast 25 Prozent.

Hauptgrund für die düstere Prognose ist die schwächere Nachfrage in den USA. Dadurch ist das Exportwachstum in den ersten drei Monaten bereits gefallen. Im ersten Quartal 2007 lag das Plus noch bei 27,8 Prozent, in den Monaten Januar bis März 2008 waren es nur noch 21,4 Prozent.

Die chinesischen Exporteure sprechen von einem insgesamt schwierigeren heimischen und internationalen Umfeld, außerdem machen ihnen höhere Betriebskosten zu schaffen. In der Vergangenheit hatten Regierungsvertreter außerdem auf die negativen Auswirkungen des starken Yuan auf die Exportwirtschaft hingewiesen.

Überdurchschnittlich stark legte immerhin der Export von elektromechanischen Produkten zu. Nach Angaben des Ministeriums liegt hier ein großes Potential für Chinas Wirtschaft. Insgesamt bereiten die Zahlen der Regierung in Peking aber offensichtlich Sorgen.

Dieser Einschätzung schließt sich auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, an. Unter den Schwellenländern werde die Finanzkrise insbesondere China treffen, sagte er dem "Handelsblatt". Schon heute spüre China, dass der Export in die USA zurückgehe. Es werde für das Land immer schwieriger, diesen Rückgang durch mehr Ausfuhren nach Europa und in die Nachbarländer auszugleichen.

Für die Bundesrepublik haben die schwachen chinesischen Zahlen immerhin einen Vorteil: Deutschland werde wohl den Titel als Exportweltmeister 2008 gegen China verteidigen können, sagte Braun. Bisher waren Experten davon ausgegangen, dass China Deutschland bald überhole.

Andererseits könnte eine wirtschaftliche Abschwächung in China auch für Deutschland negative Wirkungen haben. China ist mit einem Volumen rund 85 Milliarden Euro im Jahr 2007 mit den USA der wichtigste deutsche Handelspartner außerhalb Europas.

wal/dpa-AFX/Reuters



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