Exportschwund Wirtschaftsleistung in Deutschland bricht um 3,8 Prozent ein

Die weltweite Wirtschaftskrise hat Deutschland im ersten Quartal voll erfasst: Das Bruttoinlandsprodukt ist gegenüber dem Vorquartal um 3,8 Prozent gesunken, stärker als erwartet - ein größeres Minus gab es noch nie seit Erhebung der Daten.


Berlin - Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn regelrecht abgestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt sank im ersten Quartal um 3,8 Prozent verglichen mit dem Vorquartal. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Ein größeres Minus hat es seit Einführung der Quartalsvergleiche 1970 noch nicht gegeben.

Dampfturbinenwerk (in Görlitz): "Deutlich gesunkene Exporte"
DPA

Dampfturbinenwerk (in Görlitz): "Deutlich gesunkene Exporte"

Der Rückgang fiel zudem deutlicher aus als erwartet: 45 Ökonomen, die von der Nachrichtenagentur Reuters befragt worden waren, hatten lediglich einen Rückgang um drei Prozent vorausgesagt. Das Bruttoinlandsprodukt drückt den Wert aller in Deutschland erwirtschafteten Waren und Dienstleistungen aus und gilt als die wichtigste ökonomische Kennziffer.

"Der Einbruch ist Folge deutlich gesunkener Exporte und Investitionen", sagte ein Mitarbeiter des Statistischen Bundesamts. Die privaten und staatlichen Konsumausgaben hätten dagegen leicht zugelegt und ein noch schlechteres Ergebnis verhindert. Details will das Bundesamt am 26. Mai nennen.

Die Wirtschaftsleistung sank damit bereits das vierte Quartal in Folge. Ende 2008 hatte es ein Minus von 2,2 Prozent gegeben, in den beiden Vierteljahren davor war es um jeweils 0,5 Prozent nach unten gegangen (siehe Tabelle).

Die Bundesregierung und die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen für das Gesamtjahr 2009 mit einem Minus von sechs Prozent. Das wäre der stärkste Einbruch seit Gründung der Bundesrepublik. Ursache dafür ist die globale Wirtschaftskrise, unter der Exportweltmeister Deutschland besonders leidet.

Besonders heftig ist auch der Vergleich mit dem Vorjahresquartal: Hier fiel die Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn sogar um 6,7 Prozent zurück. Kalenderbereinigt - also unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Zahl von Arbeitstagen - lag das Minus bei 6,9 Prozent. Volkswirte hatten hier lediglich ein Minus von 6,2 Prozent erwartet. Insgesamt wurde die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal von 39,9 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im verarbeitenden Gewerbe hat sich der Beschäftigungsrückgang allerdings fortgesetzt. Im März ging die Zahl der Beschäftigten um ein Prozent auf gut 5,1 Millionen Personen zurück, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nahm im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat trotz drei zusätzlicher Arbeitstage nur um 1,9 Prozent auf 669 Millionen zu. Die Bruttolohn- und -gehaltssumme sank um 5,1 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro.

Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

Veränderung gegenüber Vorjahresquartal in Prozent * Veränderung gegenüber Vorquartal in Prozent **
2. Quartal 2007 2,5 0,4
3. Quartal 2007 2,4 0,6
4. Quartal 2007 1,6 0,3
1. Quartal 2008 2,1 1,5
2. Quartal 2008 3,4 -0,5
3. Quartal 2008 1,4 -0,5
4. Quartal 2008 -1,7 -2,2
1. Quartal 2009 -6,7 -3,8

* preisbereinigt
** kalender-, preis- und saisonbereinigt
Quelle: Statistisches Bundesamt

wal/Reuters/dpa/ddp



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