Extrem-Arbeiter Reiz und Risiko der 70-Stunden-Woche

Sie arbeiten bis in die Nacht, am Wochenende sowieso - und mancher verschiebt Omas Beerdigung, weil sie nicht in den Terminplan passt: "Extremjobber" gibt es auch in Deutschland, und es werden immer mehr. Doch was - außer den hohen Gehältern - treibt Menschen wie sie an?

Von Lothar Kuhn


"Für meinen Job (im Bereich Mergers and Acquisitions einer "Investmentbank) arbeite ich jeden Tag mindestens 14 bis 15 Stunden, muss permanent auf Handy und Blackberry erreichbar sein. Auf der einen Seite lernt man dadurch viel schneller (klar, man arbeitet mehr), auf der anderen Seite sind die Belastung und der Druck sehr hoch. Ich finde es okay, dies für einige Jahre zu machen, da ich auf diesem Wege eine gute Position und Wissen erarbeiten kann."

Geschäftsmann am Handy: Reisen, verfügbar sein, immer entscheiden können
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Geschäftsmann am Handy: Reisen, verfügbar sein, immer entscheiden können

So beschreibt eine Internetnutzerin mit dem Pseudonym Emely13 ihre Karrierepläne auf manager-magazin.de. Sie zählt zur wachsenden Zahl von Führungskräften, die bereitwillig 60 oder 70 Stunden die Woche arbeiten, kaum Privatleben haben - und dennoch mit ihrem Leben zufrieden sind.

In den USA haben die Wissenschaftlerin Sylvia Ann Hewlett und die Ernst&Young-Partnerin Carolyn Buck Luce diese Gruppe hoch motivierter, leistungsstarker Toptalente genauer untersucht und für sie den Begriff der Extremjobber geprägt. Findet sich diese Art von Spitzenkräften aber auch in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, haben die Beratung Kienbaum Management Consultants und die Zeitschrift Harvard Businessmanager deutsche Führungskräfte gebeten, ihre Arbeitssituation zu schildern und zu bewerten.

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Harvard Business Manager 6/2007

Die Antworten der 142 Manager belegen klar: Auch hierzulande gibt es Extremjobber, und ihre Zahl wird angesichts der wachsenden Arbeitsbelastung noch zunehmen. Bei ihnen handelt es sich um Personen, die mindestens 60 Stunden pro Woche arbeiten, sehr gut verdienen, für die Kunden ständig verfügbar sind, viel reisen und eine hohe Verantwortung tragen.

Natürlich hat es schon immer Manager mit großer Arbeitsbelastung gegeben. Doch heute fühlen sich viele von ihnen nicht mehr als Getriebene im Hamsterrad, sondern als stolze Helden der Arbeit, als "Herrscher des Universums", wie sie Hewlett und Luce ironisch nennen. So sagen 95 Prozent der befragten deutschen Manager: "Mein Job macht mir Spaß." 87 Prozent betonen: "Die Herausforderung ist mir wichtig." 57 Prozent geben als Motiv für ihren Einsatz an: "Ich bekomme Anerkennung für meine Leistung." So klingen keine Workaholics kurz vor dem Zusammenbruch.

Doch was bedeutet das für die Unternehmen? Auf den ersten Blick müsste jeder Arbeitgeber mit dieser hoch motivierten Leistungselite mehr als zufrieden sein. Doch das Extremjobben birgt Gefahren. Ein Drittel der Befragten räumt ein, mit seiner Work-Life-Balance unzufrieden zu sein; fast die Hälfte klagt, zu wenig Zeit mit dem Partner zu verbringen; drei Viertel geben zu, sich zu wenig zu bewegen. "Langfristig (ist mein Job) mit einem vernünftigen Privatleben nicht vereinbar, da ein Partner mit einem 'normalen' Job kaum Verständnis dafür hat - zu Recht", musste auch Internetnutzerin Emely13 erkennen.

Warum mehr gearbeitet wird

Der Acht-Stunden-Tag, die 40-Stunden-Woche - das sind für viele Manager schon lange Fremdwörter. Vier Fünftel der Umfrageteilnehmer sagten, ihre Arbeitsbelastung habe in den vergangenen fünf Jahren zugenommen. 85 Prozent gaben an, mehr als 50 Stunden pro Woche zu arbeiten. Bei denjenigen, die mehr als 200.000 Euro im Jahr verdienen, arbeitet fast die Hälfte sogar mehr als 60 Stunden. "Die Arbeitsbelastung steigt fast linear mit dem Gehalt", hat auch Walter Jochmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum Management Consultants, beobachtet.

Wie viel deutsche Manager arbeiten
Harvard Business Manager

Wie viel deutsche Manager arbeiten

Die Zahlen decken sich fast exakt mit denen aus den USA. Fälle wie die des Analysten Sudhir (Name geändert), den Hewlett und Luce beschrieben haben, sind allerdings auch dort die Ausnahme. Der New Yorker indischer Herkunft ist bei einer großen Geschäftsbank beschäftigt. Im Sommer arbeitet er 90 Stunden die Woche - das ist seine ruhige Saison, wie er es nennt. Den Rest des Jahres schuftet er 120 Stunden und mehr; zum Schlafen, Essen, Ausgehen und Baden, wie er lächelnd erwähnt, bleiben ihm noch ganze 48 Stunden pro Woche. Für Sudhir zahlt sich dieses Dasein ohne Privatleben aus, denn das Gehalt des 23-Jährigen zählt bereits zu den oberen 6 Prozent der Einkommen in den USA.

Was treibt Menschen wie Sudhir an? Sicherlich sind hohe Gehälter ein Grund, doch das allein genügt nicht. Gerade bei den besonders gut Verdienenden in unserer Umfrage ist die Anerkennung ihrer Leistung ein wichtiger Motivator, ebenso die intellektuelle Herausforderung, die es zu meistern gilt - etwa eine Firma zu analysieren, eine Strategie zu entwickeln und umzusetzen.

Wettbewerbsdruck

Aber natürlich gibt es auch externe Faktoren, die Führungskräfte und Toptalente dazu bringen, ein immer höheres Arbeitspensum zu schultern. Zu ihnen zählen wachsender Wettbewerbsdruck, neue, effiziente Kommunikationsmittel, kulturelle Veränderungen und die Globalisierung.

Kompakt
In Unternehmen auf der ganzen Welt ist eine neue Gruppe extrem engagierter Toptalente zu beobachten. Menschen, die mehr als 60 Stunden pro Woche arbeiten, sehr gut verdienen und für ihren Beruf bereitwillig einen beträchtlichen Teil ihres Privatlebens opfern. Eine gemeinsam von Kienbaum Management Consultants und dem Harvard Business Manager organisierte Studie belegt, dass es diesen Trend auch in Deutschland gibt.

Ursachen: Der wachsende Wettbewerbsdruck, neue Kommunikationsmittel, kulturelle Veränderungen und die Globalisierung bringen Manager dazu, immer länger zu arbeiten. Ansporn ist dabei, schnell Karriere zu machen; für viele Menschen ist der Beruf aber auch zum Lebensmittelpunkt geworden.

Gefahren: Das hohe Arbeitspensum kann auf Dauer Partnerschaft, Familie und Gesundheit belasten. Daher ist es wichtig, dass jeder Betroffene durch effiziente Planung für Ausgleich sorgt. Außerdem müssen die Arbeitgeber ihre High Potentials durch sensibles Coaching vor einem Absturz bewahren.
Der Konkurrenzkampf in und zwischen den Unternehmen hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. "Es gibt eine immer größere Transparenz über die Leistung einer Führungskraft", hat Jochmann beobachtet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit ließen sich immer besser messen und mit denen anderer vergleichen. Nur durchschnittliche Leistungen eines Managers würden so schnell entdeckt. Einsatzfreudigere Konkurrenten nutzten dann bereitwillig die Chance, durch bessere Leistung an ihm vorbeizuziehen.

Zudem haben die Unternehmen die Hierarchien in den vergangenen Jahren stark ausgedünnt. So kämpft eine größere Zahl von Mitarbeitern um jede verfügbare Beförderung. Die ständigen Fusionen und Übernahmen und die damit verbundene Unsicherheit des eigenen Arbeitsplatzes verschärft den Wettbewerbsdruck zusätzlich. Die Kehrseite der Medaille: Mit jeder neuen Sprosse auf der Karriereleiter nimmt die Zahl der zu führenden Mitarbeiter und die Größe des Verantwortungsbereichs viel stärker zu als früher. "Der Haken an der Sache ist", klagt ein Spitzenmann einer US-Wirtschaftsprüfung, "auch die Bedeutung der Dinge, zu denen ich nicht mehr komme, ist größer als früher."

Trends wie das Outsourcing und die Konkurrenz gut ausgebildeter junger Leute aus Indien und China erhöhen noch den Druck, Extremes zu leisten, um den eigenen Arbeitsplatz zu retten.

Neue Kommunikationsmittel

Heute ist es für Manager selbstverständlich, ständig per Handy erreichbar zu sein, laufend mit dem Blackberry E-Mails abzurufen und irgendwo auf der Welt die neueste Präsentation über das Internet auf den Laptop zu laden. Manche Geschäftsleute tippen so frenetisch auf ihrem mobilen Kommunikationshelfer herum, dass Ärzte bei einigen von ihnen schon ein neues Leiden diagnostizieren: den Blackberry-Daumen.

Die neue Kommunikationstechnik hat die Extremjobber auf der einen Seite befreit. "Aus der Eisdiele telefonieren, am Pool E-Mails schreiben und beim Schuhekaufen erfahren, dass der Deal am anderen Ende der Welt funktioniert hat. Ich bin nicht mehr an den Schreibtisch gefesselt, sondern kann auch mal raus, wenn mir danach ist", freut sich Diplomingenieurin Martina Kraft im Themenblog auf manager-magazin.de. Auf der anderen Seite sind die Manager aber noch mehr an ihre Arbeit gefesselt. Topleute wie Puma-Chef Jochen Zeitz checken ihre E-Mails ständig, morgens um sechs, am Wochenende, im Urlaub.

Die Umfrage bestätigt dieses Bild: Fast jeder der Teilnehmer (96 Prozent) arbeitet am Wochenende, bei den Besserverdienenden kommt fast ein Drittel auf 10 bis 20 Stunden. Der Managing Director einer großen US-Bank hat sich bereits daran gewöhnt, dass samstags und sonntags mitten in der Nacht das Telefon klingelt und er von einem Moment auf den anderen zu einem Kunden fliegen muss. "Im ersten Jahr unserer Ehe", erinnert sich seine Frau, "mussten wir die Beerdigung meiner Großmutter verschieben, damit er ein bestimmtes Meeting nicht verpasste."

Spätestens seit Managementvordenker Peter Drucker Ende der sechziger Jahre Wissen als wichtigsten Produktionsfaktor und Wissensarbeiter als entscheidende Ressource bezeichnet hat, wird intellektuell fordernde Kopfarbeit für Unternehmen immer wichtiger. Der Ideen- und Wissensaustausch, der viele Arbeitsplätze heute auszeichnet, wirkt für die Mitarbeiter zweifellos anregend. Die Besserverdienenden in unserer Umfrage antworten zu zwei Drittel auf die Frage, warum sie ihren Job machen: "Meine Arbeit stimuliert mich intellektuell." Zusätzliche Arbeitsstunden verschmerzen sie so leichter. "Mehr Wissensarbeit", argumentieren Hewlett und Luce, "bedeutet, dass die Leute ihre Arbeit mehr mögen."

Anspruchsvolle Kopfarbeit zieht Mitarbeiter an, die eine ähnlich gute Ausbildung haben, einen vergleichbaren gesellschaftlichen Hintergrund und die sich intellektuell ebenbürtig sind. Der Arbeitsplatz wird so für viele Menschen zum Zentrum ihres sozialen Lebens. Dort finden sie ihre besten Freunde, dort haben sie ihre anregendsten Begegnungen. Unter diesen Umständen macht es nur wenig Spaß, nach einem langen Arbeitstag in eine Wohnung mit leerem Kühlschrank und einem vernachlässigten, quengelnden Teenager zurückzukehren - Extremjobbern fällt es dann nicht sonderlich schwer, noch etwas länger im Büro an der Budgetplanung zu arbeiten.

Wie zufrieden Manager mit ihrer Arbeit sind
Harvard Business Manager

Wie zufrieden Manager mit ihrer Arbeit sind

Die Soziologieprofessorin Arlie Russell Hochschild von der University of California, Berkeley, hat Familien untersucht, in denen beide Partner anspruchsvolle Jobs haben. Sie hat bei vielen dieser Berufstätigen einen Wertewandel entdeckt, der, wie sie in einem Beitrag für den Harvard Businessmanager schrieb, dazu führt, dass sich die Rollen von Zuhause und Arbeit vertauschen: Das Zuhause sorgt für Stress und Schuldgefühle gegenüber den Angehörigen; dagegen wird die Arbeit zu einem Ort, an dem erfolgreichen Mitarbeitern Bewunderung und Respekt entgegengebracht werden.

Zahlreiche Extremjobber verbringen noch aus einem weiteren Grund viel Zeit im Büro: Sie suchen nach dem Adrenalinkick, nach dem Hochgefühl, das Letzte zu geben und dann zu siegen. Nicht zufällig betreiben diese Toptalente häufig Extremsportarten wie Triathlon, Bergsteigen, Fallschirmspringen oder Bungee-Jumping, die ganz ähnliche Erlebnisse vermitteln.

Einen Marathon zu laufen ist für Vorstandsvorsitzende wie Hans-Joachim Körber (Metro) oder Ulrich Lehner (Henkel) fast schon selbstverständlich. Gesellschaftlich ist diese Vorliebe für das Extreme längst akzeptiert, wie das große Zuschauerinteresse an Extremsportarten oder Realityshows im Fernsehen beweist, in denen die Teilnehmer an ihre körperlichen und psychischen Grenzen getrieben werden.

Service
Literatur
Hewlett, S. A.; Luce, C. B.: Extreme Jobs - The Dangerous Allure of the 70-Hour Workweek, in: Harvard Business Review, Dezember 2006, Seite 49.
(zu beziehen über: www.hbr.org)

Internet
Kienbaum Management Consultants: www.kienbaum.de
Homepage von Sylvia Ann Hewlett: www.worklifepolicy.org/ index.php/pageID/23

HBm Online
Hochschild, A. R.: Der Arbeitsplatz wird zum Zuhause, das Zuhause zum Arbeitsplatz, in: Harvard Business Manager, 3/1998, Seite 29, Produktnummer 199803029.
(zu beziehen über: www.harvardbusinessmanager.de)

Kontakt
Walter.Jochmann@Kienbaum.de
Für größere Unternehmen ist es längst Alltag, weltweit vertreten zu sein, und auch viele kleinere Firmen sind nicht mehr nur auf ihren Heimatmärkten aktiv. Für die Mitarbeiter bedeutet dies nicht nur zahlreiche und weite Reisen, sondern auch einen ständigen Kampf gegen den Jetlag. In unserer Umfrage gibt ein Drittel der Befragten an, mehr als zweimal pro Woche geschäftlich zu reisen, bei denjenigen mit einem Einkommen von über 200.000 Euro sind es sogar 42 Prozent.

Darüber hinaus müssen die Beschäftigten die Arbeitsabläufe in verschiedenen Zeitzonen koordinieren und auch schon einmal mitten in der Nacht aufstehen, um an weltweiten Telefonkonferenzen teilzunehmen. Doch auch hier gilt: Extremjobber beschweren sich nicht wirklich über diese Belastung. Sie sind stolz auf ihr gefülltes Meilenkonto und die Senatorkarte ihrer Fluggesellschaft. Ein für das Tagesgeschäft zuständiger Vorstand einer amerikanischen Großbank zum Beispiel pendelt regelmäßig zwischen drei Zeitzonen. Dennoch kann er voller Begeisterung von dem Reiz erzählen, "ein Global Player zu sein" und in "meiner Liga ganz oben mitzuspielen".

Wie Sie der Belastung standhalten

Kein Extremjobber wird auf Dauer bestehen können, wenn er die Grenzen seiner körperlichen wie psychischen Leistungsfähigkeit ignoriert und außerhalb des Unternehmens sozial vereinsamt.

Erfolgreiche Geschäftsleute sind "im Privatleben genauso gut organisiert wie im Beruf: mit minutiösen Zeit- und Ablaufplänen, Online-Shopping und exzellenter Kinderbetreuung", verkündet der ehemalige General-Electric-Boss Jack Welch in seiner Managementkolumne. Auch Kienbaum-Berater Jochmann rät, die eigene Work-Life-Balance zu managen. Extremjobber sollten sich realistische Ziele setzen, wie sie ihre Partnerschaft gestalten, wie sie Freundschaften pflegen und was sie sportlich erreichen wollen. Es geht nicht darum, dann diese Ziele der Reihe nach abzuhaken, sondern darum, immer wieder zu überprüfen, ob ein Lebensbereich vernachlässigt wird.

Ein Internetnutzer mit dem Pseudonym Klotz hat diese Haltung bereits verinnerlicht. Er hat einen fordernden Job in einem deutschen Großkonzern der Elektroindustrie und macht nach intensiven Arbeitsphasen, etwa wenn er ein umfangreiches Auftragsangebot abgeben muss, regelmäßig einen Kurzurlaub mit der Familie. "E-Mails und Anrufbeantworter checke ich an Wochenenden grundsätzlich nur einmal am Samstagmittag, sonntags dagegen ist in der Regel vollkommen frei."

Nicht allen Extremjobbern gelingt es, derart konsequent einen Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit zu finden. Gerade jüngere Leute laufen Gefahr, die Kontrolle zu verlieren, so Jochmann. Das gilt vor allem für Berater. In dieser Branche stellt ein Toptalent dem Kunden jede seiner Arbeitsstunden in Rechnung und kann so sein Gehalt erhöhen.

Ältere Führungskräfte haben dagegen ihre Work-Life-Balance eher im Griff. Aufgrund ihrer größeren Erfahrung reagieren sie auf Krisen gelassener und können die Arbeitsbelastung besser einteilen. Auch ihre familiäre Situation ist häufig entspannter, weil die Kinder älter sind oder schon das Elternhaus verlassen haben.

Für Frauen ist es dann aber meist zu spät, noch eine Karriere zu starten. "Sie sind die Verliererinnen des Extremjobber-Phänomens", urteilen Hewlett und Luce. Ihren Studien zufolge sind in den USA nur 20 Prozent der Vielverdiener, die die Definition Extremjobber erfüllen, Frauen. Sie können sich, zumindest wenn sie auch Mütter sein wollen, übermäßig lange Arbeitszeiten kaum leisten - oder wollen es nicht. Tun sie es doch, sind sie weniger mit ihrer Tätigkeit zufrieden als die Männer. Vergleichbare Zahlen für Deutschland fehlen, weil sich - vermutlich nicht zufällig - nur wenige Frauen an unserer Umfrage beteiligt haben.

Die Befragung deutscher Manager zeigt, dass es auch hierzulande Toptalente mit extremer Arbeitsbelastung, weitreichender Verantwortung und hohem Gehalt gibt, die mit ihrer Lage durchaus zufrieden sind. Rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer wollten jedoch höchstens noch fünf Jahre unter der derzeitigen Belastung zu arbeiten, von denjenigen mit höherem Gehalt sind es sogar fast drei Viertel.

"Ohne eine sehr bewusste, effiziente Lebensführung ist Extremjobbing auf Dauer nicht durchzuhalten", stellt Kienbaum-Geschäftsführer Jochmann fest. Das bedeute für die High Potentials, ihre Work-Life-Balance aktiv zu managen. An dem Vorrang ihrer beruflichen Ziele vor allen anderen Lebensbereichen würden diese Menschen aber nicht rütteln, schränkt Jochmann ein.

Vorgesetzte und Personalabteilung sind daher gefordert, durch Coachingangebote dem Betroffenen zu helfen. Doch das ist eine Gratwanderung: Niemand will eine Spitzenkraft mit enormer Leistungsbereitschaft ausbremsen oder gar an die Konkurrenz verlieren. Jochmann warnt: "Das Phänomen Extremjobbing ist in der Personalarbeit noch nicht wirklich angekommen."



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