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Geldpolitik: EZB belässt Leitzins bei 0,05 Prozent

EZB-Präsident Draghi: Will Investitionen und den Konsum ankurbeln Zur Großansicht
AFP

EZB-Präsident Draghi: Will Investitionen und den Konsum ankurbeln

0,05 Prozent - so niedrig ist der Leitzins in der Eurozone seit September vergangenen Jahres, und dabei bleibt es zunächst auch. Die Europäische Zentralbank belässt den wichtigsten Zins im Währungsraum auf dem Rekordtief.

Geschäftsbanken können sich weiter zum Billigtarif von 0,05 Prozent Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) borgen. Die EZB beschloss am Mittwoch, den entsprechenden Leitzins im Euroraum auf seinem Tiefstand zu behalten. Der Stand gilt seit September 2014.

Die Währungshüter versuchen mithilfe des niedrigen Leitzinses die Konjunktur und den Preisauftrieb anzukurbeln. Seit März investiert die EZB darüber hinaus zudem monatlich 60 Milliarden Euro in Staatsanleihen und andere Vermögenswerte - insgesamt 1,1 Billionen Euro bis September 2016. Bis zum 29. Mai erwarb die EZB im Rahmen dieses Programms allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 147 Milliarden Euro.

Das frische Geld kommt im Idealfall über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an. Das könnte Investitionen und Konsum anschieben und so die Konjunktur in Schwung bringen und die Inflation anheizen.

Die Teuerung im Euroraum ist weiterhin niedrig und weit vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent entfernt. Aber immerhin sinken die Preise nicht mehr: Im Mai stieg die jährliche Inflationsrate im Euroraum nach vorläufigen Zahlen der Statistikbehörde Eurostat von 0,0 Prozent im April auf 0,3 Prozent. Damit zogen die Verbraucherpreise zum ersten Mal in diesem Jahr auf Jahressicht wieder leicht an. Noch im Januar hatte ein Minus von 0,6 Prozent Sorgen vor einer Deflation geschürt - also einem Preisverfall auf breiter Front.

yes/Reuters/dpa

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1.
marthaimschnee 03.06.2015
Also weiter Krise! denn "Das frische Geld kommt" eben nicht "über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an." sondern wandert in Form von Krediten in Spekulationsgeschäfte. Nutzen: NULL! Der Realwirtschaft mangelt es nicht an Krediten, sondern es mangelt an der Bereitschaft, welche aufzunehmen. Das ist ein Problem, das man mit einer Geldschwemme in dieser Form nicht lösen kann - und wie man am Leitzins sieht, es merkwürdigerweise auch nicht schafft.
2.
salkin 03.06.2015
Auf der einen Seite wird immer wieder behauptet, dass die globale Verschuldung das Hauptproblem ist. Dann wieder stellen sich die Zentralbanken hin und fluten die Märkte mit Geld um die Kreditnachfrage anzuregen. Ja was denn nun? Tatsächlich will man nur die Schulden der Staaten billig finanzieren um den endgültigen Kollaps zu vermeiden. Was wäre denn, wenn z.B. Frankreich statt 2% Zinsen 5%, wie bei normalen Verhältnissen, bezahlen müsste? Das Land wäre pleite. Daher müssen die Geldanlagen der Bürger u.s.w. entwertet werden, damit sich die Spirale weiter drehen kann.
3. Die EZB bekämpft den Brand nach wie vor mit Benzin
moriturus62 03.06.2015
Es ist unglaublich, dass die EZB nach wie vor an die Experten vor 2007 glaubt. Ursache für die Krise waren die niedrigen Zinsen in den USA. Und nun versucht die EZB dasselbe. Quantitive Easing! Das ich nicht lache. Das die Banken Kredite vergeben ist wohl ein Witz. Schauen sie ich doch mal die Börsen an! Dann wissen sie wohin das Geld geht.
4. wann ist endlich Schluß....
lupo44 03.06.2015
mit dieser EZB Tragödie muß man sich fragen.Wie schon gesagt an anderer Stelle die USA haben das entwerten ihrer Währung sehr bereut und haben damit weltweit zu einer schlimmen Kriese geführt.Die jetzige Situation ist im Grunde die Gleiche.Der einfache Sparer ist der gekniffende auf der ganzen Linie.Selbst Zinsgünstige Investitution ist ja nun mal nichts für OTTO-Normalverbraucher.Er hat neben seinen bescheidenen Spargroschen keine weiteren Mittel.Statt dessen muß er sich mit Mieterhöhungen,Kassenbeitragserhöhungen und anderen Finanzträchtigen Problemen herrumschlagen.
5. Die Steuerung
Ichbines2 03.06.2015
der Märkte durch die EZB und die Außerkraftsetzung der freien Märkte nervt langsam. Man gewinnt den Eindruck, dass die Politiker mit dieser Steuerung nur noch Insiderhandel betreiben, der Wirtschaft nützt es jedenfalls absolut nicht.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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