Europäische Zentralbank Draghi warnt vor niedriger Inflation

Die Europäische Zentralbank erwartet eine längere Phase schwacher Preissteigerung - und ist bereit gegenzusteuern. EZB-Chef Draghi kündigt an: Man werde alle Instrumente nutzen, die erlaubt sind.

EZB-Präsident Draghi: "Es wäre voreilig, den Sieg auszurufen"
AFP

EZB-Präsident Draghi: "Es wäre voreilig, den Sieg auszurufen"


Frankfurt am Main - EZB-Präsident Mario Draghi rechnet vorerst nicht mit kräftig steigenden Preisen in der Euro-Zone. "Wir dürften eine längere Phase niedriger Inflation vor uns haben", sagte der Italiener am Donnerstag nach der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Danach werde die Teuerungsrate schrittweise in Richtung zwei Prozent steigen.

Die Furcht vor einer Deflation - einem Preisverfall auf breiter Front - hatte zuletzt neue Nahrung erhalten. Die Inflationsrate in der Euro-Zone war im Dezember auf 0,8 Prozent gefallen. Sie liegt damit weit unter der Zielmarke der EZB, die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen spricht.

Draghi kündigte an, die Zentralbank stehe bereit, ungewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen, falls die Inflationsrate zu tief sinke. "Wir haben das Mandat, die Preisstabilität zu sichern, in beide Richtungen", sagte Draghi. "Wir sind bereit, alle erlaubten und verfügbaren Instrumente in Betracht zu ziehen."

Welche Instrumente er meint, ließ Draghi am Donnerstag offen. In der Vergangenheit war zum Beispiel über negative Einlagenzinsen für Banken bei der EZB spekuliert worden. Mit einem solchen Strafzins könnten die Banken gezwungen werden, weniger Geld bei der Notenbank zu parken und es stattdessen der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Beim klassischen Leitzins hat die EZB nicht mehr viel Spielraum nach unten. Am Donnerstag bekräftigte Draghi sein Niedrigzins-Versprechen. Demnach werden die Zinsen über eine längere Zeit auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben. Im November hatte die EZB den Leitzins, zu dem sich Banken kurzfristig bei ihr Geld leihen können, von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent gesenkt.

Draghi sagte, an den Finanzmärkten kehre langsam das Vertrauen zurück. Ein Ende der Euro-Krise will er aber noch nicht ausrufen. "Damit wäre ich sehr vorsichtig", sagte der EZB-Chef. "Es gibt eine wirtschaftliche Erholung, aber sie ist schwach und zerbrechlich. Es wäre voreilig, den Sieg auszurufen."

Die Probleme der Euro-Krisenländer lassen sich Draghi zufolge nicht durch eine Schwächung des wirtschaftlich starken Deutschlands lösen. "Alle Euro-Länder profitieren von der Stärke der deutschen Wirtschaft", sagte er. Deutschland steht vor allemwegen seiner enormen Handelsüberschüsse in der Kritik.

stk/Reuters/dpa

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insgesamt 309 Beiträge
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Seite 1
ullibulli09 09.01.2014
1. Das ist ein Witz!
Die Statistik zur Infaltionsrate wurde vor einigen Jahren dahingehend verändert, dass sie nur noch niedrige Inflationsraten produziert. Das hat die Öffentlichkeit nur nicht mitbekommen. Ein Blick auf die Lebensmittelpreise die jeder Bürger täglich spürt ist mittlerweile die einzige Möglichkeit sich einen Überblick der Inflation zu machen. Bitte fallt nicht mehr auf solche Behauptungen herein!
idealist100 09.01.2014
2. Wie?
Wieso muss das Geld immer weniger Wert haben?
gazettenberg 09.01.2014
3.
Zitat von idealist100Wieso muss das Geld immer weniger Wert haben?
Eine Deflation führt zu sinkenden Ausgaben. Investitionen werden in die Zukunft verlagert und das kostet wiederum Arbeitsplätze.
gazettenberg 09.01.2014
4.
Zitat von ullibulli09Die Statistik zur Infaltionsrate wurde vor einigen Jahren dahingehend verändert, dass sie nur noch niedrige Inflationsraten produziert. Das hat die Öffentlichkeit nur nicht mitbekommen. Ein Blick auf die Lebensmittelpreise die jeder Bürger täglich spürt ist mittlerweile die einzige Möglichkeit sich einen Überblick der Inflation zu machen. Bitte fallt nicht mehr auf solche Behauptungen herein!
Sie müssen ein ziemlich merkwürdiger Mensch sein, wenn Sie Ihr ganzes Geld nur für Lebensmittel ausgeben.
king_pakal 09.01.2014
5. alternativ
Zitat von sysopREUTERSDie Europäische Zentralbank erwartet eine längere Phase schwacher Preissteigerung - und ist bereit gegenzusteuern. EZB-Chef Draghi kündigt an: Man werde alle Instrumente nutzen, die erlaubt sind. http://www.spiegel.de/wirtschaft/ezb-draghi-warnt-vor-niedriger-inflation-a-942684.html
Draghi: "Liebe Mitbürger, leider entwertet sich das Geld nicht so schnell wie wir es gerne hätten, damit wir euch noch schneller ausnehmen können." Und ich dachte immer, dass niedrige Inflation gut ist, da früher stets vor zu hohen Inflation (gelegentlich auch vor Deflation) gewarnt wurde. Nicht, dass die EU bald vor zu niedriger Kriminalität warnt.
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