Euro-Krise: EZB-Mitarbeiter klagen über Stress

Auf die Europäische Zentralbank ist in der Euro-Krise bislang Verlass - gerät nun die Retterin selbst in Gefahr? Die Mitarbeiter der Notenbank sind einem Zeitungsbericht zufolge stark überlastet. In einem Brief an Bankchef Mario Draghi ruft ihre Gewerkschaft um Hilfe.

Europa-Fahne vor der EZB-Zentrale: Belastung dürfte zunehmen Zur Großansicht
picture alliance / dpa

Europa-Fahne vor der EZB-Zentrale: Belastung dürfte zunehmen

Frankfurt am Main/Hamburg - Alarm bei den obersten europäischen Bankern: Gewerkschafter warnen die Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer Überlastung der eigenen Mitarbeiter. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, sprach die Gewerkschaft Ipso in einem Brief an EZB-Chef Mario Draghi und die anderen Mitglieder des Direktoriums von einer "akuten Gefahr" für die Euro-Notenbank. Die EZB sei nicht angemessen mit Personal ausgestattet, um ihre gegenwärtigen Aufgaben zu erfüllen, von künftigen, immer wichtigeren Aufgaben ganz zu schweigen, schreibt die Ipso den Angaben zufolge in dem Brief.

Die Gewerkschaft bezieht sich bei ihrer Kritik laut "FTD" auf eine Umfrage unter 715 Beschäftigten der EZB, also einem Großteil der Mitarbeiter. Demnach klagten 80 Prozent von ihnen über eine hohe Arbeitsbelastung. Fast 20 Prozent hätten angegeben, die Arbeitsbelastung beeinflusse ihre Leben massiv, und 16 Prozent hielten die Folgen für Gesundheit und Privatleben für ernst.

Seit Ausbruch der Euro-Krise müssen die Notenbanker mehr denn je arbeiten. Um die Reform- und Sparprogramme zu kontrollieren, sind EZB-Mitarbeiter andauernd in Europas Krisenstaaten wie Griechenland, Irland oder Portugal unterwegs, sind Teil der Troika aus Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und der EU-Kommission. Mit dem Euro-Beschluss, eine Bankenaufsicht bei der EZB anzusiedeln, droht noch mehr Arbeit. Mitte Juni stellte Draghi bei einer Mitarbeiterversammlung deshalb schon mehr Personal in Aussicht.

yes/dpa-AFX

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Was wollen
oneil57 03.07.2012
DIE denn jetzt ? Einen Bonus ? Jeder Arbeitnehmer der seinen Lebensunterhalt mit meheren Jobs bestreiten muss hat mehr Stress.
2. oooch
emobil 03.07.2012
während sich die Arbeitnehmer/innen in den Privatbanken, Industrieunternehmen, Handwerksbetrieben, Krankenhäusern usw. usw. für fürstliche Gehälter es sich in ihren Hängematten und Liegestühlen bequem machen, müssen die EZB-Banker/innen für ein Hungersalär schuften bis das Blut unter den Nägeln hervorspritzt. Ein neuer sozialer Brennpunkt tut sich hier auf - die Welt ist wirklich schlecht ;-D
3. Überarbeitet- ja ganz normal oder
würstl 03.07.2012
Also da kann ich doch nur lachen... Wenn ich die Kollegen in meinem Unternehmen fragen würde , wäre die Quote genauso und zwar IMMER und nicht nur in einer Krise. In der Wirtschaft arbeitet man immer am Limit und ich glaube nicht, dass es in einer Behörde ( dazu zähle ich die EZB) genauso ist. Das ist heute einfach üblich, dass man in verantwortungsvollen/anspruchsvollen Positionen nicht mehr mit der 38 Std. Woche klar kommt , sondern eher 50 die Regel sind. Also dürfte diese Meldung keine Meldung wert sein!
4. Nö, keine Gewerkschaft
donnerfalke 03.07.2012
Am besten Zeitarbeit dort einführen, keine Gewerkschaft. Wenn dann sollen sie arbeiten wie normale Arbeitnehmer.
5. Welche Arbeit???
General_Turgidson 03.07.2012
Also wenn ich mir die Ergebnisse so betrachte, ist mir echt unklar, wovon der EZB-Stab so erschöpft sein will ! Der € ist jeden Tag in noch mieserer Verfassung, Fehlentwicklungen wurden niemals rechtzeitig erkannt oder gar gestoppt. Jeweils geltende Regeln, Gesetze und ökonomisches Grundwissen mit Füßen getreten. Und das ganze verschuldet von einer Mitarbeiterschar, in der sogar Sekretärinnen schon mit 8000 € im Monat nach Hause gehen. Man kann den EZB-Mitarbeitern nur eines raten: Statt nochmehr sauteures nutzloses Personal einzustellen, bleibt einfach bei vollen Bezügen zu Hause!!!! Dort richtet ihr weniger Schaden an als in eurem Palast oder auf Reisen !!!!
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

Die Gipfelbeschlüsse im Überblick
Leichterer Zugang zu den Rettungsschirmen
Länder, die den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachkommen, erhalten einen erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen. Wenn sie die Instrumente - etwa den Aufkauf von Staatsanleihen durch den Fonds - nutzen, müssen sie lediglich die Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt fristgerecht erfüllen. Diese Regelung scheint wie auf Italien zugeschnitten. Premier Mario Monti hatte vehement für die Aufweichung der Hilfsbedingungen gekämpft - auch wenn die Regierung in Rom bisher keine Hilfen beantragt hat.
Direkte Hilfen für Banken aus dem Rettungsfonds ESM
Um den Teufelskreis zwischen angeschlagenen Banken und Staatsfinanzen zu durchbrechen, sollen Banken direkt aus dem Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden. So erhöht sich die Staatsverschuldung trotz der Notkredite nicht mehr - die Zinsen auf Staatsanleihen könnten dadurch sinken. Die Finanzhilfe soll an "angemessene Bedingungen" geknüpft werden. Mit dem Beschluss erfüllen die Euro-Staaten eine Kernforderung Spaniens.
Bankenaufsicht auf europäischer Ebene
Voraussetzung für die direkte Bankenhilfe durch den ESM ist eine effiziente Aufsicht auf europäischer Ebene. Der Gipfel beauftragte die EU-Kommission damit, in Kürze einen Vorschlag für einen entsprechenden Mechanismus zu präsentieren, an dem die Europäische Zentralbank (EZB) beteiligt sein soll.
Kein Sonderstatus für Kredite der Euro-Länder
Das bereits zugesagte Rettungsprogramm für die spanischen Banken soll so schnell wie möglich beschlossen werden. Anders als bisher vorgesehen, sollen die Kredite der Euro-Partner keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben, wenn das Geld aus dem ESM kommt. Im Falle einer Pleite müssten die öffentlichen Geldgeber also genauso verzichten wie die Privatwirtschaft. Der Vorteil: Für private Investoren wird es wieder attraktiver, den betroffenen Ländern Geld zu leihen - dies dürfte die Finanzierungskosten der Regierungen senken.
Vage Pläne für eine Banken- und Fiskalunion
Die Euro-Chefs einigten sich darauf, weitere Baustellen anzugehen - neben einer Bankenunion sind auch eine Fiskalunion und eine politische Union geplant. Allerdings blieben die Staats- und Regierungschefs in diesem Punkt sehr vage. Über konkrete Inhalte soll erst auf einem weiteren Gipfel im Oktober gesprochen werden.