Wirtschaft


"Innerhalb des Mandats": EZB verteidigt sich gegen Bundesbank-Kritik

EZB-Präsident Mario Draghi: Die Notenbank hält sich an ihr MandatZur Großansicht
AFP

EZB-Präsident Mario Draghi: Die Notenbank hält sich an ihr Mandat

Die Europäische Zentralbank hat die harsche Kritik der Bundesbank an ihrer Krisenstrategie zurückgewiesen. In einer Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht zu den Anleihekäufen in Südeuropa heißt es laut "Handelsblatt", die EZB halte sich an ihr Mandat.

Berlin - Die Europäische Zentralbank (EZB) ist überzeugt, dass sie auch in der Euro-Krise ihr Mandat jederzeit eingehalten hat. Diese Einstellung hat die EZB jetzt in einer Stellungnahme an das Bundesverfassungsgericht begründet, wie das "Handelsblatt" berichtet. Der Zeitung zufolge setzt sich der Europarechtler Frank Schorkopf, der das 52-seitige Gutachten verfasst hat, detailliert mit der Kritik von Bundesbankpräsident Jens Weidmann an den Währungshütern auseinander.

Streitpunkt ist vor allem das Anleihekaufprogramm OMT, das der EZB-Rat im September 2012 gegen die alleinige Stimme Weidmanns beschlossen hatte. Damals hatte es geheißen, die Notenbank werde notfalls "unbegrenzt" Anleihen kriselnder Euro-Staaten am Sekundärmarkt aufkaufen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die entsprechenden Länder mit dem Euro-Rettungsfonds ESM ein Reform- und Sparprogramm vereinbaren.

Grundsätzlich herrscht zwischen Bundesbank und EZB Einigkeit über das wichtigste Ziel der Geldpolitik: die Preisstabilität. Streit gibt es über den Weg dahin. Während der Bundesbankpräsident der Meinung ist, es sei nicht Aufgabe der EZB, den Euro zusammenzuhalten, leitet das Gutachten laut "Handelsblatt" diese Aufgabe aus den Verträgen her: Zu dem der Preisstabilität untergeordneten Ziel, die "allgemeine Wirtschaftspolitik" in der EU zu unterstützen, zähle auch die Finanzstabilität, schreibt die Zeitung. Das heißt, ohne eine stabile Währung gibt es auch keine stabilen Preise.

Weiter heißt es demnach in dem Gutachten: "Die Europäische Zentralbank handelt daher innerhalb ihres Mandates und erfüllt auch ihr Mandat." Um ihr Ziel der Geldwertstabilität zu gewährleisten, müsse die Geldpolitik auch die Finanzstabilität fördern. In dem Gutachten wird dem Bericht zufolge argumentiert, das Primärrecht der EU enthalte neben dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität auch sekundäre Ziele, wie die Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik der EU. Und das umfasse die Förderung der Finanzstabilität. "Die Unumkehrbarkeit des Euros wird nicht auf Kosten der Preisstabilität, sondern innerhalb des Mandats gewährleistet", heißt es der Zeitung zufolge in dem Gutachten.

Mit dem besonders umstrittenen OMT-Anleihekaufprogramm werde ausdrücklich das Ziel verfolgt, den Zinsmechanismus weiter in Kraft zu halten, heißt es in dem Gutachten laut "Handelsblatt". Es gehe ausdrücklich nicht darum, die auf Marktanreize setzende Eigenverantwortlichkeit der nationalen Haushalte außer Kraft zu setzen. OMTs zielten nicht darauf ab, die Renditen von Staatsanleihen verschiedener Euro-Länder anzugleichen. Es werde vielmehr versucht, exzessiv hohe Risikoaufschläge mit dem Hintergrund von Marktbefürchtungen, dass die gemeinsame europäische Währung auseinanderbrechen könnte, zu verhindern.

Die Bundesbank hatte der EZB in einer Stellungnahme für die mündliche Verhandlung zum Euro-Rettungsschirm ESM vor dem Karlsruher Verfassungsgericht vorgeworden, ihr Mandat überschritten zu haben.

nck/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 21 Beiträge
JustusBrack 29.04.2013
Wir leben im Zeitalter der legalisierten Rechtsbrüche. Und das Bundesverfassungsgericht gehört zu den Rechtsbrechern gegen das eigene Volk! Was also soll dabei schon Gutes entstehen? Daß der Kollaps schneller kommt? [...]
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank hat die harsche Kritik der Bundesbank an ihrer Krisenstrategie zurückgewiesen. In einer Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht zu den Anleihekäufen in Südeuropa heißt es laut "Handelsblatt", die EZB halte sich an ihr Mandat. EZB verteidigt sich mit Gutachten gegen Bundesbank-Kritik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/ezb-verteidigt-sich-mit-gutachten-gegen-bundesbank-kritik-a-897118.html)
Wir leben im Zeitalter der legalisierten Rechtsbrüche. Und das Bundesverfassungsgericht gehört zu den Rechtsbrechern gegen das eigene Volk! Was also soll dabei schon Gutes entstehen? Daß der Kollaps schneller kommt? Gerne!
c++ 29.04.2013
Die europäischen Zentralbanken hatten vor Einführung des Euro durchaus unterschiedliche Vorstellungen, welches ihre Aufgaben waren und wie diese zu erfüllen waren. Man hat die Bürger in Deutschland belogen, als man ihnen [...]
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank hat die harsche Kritik der Bundesbank an ihrer Krisenstrategie zurückgewiesen. In einer Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht zu den Anleihekäufen in Südeuropa heißt es laut "Handelsblatt", die EZB halte sich an ihr Mandat.
Die europäischen Zentralbanken hatten vor Einführung des Euro durchaus unterschiedliche Vorstellungen, welches ihre Aufgaben waren und wie diese zu erfüllen waren. Man hat die Bürger in Deutschland belogen, als man ihnen versprach, dass die Bundesbank Vorbild sein würde. Diese Rechnung hat man ohne die anderen Eurostaaten gemacht. Es ist keine deutsche Zentralbank. Einer der vielen inneren Konflikte des Euro. Mit Rhetorik kann man natürlich jede Maßnahme der EZB irgendwie in das Mandat reinpressen, auch wenn jeder weiß, es ist nicht richtig. Man sollte dazu die Fachpresse lesen Bundesbank: Schlag ins Gesicht der EZB - Europa - Politik - Wirtschaftswoche (http://www.wiwo.de/politik/europa/bundesbank-schlag-ins-gesicht-der-ezb/8133974.html)
Progressor 29.04.2013
OMT ist meiner Meinung nach ein seit je her erlaubtes und notwendiges Instrument innerhalb der Offenmarktpolitik. Darum gehts aber nicht. Wie soll ich das nennen, wenn die EZB Tilgungen stundet, von denen man eh weiss, dass [...]
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank hat die harsche Kritik der Bundesbank an ihrer Krisenstrategie zurückgewiesen. In einer Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht zu den Anleihekäufen in Südeuropa heißt es laut "Handelsblatt", die EZB halte sich an ihr Mandat. EZB verteidigt sich mit Gutachten gegen Bundesbank-Kritik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/ezb-verteidigt-sich-mit-gutachten-gegen-bundesbank-kritik-a-897118.html)
OMT ist meiner Meinung nach ein seit je her erlaubtes und notwendiges Instrument innerhalb der Offenmarktpolitik. Darum gehts aber nicht. Wie soll ich das nennen, wenn die EZB Tilgungen stundet, von denen man eh weiss, dass sie nicht bezahlt werden können und gleichzeitig die Zinszahlungen an den betreffenden Staat zurücküberweist?? Damit kein Missverständnis entsteht: Monetäre Staatsfinanzierung wird das Wachstumsmodell der Zukunft werden. Wenn man das allerdings jetzt schon, bei schon vorhandener exorbitanter Staatsverschuldung und struktuerellen Defzitien betreibt, dann mache sogar ich mir Sorgen bezüglich Infaltion.
Attraktor1 29.04.2013
funktioniert von selbst. Risikoaufschläge ergeben sich aus der Bonität der Schuldner. Insofern hält die EZB den Zinsmechanismus nicht aufrecht, sie manipuliert ihn auf Kosten der Steuerzahler. Dass der Euro auseinanderbricht, wenn [...]
funktioniert von selbst. Risikoaufschläge ergeben sich aus der Bonität der Schuldner. Insofern hält die EZB den Zinsmechanismus nicht aufrecht, sie manipuliert ihn auf Kosten der Steuerzahler. Dass der Euro auseinanderbricht, wenn einzelne Länder ausscheiden, ist lediglich eine interessengesteuerte Behauptung, für die die EZB keinen Beweis aufbringen kann. Das Argument, wenn das eintritt (z.B. Austritt von Griechenland), tritt das ein(Zusammenbruch des Euro) ist durch nichts zu belegen und kein sauberes Argument. Was hat denn die >Bailout< Klausel in den europäischen Verträgen für einen Sinn, wenn nicht denn, national für das eigene Wohl zu sorgen. Meines Erachtens überschreitet die EZB eindeutig ihr Mandat. Da helfen auch noch so blumige Erklärungennicht weiter. Zinsangleichungen gehören ganz sicher nicht zu ihrem Mandat..denn das heisst, den Zinsmechanismus und damit den Markt ausser kraft setzen.
Dr.pol.Emik 29.04.2013
… nur ändert es nichts an den ursächlichen Problemen. Schließlich soll und wird nicht gegen die eigentliche Ursache angegangen, die in einem völlig kaputten Geldsystem zu suchen ist. Erst in zweiter Linie kommen dann die [...]
… nur ändert es nichts an den ursächlichen Problemen. Schließlich soll und wird nicht gegen die eigentliche Ursache angegangen, die in einem völlig kaputten Geldsystem zu suchen ist. Erst in zweiter Linie kommen dann die Verwerfungen zwischen den Leistungsfähigkeiten der unter dem Euro-Joch zusammengepferchten Volkswirtschaften hinzu. *Weltsensation: Dr. Draghi entwickelt ultimatives Krebsheilmittel* (http://qpress.de/2011/12/21/weltsensation-dr-draghi-entwickelt-ultimatives-krebsheilmittel/) … schon Ende 2011 wurde Dr. Draghi für sein tolles Krebsheilmittel gelobt (etwas Sarkasmus zum Mittag) und da ist es dann so, dass man Krebs am Ende mit Krebs bekämpft. Und das Finale? Mit der deutschen Politik wäre das ganze vielleicht ein wenig länger durchzuhalten, aber der Tod ist dem Geld-System und damit auch dem Euro gewiss. Nur in einer Diktatur wird man den Misthaufen weiter zusammenhalten können. Ein Europa der Menschen ist ohnehin in weiter Ferne, bekommen haben wir nur ein Europa des Geldes.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles zum Thema Europäische Zentralbank

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 29.04.2013 – 10:51 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 21 Kommentare






TOP



TOP