Fachkräftemangel Deutsche Firmen verschlafen den demografischen Wandel

Der deutschen Wirtschaft droht der Arbeitskräftemangel - und die Firmen unternehmen dagegen wenig. Laut einer Studie fühlen sich die meisten Konzerne auf den demografischen Wandel schlecht vorbereitet. Besonders Top-Manager ignorieren das Problem demnach weitgehend.


Frankfurt am Main - Die Unternehmen in Deutschland sind nur unzureichend auf den demografischen Wandel vorbereitet. Das zeigt die aktuelle Studie "Pro 50 - Arbeit mit Zukunft" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Auszubildende: Unternehmen sind schlecht auf den demografischen Wandel vorbereitet
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Auszubildende: Unternehmen sind schlecht auf den demografischen Wandel vorbereitet

53 Unternehmen aus verschiedenen Branchen hat PwC über ihre Maßnahmen zur Zukunftssicherung befragt hat. Das Ergebnis: Der Großteil der Unternehmen habe das Problem zwar erkannt. Aber gerade 34 Prozent der Befragten sagen, ihre Firma sei gut oder sehr gut auf den demografischen Wandel vorbereitet.

Dabei besteht Handlungsbedarf: Prognosen des Statistischen Bundesamts zufolge sinkt die Einwohnerzahl Deutschlands von aktuell rund 82 Millionen auf 77 Millionen im Jahr 2030. Durch den demografischen Wandel aber schwindet die Zahl qualifizierter Nachwuchskräfte am Markt, und der Kampf um Talente verschärft sich. Nur die Unternehmen, die sich mit langfristigen Strategien darauf vorbereiten, können in diesem Kampf bestehen.

Das einzige gut entwickelte Feld ist laut Studie der Wissenstransfer zwischen jung und alt: 64 Prozent der Unternehmen geben an, diesen gezielt zu fördern, unter anderem durch altersgemischte Arbeitsgruppen und Mentoring-Programme.

Viel schlechter sieht es bei der Fortbildung aus: Nur 23 Prozent der Betriebe bieten explizit Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter jenseits der 50. Und gerade 17 Prozent der Unternehmen verfügen ausdrücklich über ein Karrieremodell für Mitarbeiter über 50 Jahren.

Als größte Hürde nennen die von PwC befragten Unternehmen fehlendes Bewusstsein beim Top-Management. Zwar geben die befragten Unternehmen gleichzeitig an, dass mehr als drei Viertel der Führungskräfte für das Thema Demografiewandel sensibilisiert sind, doch diese sitzen offensichtlich primär auf unteren Führungsebenen. Im Top-Management ist das Thema der Studie zufolge noch nicht ausreichend angekommen.

"Die Trägheit des demografischen Wandels birgt zwar den Vorteil, dass die Veränderungen lange vorhersehbar sind", sagt Holger Leckebusch, Deutschland-Direktor des Servicebereichs bei PwC. "Ihr Nachteil jedoch liegt genauso darin, dass Unternehmen ihnen nur durch langfristige Maßnahmen begegnen können."

ssu



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