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Fachkräftemangel: Google-Generation findet IT-Berufe unsexy

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Hiobsbotschaft für IT-Unternehmen: Laut einer Studie hat die Branche unter Berufseinsteigern einen desaströsen Ruf. Kaum einer will in dem Bereich arbeiten - für die vom Fachkräftemangel gebeutelten Firmen ein dramatisches Ergebnis.

Hamburg - Sie nutzen MySpace und Google, können Laptops und Navigationsgeräte ohne Anleitung bedienen. Doch mit Informationstechnologie (IT) arbeiten wollen nur die wenigsten. Die Generation Google findet offenbar zwar MySpace gut, aber die Technik, die das Portal zum Laufen bringt, ziemlich unsexy. Das ergab zumindest eine repräsentative Studie, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid mit dem IT-Dienstleister Computacenter durchgeführt hat.

Deren Umfrage unter 752 deutschsprachigen 14- bis 29-Jährigen hat ergeben: Die IT-Branche gilt zwar als Arbeitsumfeld, in dem man schnell Karriere machen kann. Doch ein Job in diesem Sektor erscheint kaum erstrebenswert. 74 Prozent der Teenager und Twens sind der Meinung, dass der Beruf des Informatikers in Zukunft noch stärker gefragt sein wird. 70 Prozent glauben, dass er gute Aufstiegschancen bietet, 67 denken, dass es dort viele offene Stellen gibt. Doch nur 30 Prozent können sich vorstellen, einen IT-Beruf zu ergreifen, und von diesen hält nur jeder Fünfte die Branche für ein attraktives Berufsfeld.

Dabei herrscht in der IT-Branche ein dramatischer Fachkräftemangel. Laut einer Untersuchung des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) gab es Mitte 2007 rund 20.000 offene Stellen in diesem Sektor. 59 Prozent der IT-Unternehmen gaben an, dass der Fachkräftemangel ihre Geschäftstätigkeit behindert.

Gefragt, aber langweilig

Laut der Emnid-Untersuchung ist die Affinität der Jugendlichen zur Informationstechnologie überdurchschnittlich hoch. Unabhängig von Geschlecht und Altersgruppe nutzen 94 Prozent einen Computer. 86 Prozent der Befragten haben bereits in der Schule mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation gearbeitet, 77 Prozent nutzten den PC zur Internet-Recherche. Fast jeder Zweite nutzt mindestens mehrmals in der Woche virtuelle soziale Netzwerke oder Office-Programme.

Laut Oliver Tuszik, Deutschland-Chef von Computacenter, ist die Diskrepanz zwischen allgemeiner IT-Begeisterung und Skepsis gegenüber IT-Berufen vor allem auf Informationsmangel zurückzuführen: Nur eine Minderheit der Befragten hat überhaupt eine genaue Vorstellung davon, welche Jobs es in diesem Sektor gebe.

"Mit Berufsbezeichnungen wie Service Designer oder IT-Architekt können die meisten nichts anfangen", sagt Tuszik SPIEGEL ONLINE. Dadurch sei vielen gar nicht bewusst, dass es in der IT-Branche vielfältige Karrieremöglichkeiten gibt. "In der IT-Branche arbeiten Menschen, die Autos sicherer machen oder Reisen komfortabler. Aber die meisten denken immer noch an den Klischeeinformatiker, der sich von Pizza ernährt und sich selten wäscht."

Laut Emnid-Studie ordnen die Jugendlichen dem Informatiker zudem noch immer das Image eines Eigenbrötlers zu, der wenig Kontakt zu anderen Menschen hat. Das Ansehen der IT-Spezialisten in der Gesellschaft ist nach Meinung der jungen Erwachsenen von allen abgefragten Berufen am niedrigsten.

Falsche Karriereerwartungen

Abschreckend wirken offenbar auch die Anforderungen, die Jugendliche einer IT-Karriere zuschreiben. So halten 78 Prozent der Befragten vorhandene Programmierkenntnisse für wichtig, um einen IT-Beruf ergreifen zu können. 74 Prozent sehen gute Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften als Einstiegsvoraussetzung in die IT. Über die Hälfte der Jugendlichen glaubt, ein abgeschlossenes Informatikstudium nachweisen zu müssen. Und über 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Informationstechnologie sei nur etwas für Männer.

Tuszik hält diese Vorstellungen für zu einseitig. Eine Affinität für Naturwissenschaften sei in der IT-Branche sicher nützlich, doch auch logisches Denken, Kommunikationsstärke und Kreativität spielten oft eine Rolle. "Unsere Branche bietet spannende berufliche Möglichkeiten für eine Vielzahl von Berufsgruppen wie Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Kaufleute, Physiker oder Geisteswissenschaftler."

Der Computacenter-Chef fordert von seinen Kollegen deshalb eine massive Image-Kampagne. Die Chemiebranche habe vorgemacht, wie das gehen kann. "Die hatte auch einen schlechten Ruf, bis sie sich auf ihre gemeinsamen Werte verständigt hat und diese medial herausgestrichen hat." Einen ähnlichen weg müsse die IT-Branche nun endlich auch gehen. "Schaffen wir das nicht, müssen wir uns über künftige Umsatzeinbrüche nicht wundern."

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1. Ich halte den Fachkräftemangel für einen Mythos
gsm900, 10.09.2008
in der c't sind nicht einmal ein Duttzend Offerten pro Ausgabe, das war während des dotcom Booms viel mehr. Und mit Mitte 50 ist man ohnehin zu alt und/oder teuer.
2. 1
R Panning, 10.09.2008
Aus dem text: ---Zitat--- Abschreckend wirken offenbar auch die Anforderungen, die Jugendliche einer IT-Karriere zuschreiben. So halten 78 Prozent der Befragten vorhandene Programmierkenntnisse für wichtig, um einen IT-Beruf ergreifen zu können. 74 Prozent sehen gute Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften als Einstiegsvoraussetzung in die IT. Über die Hälfte der Jugendlichen glaubt, ein abgeschlossenes Informatikstudium nachweisen zu müssen. Und über 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Informationstechnologie sei nur etwas für Männer. ---Zitatende--- Ist ja doch aber nicht falsch. ---Zitat--- uszik hält diese Vorstellungen für zu einseitig. Eine Affinität für Naturwissenschaften sei in der IT-Branche sicher nützlich, doch auch logisches Denken, Kommunikationsstärke und Kreativität spielten oft eine Rolle. "Unsere Branche bietet spannende berufliche Möglichkeiten für eine Vielzahl von Berufsgruppen wie Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Kaufleute, Physiker oder Geisteswissenschaftler." ---Zitatende--- Ja wenn das so ist, dann braucht ihr doch keine IT Spezialisten. Stellt einfach die Juristen, Kaufleute und geistenwissenschaftler ein. Aber erstmal jammern, daß sich kein IT-Nachwuchs findet
3. Falsches Denken
hcan 10.09.2008
Zitat von gsm900in der c't sind nicht einmal ein Duttzend Offerten pro Ausgabe, das war während des dotcom Booms viel mehr. Und mit Mitte 50 ist man ohnehin zu alt und/oder teuer.
Den Fehler hatte ich auch mal gemacht. Nur ist es wohl so, dass man im IT Bereich direkt an die großen Namen denkt. Es gibt so viele unzählige kleinere IT / Beratungshäuser, die händeringend Leute suchen. An allen FHs und Unis hängen Unmengen von Jobangeboten....
4. Stellenannoncen
uligrepel, 10.09.2008
Zitat von gsm900in der c't sind nicht einmal ein Duttzend Offerten pro Ausgabe, das war während des dotcom Booms viel mehr. Und mit Mitte 50 ist man ohnehin zu alt und/oder teuer.
Wie so vieles andere hat sich auch der Stellenmarkt weg von den klassischen Medien hin zum Web entwickelt - und wenn nicht zuerst in der IT, dann wo sonst? Abgesehen davon ist die c't nicht mehr wirklich das Magazin für IT-Profis, sondern eher für den gehobenen Hobbyisten (bin selber c't-Abonnent seit > 20 Jahren), das war früher anders. Lies' mal die iX oder das Java-Magazin, da sind - zurecht - mehr Stellenangebote als in der c't. Das gilt nicht nur in der IT. Uli
5. gar nicht dumm
Axelino, 10.09.2008
Gar nicht so dumm, die Befragten. Tatsächlich gibt es kaum eine Branche, die mehr Nerven kostet, als in der IT-Branche. Da hilft auch keine Imagekampagne. Gerade in der IT-Branche wird oft eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Beschäftigten erwartet. Außerdem wird eine sehr hohe Bereitschaft zur täglichen bzw. stündlichen Weiterbildung erwartet. Wer sich das alles antun möchte, sollte sich einen Beruf in der IT suchen.
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