Fachkräftemangel Handwerk wirbt um junge Ausländer

Neue Offensive gegen den Fachkräftemangel - der Zentralverband des Deutschen Handwerks appelliert an die Branche, mehr ausländische Lehrlinge auszubilden. Motto: "Der Meister der Zukunft ist ein Türke."


Berlin - Im Kampf gegen Fachkräftemangel will das deutsche Handwerk intensiver um junge Ausländer und Schulabgänger mit Migrationshintergrund werben. "Der Meister der Zukunft ist ein Türke", heißt es in dem neuen Integrationsatlas, den der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) am Mittag vorlegt.

Eine bessere Integration junger Deutscher mit ausländischen Eltern sei ein "zentrales Thema der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zukunftsfähigkeit Deutschlands", heißt es in dem 108-seitigen Bericht, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Mit rund 15 Millionen Personen stellten Migranten und deren Nachfahren im Jahr 2005 fast ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland, heißt es in dem Bericht. Diese Zahlen belegten den Wandel in der deutschen Gesellschaft und verwiesen auf die große Bedeutung des Integrationsthemas.

Laut Integrationsatlas bildet das Handwerk schon heute prozentual mehr ausländische Jugendliche aus als alle anderen Branchen. Die Ausländerquote unter den Lehrlingen liegt demnach bei 4,8 Prozent, bei Handel und Industrie bei 3,7 Prozent und im Öffentlichen Dienst nur bei 1,7 Prozent.

Doch noch immer seien Potentiale in diesem Bereich ungenutzt. Rund 40 Prozent aller jungen Ausländer in Deutschland blieben ohne Ausbildung - vor allem wegen eines fehlenden oder schlechten Schulabschlusses.

Hier müsse sich die Wirtschaft noch stärker engagieren. Branchenvertreter sollten in Schulen verstärkt Orientierungshilfen für Jugendliche geben, heißt es in dem Bericht. Meisterinnen und Meister müssten noch mehr als bisher in Schulen gehen und persönlich Abschlussklassen über berufliche Möglichkeiten im Handwerk beraten.

Der Präsident des ZDH, Otto Kentzler, sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir wollen das Potenzial unserer jungen Migranten stärker nutzen." Seine Branche habe bereits "sehr gute Erfahrungen mit ausländischen Mitarbeitern" gemacht. Im Handwerk ist dem Bericht zufolge die Sorge groß, dass es künftig wegen des demografischen Wandels immer schwieriger wird, ausreichend Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen.

In Berlin tagt am Montag der Lenkungsausschuss Ausbildungspakt unter Beteiligung von mehreren Bundesministern und Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft. Dabei soll es um die Ausbildungsbilanz 2008 und die Perspektiven für 2009 gehen, aber auch um die Qualifizierung ausländischer Jugendlicher.

ssu/AFP/dpa/ddp



Forum - Fachkräftemangel - ist Deutschland selbst schuld?
insgesamt 1248 Beiträge
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Seite 1
kdshp 02.02.2009
1.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Hallo, ui 2 themen auf einmal (fachkräftemangel und integration).
H.Ehrenthal, 02.02.2009
2.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Warum soll dieses ominöse "Deutschland" Schuld sein? Es sind immer und immer wieder die vertrottelten Politiker und Wirtschaftsbonzen! Und: Was zur Hölle hat der verordnete Facharbeitermangel mit einer Integration zu tun? Hier werden zwei Sachen miteinander verquickt, die nicht das Geringste mit der Fragestellung zu tun haben. Jungejunge!
Wallenstein, 02.02.2009
3.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Es wird sehr viel für Integration getan. Es ist auch eine Frage des sich integrieren lassen wollens. Vietnamesen haben keine Probleme. Bei Türken gibt es große Probleme. Also kann es nicht an der Integrationspolitik liegen, sondern an der Frage, ob man sich integrieren lassen will. Als in der Fortbildung Tätiger, stelle ich fest, dass die Türen allen offen stehen. Braucht dieses Land Fachkräfte, sollte es sich diese aus Ländern holen, die kulturell uns nahe stehen. Nord- oder Südamerika. Alles andere führt nicht zum Ziel.
Rainer Eichberg 02.02.2009
4.
Zitat von sysop"Der Meister der Zukunft ist ein Türke" - so wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks für eine verbesserte Ausbildung junger Deutscher mit ausländischen Eltern. Experten halten eine solche Initiative für überfällig - wird zu wenig für Integration getan?
Solange in einer Stellenanzeige nicht steht... "Wir freuen uns besonders über Bewerbungen von Frauen, Behinderten und Migranten" ...geht das doch in Ordnung. Außerdem finde ich, daß es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, daß Migranten hier bei uns einen Meisterlehrgang machen. Was jedoch nicht passieren sollte: Meisterlehrgänge in mehrsprachiger Ausführung, weil die Teilnehmer nicht der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sind.
H.Ehrenthal, 02.02.2009
5.
Zitat von kdshpHallo, ui 2 themen auf einmal (fachkräftemangel und integration).
Hatte ich auch bemängelt. Wurde gekillt. Sie müssen dafür sein!
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