Familienfehde Porsche-Clan empört sich über Piëch

Der Polterauftritt von Ferdinand Piëch in Italien verärgert den Porsche-Clan: Die Familie wirft dem VW-Patriarchen vor, den Wert des Sportwagenbauers heruntergeredet zu haben. Jetzt wollen sich die Streitparteien nach SPIEGEL-Informationen zur Aussprache treffen.


Hamburg - Der Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen geht in die nächste Runde: Zwischen den Familien Porsche und Piëch gibt es nach Informationen des SPIEGEL heftige Auseinandersetzungen um die Äußerungen von VW-Patriarch Ferdinand Piëch am Rande einer Polo-Präsentation auf Sardinien. An diesem Montag wollen sich die Familien zusammen mit Ulrich Lehner, Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding, zu einer Aussprache treffen.

Wolfgang Porsche, Ferdinand Piëch: "'Paar' groß geschrieben"
Getty Images; DDP

Wolfgang Porsche, Ferdinand Piëch: "'Paar' groß geschrieben"

Wolfgang Porsche und andere Mitglieder der Clans fürchten, dass Piëch den möglichen Preis, den ein Verkauf der Porsche AG an den VW-Konzern erzielen könnte, heruntergeredet habe. Auf die Frage, ob der Wert von elf Milliarden Euro für Porsche richtig sei, hatte Piëch gesagt: "Das ist sicherlich ein paar Milliarden zu hoch gegriffen. 'Paar' groß geschrieben."

Aus dem Umfeld des Porsche-Aufsichtsrats und früheren Henkel-Chefs Lehner verlautet, er beurteile diese Aussagen kritisch. Sie stünden möglicherweise nicht im Einklang mit dem Aktiengesetz.

Mitglieder der Familie Porsche fürchten, dass vor allem Vorzugsaktionäre von Porsche bei einem möglichen Zusammenschluss mit VW oder einem Verkauf an den Wolfsburger Konzern auf Schadensersatz klagen könnten. Piëchs Anwälte haben den Vorgang geprüft und sind zum Ergebnis gekommen, seine Äußerungen verstießen nicht gegen das Aktienrecht.

Piëch hatte seinen Auftritt in Sardinien für eine Machtdemonstration und Attacken auf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking genutzt. Der VW-Aufsichtsratschef hatte Porsche nach der gescheiterten Übernahme von VW Bedingungen für einen möglichen Zusammenschluss diktiert und offen von angeblichen finanziellen Schwierigkeiten bei Porsche gesprochen. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück wies Piëchs Aussagen daraufhin scharf zurück. "Wir haben keine Schieflage", sagte er. Hück hat für Montag zu einer Demonstration gegen Piëch aufgerufen.

Am Samstag hieß es nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in VW-Konzernkreisen, die Porsche-Führung verkenne die Lage total. Die finanzielle Situation des Sportwagenbauers sei "äußerst brenzlig". Vorwürfe, VW wolle Porsche fertigmachen, seien eine "Dolchstoßlegende". Im Gegenteil habe die Familie Porsche VW gebeten, eine Porsche-Übernahme durch Volkswagen zu prüfen. Es habe dazu mehrere Krisentreffen in der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover gegeben.

phw/dpa



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