Familienpolitik Wie das Elterngeld wirklich wirkt

Die Zahl der Neugeborenen ist durch das Elterngeld nicht gestiegen. Eine neue Studie zeigt allerdings, dass die Neuregelung trotzdem wirkt: Zwar werden weniger Frauen Mütter - die bekommen aber mehr Kinder.

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Hamburg - Es hatte fast etwas Hämisches, wie im April der erneute Geburtenrückgang kommentiert wurde: Die Zahlen zeigten, dass man den "vermeintlichen Boom" nicht erzwingen könne. Dass es wieder "weniger dicke Bäuche" gebe, sei ein "Flop der Familienministerin", musste sich Ursula von der Leyen vorhalten lassen. Die Ursache der öffentlichen Schelte: Das statistische Bundesamt hatte mitgeteilt, dass trotz des Elterngeldes und des verstärkten Ausbaus der Kinderbetreuung im vergangenen Jahr erneut weniger Kinder auf die Welt gekommen sind.

Die Statistiker rechnen für 2008 mit 675.000 Neugeborenen - 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Und das, obwohl die Familienministerin monatelang für ihre Familienpolitik getrommelt und schon erste Erfolge verkündet hatte.

Und doch: Das Elterngeld wirkt - wenn auch im kleinen. "Auch wenn es in Deutschland 2008 weniger Nachwuchs gab, bekommen die Menschen wieder mehr Kinder", so das Ergebnis einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Was erst einmal widersprüchlich klingt, hat einen wahren Kern: Denn tatsächlich zeigt die Studie, dass zwar die Zahl der Geburten absolut gesunken ist - allerdings nicht so stark wie die Zahl der Frauen im geburtsfähigen Alter.

Wo weniger Frauen sind, gibt es auch weniger Kinder

"Wir haben durch die geringen Geburtenzahlen der vergangenen Jahrzehnte einen starken Rückgang der potentiellen Mütter", sagt Reiner Klingholz, Leiter des Berlin-Instituts. Selbst bei einer gleichbleibenden Geburtenrate könne die Zahl der Kinder deshalb nicht steigen - denn wo weniger Frauen sind, werden auch weniger Kinder geboren. "Dass die Zahl der Geburten quasi gleich geblieben ist, ist deshalb schon ein kleiner Erfolg."

Und den erklären sich die Demografie-Forscher tatsächlich mit den familienpolitischen Maßnahmen der CDU-Ministerin. Mit der Einführung des Elterngeldes hätten vor allem die neuen Bundesländer einen Sprung nach vorne gemacht. "Parallel zur Einführung des Elterngeldes 2007 werden Familiengründungen in ganz Deutschland wieder häufiger. Der Effekt war besonders im Osten Deutschlands zu beobachten, unter anderem, weil dort der Nachholbedarf nach dem massiven Geburteneinbruch Mitte der neunziger Jahre bis heute anhält."

Tatsächlich ist die deutliche Trennung zwischen der ehemaligen DDR und Bundesrepublik inzwischen quasi nicht mehr zu erkennen. "2007 herrschte zum ersten Mal seit 1990 in Bezug auf die Fertilität wieder Gleichstand zwischen Ost und West", sagt Klingholz. Wurden 1997 in den neuen Bundesländern durchschnittlich nur 1,04 Kinder pro Frau geboren, waren es 2006 bereits wieder 1,3 Kinder. Im Westen sank die Zahl im gleichen Zeitraum von 1,44 Kinder auf 1,34 Kinder.

Geburtenrate steigt in den Städten

Dass die Kinderzahl vor allem in den vergleichsweise kinderreichen, ländlichen Regionen der alten Bundesländer so stark zurückgegangen ist, führen die Berliner Forscher auf das veraltete Rollenmodell zurück: Dort finde sich häufig noch ein männlicher Hauptverdiener und vergleichsweise schlechte öffentliche Betreuungsangebote. Dieses Modell verliere bei jungen Menschen ganz offensichtlich an Attraktivität. "Weil das 2007 eingeführte Elterngeld die Doppelverdienergemeinschaft und damit erwerbstätige und oft auch gut qualifizierte Frauen begünstige, können diese Regionen davon nur wenig profitieren", schreiben die Forscher.

Genau diese Frauen bekommen allerdings dann Kinder, wenn sie dort leben, wo sich Familie und Beruf vereinbaren lassen: in den urbanen Zentren. "In den Städten wurden in den vergangenen Jahren größere Fortschritte gemacht, was zum Beispiel den Ausbau der Ganztagsbetreuung angeht", sagt Klingholz. Außerdem sei die Zahl der berufstätigen Frauen deutlich höher.

Und noch etwas zeigt die veränderten Lebensrealitäten vor allem von Frauen: Die meisten Kinder bekommen hierzulande die 30-Jährigen: 97 Kinder je 1000 Frauen. Auch bei den Mittdreißigern hat die Zahl der Geburten stark zugenommen: Während 2001 nur 54 Kinder je 1000 Frauen im Alter von 35 Jahren geboren wurden, waren es 2007 bereits 68 Kinder. Damit brachten die 35-jährigen Frauen 2007 mehr Kinder zur Welt als die Frauen im Alter von 25 Jahren und doppelt so viele Kinder wie 21-jährige Frauen.

Das Fazit der Forscher: Obwohl die Effekte des Elterngeldes sich als ernüchternd erwiesen hätten, gebe es keinen Weg zurück. "Der Ausbau der Kinderbetreuung unabhängig vom Erwerbsstatus der Eltern und von Ganztagsschulen ist dringend geboten - auch weil die Volkswirtschaft auf qualifizierte Frauen angewiesen ist." Es komme dem Wunsch junger Menschen entgegen, sowohl einen Beruf als auch eine Familie zu haben - diese Angebote bereitzustellen, sei Aufgabe der Familienpolitik.



Forum - Mehr Flexibilität beim Elterngeld?
insgesamt 341 Beiträge
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Seite 1
indosolar 24.04.2009
1. wer ist von der Leyen
unter Aufsicht dieser Frau wird kontinuierlich die Familie als Keimzelle des Staates zerstoert, boesartige Juegendaemter berauben in Zusammenarbeit mit Anwaelten der Scheidungsindustrie, den Kindern ihre Vaeter, bei familiaeren Konflikten, wird auf Scheidung hingearbeitet und die Vaeter zu zahlungsverantwortlichen ohne Rechte gemacht und jetzt moechte die Frau den Vaetern eine Chance einraeumen! Frau von Leyen, setzen Sie erst mal das Grundgesetz durch! Alle Menschen sind gleich und Vaeter und Muetter haben gleiche Rechte. Stoppen sie die verfassungsfeindlichen Tendenzen eines feministisch orientierten Apperates der Ihnen unterstellten Behoerden, angefangen von Jugendaemtern, ueber Frauenhaeusern und Familien"beratungen", stoppen Sie den Weg in die vaterlose Gesellschaft ganz generell!
Luitpold, 24.04.2009
2. Kinderlein
Zitat von sysopFamilienministerin von der Leyen will das Elterngeld künftig flexibler gestalten. Mit ihrem Konzept möchte sie vor allem ängstlichen Vätern entgegenkommen, die keinen Vollzeitausstieg wagen. Ein richtiger Weg?
Wer heute wegen der Kinderlein seinen Arbeitsplatz verläßt, ist schlecht beraten. Der ganze Familienzauber ist doch entzaubert, zumal die Eltern in Wirklichkeit kaum etwas zu vermelden haben. das alberne Geschwätz von der Rente kamnn man vergessen, da soviel Luftgeld verbraten worden ist.
altruist 24.04.2009
3. pille verbieten
die familienpolitik a la leyen ist völlig verfehlt.die dame glaubt mit geld alles erreichen zu können und erhöht deshalb ständig das "sprunggeld" würde man den jungen leuten eine beständigere zukunft in aussicht stellen, mehr zukunftsper spektiven geben,weniger restriktionen,dann hätten mehr leute ein besseres gefühl für die zukunft ihrer nächsten generation. ansonsten gibt es immer noch mehr kinder durch zuneigung als durch viel geld. ansonsten hat die pille den geburtenknick verursacht-auch darüber mal nachdenken
ChristianBW, 24.04.2009
4.
Zitat von sysopFamilienministerin von der Leyen will das Elterngeld künftig flexibler gestalten. Mit ihrem Konzept möchte sie vor allem ängstlichen Vätern entgegenkommen, die keinen Vollzeitausstieg wagen. Ein richtiger Weg?
"Ängstliche Väter" - Ja gehts noch! Man könnte - sicher etwas überzogen - auch sagen, leichtfertige oder verantwortungslose Väter, die Ihren Job bzw. Ihre Karriere riskieren. Gewiss in einigen Teilen ist der Vater zu Hause en Vogue- nämlich dort, wo der Arbeitsplatz sehr sicher ist und auch sonst keine gravierenden beruflichen Nachteile zu befürchten sind. Mann leben denn unsere Politiker und viele Medienvertreter total im Wolkenkuckungsheim. Ich und viele Väter arbeiten jedenfalls nicht im öffentlichen Dienst, sondern leben und arbeiten in der Realität. Und viele Väter müssen derzeit unfreiweillig länger zuhause bleiben (Kurzarbeit). Da wird in vielen Familien das Geld recht schnell knapp. Ich kenne etliche solcher Familien - und ja, dort verdient dann zum Glück auch die Frau "dazu", z.B bei Lidl & co samstags oder abends an der Kasse, selbstredend zu super Konditionen und Bedingungen. Tolles ertrebenswertes Familienleben eben. Frau v.d Leyens Familienpolitik sollte sich nicht so sehr an den Wünschen und Problemen von etwa 5-10% der Bevölkerkung orientieren, sondern am Durchschnitt. Außerdem - wenn sich die Wirtschaft nicht bald erholt, sind bald viel mehr Väter Zuhause, als uns dies evtl. lieb ist.
DJ Doena 24.04.2009
5.
Zitat von altruistdie familienpolitik a la leyen ist völlig verfehlt.die dame glaubt mit geld alles erreichen zu können und erhöht deshalb ständig das "sprunggeld" würde man den jungen leuten eine beständigere zukunft in aussicht stellen, mehr zukunftsper spektiven geben,weniger restriktionen,dann hätten mehr leute ein besseres gefühl für die zukunft ihrer nächsten generation. ansonsten gibt es immer noch mehr kinder durch zuneigung als durch viel geld. ansonsten hat die pille den geburtenknick verursacht-auch darüber mal nachdenken
Widerspricht sich das nicht ein wenig? Auf der einen Seite beklagen sie, dass Kinder nur mit Geld zu bekommen sein, andererseits wollen sie die Leute zu ihrem "Glück zwingen" - zumindest klingt es so, wenn sie die Einführung der Pille beklagen.
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