Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Faule Wertpapiere: Ackermann fordert Bad Bank für Deutschland

Die Bilanzen deutscher Geldhäuser werden offenbar weiterhin durch wertlose Wertpapiere belastet. Um eine Abschreibungswelle zu vermeiden, fordert Deutsche-Bank-Chef Ackermann jetzt laut Presseberichten ein staatliches Institut, das die Giftanlagen übernehmen soll.

Berlin - Josef Ackermann warnt vor möglichen Abschreibungen in dreistelliger Milliardenhöhe, die der deutschen Bankenbranche drohen, heißt es in mehreren Presseberichten. Deswegen schlug der Chef der Deutschen Bank Chart zeigen beim Konjunkturgipfelin Berlin vor, mit staatlicher Hilfe eine sogenannte Bad Bank zu gründen, die den Geldhäusern Wertpapiere abkaufen soll, deren Preis in der Finanzkrise stark gesunken sei, berichten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ"), und die "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Die Deutsche Bank wollte sich mit Verweis auf die "vertraulichen Gespräche" nicht äußern.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Bad Bank für Deutschland?
DPA

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Bad Bank für Deutschland?

Das Prinzip dahinter: Banken geben ausfallgefährdete Problemkredite und -anlagen, die schwer auf den Bilanzen lasten und potentielle Kreditgeber abschrecken, in eigene Gesellschaften - die Bad Banks. Die haben keinen anderen Zweck, als dafür zu sorgen, dass die auch als Gift-Assets bezeichneten Anlagen noch so viel wie möglich am Markt abwerfen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es Diskussionen um solche Verwertungsinstituts gegeben, angeschoben von den angeschlagenen Landesbanken.

Der Vorschlag einer Bad Bank stieß der "FTD" zufolge in der Großen Koalition allerdings auf wenig Gegenliebe. In Kreisen der Koalition sei argumentiert worden, durch staatliche Garantien für Bankkredite sei der Interbankenhandel bereits abgesichert. Die zusätzliche Übernahme entwerteter Papiere sei deshalb unnötig.

Wie beide Zeitungen weiter berichten, wird nun in einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) initiierten Arbeitsgruppe geprüft, wie eine Kreditklemme verhindert werden kann und der Interbankenhandel sowie der Pfandbriefmarkt wieder in Gang kommen können. Dabei sei auch die Rede von einer Neuauflage der "Deutschland AG" gewesen. In deren Rahmen sollten deutsche Banken - unter Umständen mit staatlichen Anreizen - deutschen Unternehmen Kredite geben.

Furcht vor der Kreditklemme

Hintergrund der Initiative ist die weiterhin schwierige Situation an den internationalen Finanzmärkten. Zwar ist nach Angaben von Finanzpolitikern und Wirtschaftsführern ausreichend flüssiges Geld vorhanden, nachdem die Notenbanken mehrfach ihre Schleusen geöffnet haben. Auch besteht eigentlich kein Risiko, weil der Staat mit dem Rettungsschirm bei Ausfällen einspringt. Doch das Misstrauen im Bankensektor ist geblieben. Es wird befürchtet, dass viele Banken noch "Giftpapiere" in ihren Bilanzen verstecken und längst nicht alle Risiken offengelegt haben.

Produzierende Unternehmen klagen zusehends, dass langfristige Finanzierungen derzeit mit den Banken kaum noch zu machen seien und die Kreditzinsen stiegen. Eine allgemeine Kreditklemme gebe es aber noch nicht. Unterm Strich melden viele deutsche Institute sogar ein höheres Kreditvolumen als im Vorjahr. Die Ausfälle durch die vor der Krise in Deutschland sehr aktiven ausländischen Institute als Kreditgeber wie Lehman Brothers oder Citigroup können sie aber nicht kompensieren.

Leitzinssenkung in den USA erwartet

Mit Spannung blicken Beobachter der internationalen Geldmärkte am Dienstag in die USA. Die US-Notenbank wird den Leitzins nach Einschätzung von Experten erneut deutlich senken. Lediglich der Umfang des Zinsschritts gilt am Markt als unsicher. Als möglich werden Zinssenkungen von 0,5 Punkten bis hin zu einem ganzen Prozentpunkt erachtet.

Bereits im Falle einer Senkung um 50 Basispunkte würde der Leitzins auf das tiefste Niveau seit der erstmaligen Festsetzung der "Fed Funds Rate" im Jahr 1971 sinken. Der geldpolitische Ausschuss (FOMC) der Federal Reserve (Fed) wird seine Zinsentscheidung am Dienstagabend wie gewohnt um 20.15 Uhr (MEZ) bekanntgeben.

suc/dpa-AFX/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: