Fehlende Leistungskontrolle Kommunen verschenken Prämien an Mitarbeiter

Lohn nach Leistung - theoretisch ist das im Öffentlichen Dienst möglich. Doch die Realität sieht anders aus, zeigt eine Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Die meisten Kommunen schütten Prämien mit der Gießkanne aus, eine sinnvolle Kontrolle findet nicht statt.


Hamburg - Für den Öffentlichen Dienst war der Tarifvertrag ein Durchbruch: Seit vergangenem Jahr dürfen die Kommunen ihre Mitarbeiter nach Leistung bezahlen. Bei besonderen Verdiensten ist ein Gehaltsaufschlag von bis zu acht Prozent möglich - um die Motivation zu erhöhen.

Stadtreinigung Potsdam (bei einer Kundgebung im März): Niemand legt fest, was der einzelne Mitarbeiter leisten soll
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Stadtreinigung Potsdam (bei einer Kundgebung im März): Niemand legt fest, was der einzelne Mitarbeiter leisten soll

Tatsächlich ist die leistungsabhängige Vergütung in den meisten Fällen eine Farce. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Das Ergebnis: Bei den Kommunen, die im vergangenen Jahr Prämien zahlten, kamen 77 Prozent der Angestellten in den Genuss des Extrageldes. In vier der untersuchten 136 Kommunen erhielt sogar jeder Mitarbeiter einen Bonus.

"Damit wird das Ziel konterkariert, nur überdurchschnittliche Arbeitsleistungen zu belohnen", sagt PwC-Experte Frank Weise. Die Verteilung der Boni erfolge ganz offensichtlich "nach dem Gießkannenprinzip".

Bis Mitte 2007 hat knapp die Hälfte der befragten Kommunalverwaltungen eine Dienst- oder Betriebsvereinbarung zur leistungsabhängigen Vergütung abgeschlossen. Bis Ende 2008 könnten es der Befragung zufolge 85 Prozent sein.

Im Durchschnitt können die Beschäftigten pro Jahr 200 bis 400 Euro extra bekommen. Je nach Einkommen sind in Einzelfällen aber auch Prämien von 10.000 Euro möglich. Trotzdem kommt die PwC-Studie zu einem nüchternen Befund: "Ob die leistungsorientierte Entlohnung bereits zu schnellerer und besserer Arbeit in den Behörden geführt hat, lässt sich nicht beantworten."

Die Frage ist: Warum werden die Zulagen derart breit gestreut? Die Studienautoren geben darauf eine einfache Antwort: Bislang gibt es kaum individuelle Zielvereinbarungen zur Leistungsbewertung. Das heißt: Niemand legt im Januar fest, was der einzelne Mitarbeiter im Verlauf des Jahres leisten soll.

Rund 56 Prozent der Kommunen mit einem leistungsorientierten Entgelt zahlen den Bonus auf Grundlage einer "Leistungsbeurteilung". Und die wird erst im Nachhinein abgegeben. "Im Extremfall kommt dies einer Kopfnote durch den Vorgesetzten gleich", heißt es in der Studie. Mit anderen Worten: Das zusätzliche Geld wird Pi mal Daumen gezahlt.

Nur 9,5 Prozent der Kommunen stützen die Bonuszahlung auf eine vorab getroffene Zielvereinbarung, 35 Prozent wenden ein Mischsystem an. Dabei hätten individuelle Vorgaben einen klaren Vorteil: "Die Beschäftigten haben es selbst in der Hand, wie nahe sie dem vereinbarten Ziel kommen", sagt Weise.

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Forum - Nur die Leistung zählt?
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Seite 1
Fraggle12 28.03.2008
1.
Zitat von sysopNur Leistung, Leistung, Leistung zählt, hämmern Manager dem Nachwuchs ein. Wirklich? Oder entscheidet über beruflichen Erfolg am Ende die soziale Herkunft und die Mitgliedschaft in elitären Netzwerken?
Natürlich entscheidet allein die Herkunft und der Zugang zur Elite über den beruflichen Erfolg. Das war zu jeder Zeit and an jedem Ort so, weil Menschen nun einmal so funktionieren. Die Frage sollte sein, wieviele Generationen eine Familie für einen Aufstieg braucht, wenn man besondere Ereignisse wie Kriege und Revolutionen mal beiseite lässt und da sieht es in Deutschland ziemlich düster aus, vor allem wegen des Fehlen eines Bildungssystems.
Peter-Freimann 28.03.2008
2.
Zitat von sysopNur Leistung, Leistung, Leistung zählt, hämmern Manager dem Nachwuchs ein. Wirklich? Oder entscheidet über beruflichen Erfolg am Ende die soziale Herkunft und die Mitgliedschaft in elitären Netzwerken?
Noch nicht, aber bald! Wenn unser ehemalig auf der ganzen Welt bewundertes und erfolgreiches Bildungssystem weiter herunterreformiert und ruiniert wird, kann Bildung tatsächlich bald nur noch für die Eliten des Kapitals und etablierter linker Gleichstellungsideologen auf den Privatschulen für die begünstigten Sprösslinge sichergestellt werden.
delta058 28.03.2008
3.
Zitat von sysopNur Leistung, Leistung, Leistung zählt, hämmern Manager dem Nachwuchs ein. Wirklich? Oder entscheidet über beruflichen Erfolg am Ende die soziale Herkunft und die Mitgliedschaft in elitären Netzwerken?
Beim Mittelstand und mittleren Führungspositionen würde ich noch vom Leistungsprinzip ausgehen, zumindest bestimmt hier die Leistung mehr den Erfolg als die Herkunft. Bei hohen Positionen, in Wirtschaft und Politik vor allem, bestimmt meiner Meinung nach die Herkunft und Vitamin B den beruflichen Erfolg, die erbrachte Leistung ist da unbedeutend.
Martin76, 28.03.2008
4.
Eine gewisse Soziale Herkunft und Netzwerke helfen, und werden aufgrund Studiengebühren etc. leider immer wichtiger! Ein Lob im übrigen an Frau Friedrichs, ein gutes Buch (soweit ich jetzt die Auszüge lesen konnte) und auch im Interview kann ich Ihrer Meinung nur beipflichten! Vielleicht sind Sie eine Elite die das Land wirklich braucht ;-)
wdh1550, 28.03.2008
5.
leistungs elite ich lach mich tod. ein standart student in europa hat eine 18 stunden woche! den 75 stunden die woche büfler den gibt es nur im unispiegel umd bei unterschichten schwigermütter. ein standart student in europa brauch schon ampfetamin wenn er mal 8 stunden am stück lesen soll und um das zu vertuschen setzt das zdf dann die tour de france ab. elite ist ein kunstprodukt das mit allen aber nichts mit leistung zu tun hat.
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