Fehlspekulationen: Finanzaufsicht fürchtet Eskalation der Kreditkrise - Gerüchte um Dresdner Bank
Mehr Risiken, mehr Abschreibungen: In der Kreditkrise steht den Banken das Schlimmste noch bevor, warnen Regierung und Bundesbank. Ein Börsenbrief spekuliert über Probleme bei der Dresdner Bank - und die Finanzaufsicht warnt, auch Versicherungen und Fonds könnten bald erfasst werden.
Ljubljana - Mahnende Worte aus Slowenien. Am Rande des EU-Finanzministertreffens in Ljubljana sagte Bundesbank-Chef Axel Weber, die Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten seien noch lange nicht ausgestanden. Den Banken stehe das Schlimmste sogar noch bevor, sagte er, weil sie "Verluste nicht wie im letzten Jahr gegen ein sehr gutes erstes Halbjahr buchen können".
Bank-Mitarbeiter (in Büro bei der Dresdner Bank in Frankfurt): "Indirekte Auswirkungen könnten noch gravierender sein"
Kaum einer kann sich mehr sicher fühlen vor den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise - diesen Eindruck vermittelt auch ein Vermerk der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin über die globalen Folgen des Kreditdebakels. Die Kernbotschaft eines BaFin-Dokumentes: Viele Risikopotentiale schlummern noch immer unaufgeklärt.
Nüchtern listeten die Finanzaufseher bis Mitte März alle veröffentlichten Verluste von Instituten in Verbindung mit der vom US-Hypothekenmarkt ausgehenden Krise auf. Sie kamen auf ein Verlustvolumen von mindestens 295 Milliarden Dollar. Inzwischen dürfte die 300-Milliarden-Marke weit überschritten sein, denn es gab in den letzten zwei Wochen neue Verlustmeldungen - zuletzt von der BayernLB. Insgesamt könnten die geschätzten Einbußen als direkte Auswirkungen der Krise bei maximal 600 Milliarden Dollar liegen, für realistischer hält die BaFin aber 430 Milliarden Dollar.
Das allerdings ist nach Einschätzung der Finanzaufseher wohl noch nicht alles. "Die indirekten Auswirkungen könnten sogar noch gravierender sein", heißt es in dem Vermerk. Hinzu kämen Verluste in anderen Bereichen des US-Kreditgeschäfts, etwa bei Kreditkarten, Autofinanzierungen, Studenten-Krediten und in anderen Sektoren, die die Krise vertiefen könnten. Die Rede ist von neuen Verlustquellen, die zwar zunächst Finanzinstitute in den USA und in Europa treffen dürften, sich darauf aber nicht unbedingt beschränken müssten. Auch Hedgefonds, Versicherer und andere Fonds könnten stärker in Mitleidenschaft geraten.
"Es ist bereits offenkundig, das die Subprime-Krise ihrer Natur nach eine globale ist, die sich auf viele Länder erstreckt hat", befinden die BaFin-Experten. Es handle sich um das erste Mal, dass eine Krise in Kernbereichen des globalen Finanzsektors ein dermaßen großes Ausdehnungspotenzial gewonnen hat und die Realwirtschaft weltweit bedeutsam beeinträchtigt, heißt es.
Laut einem Bericht des Börseninformationsdienstes "Platow Brief" könnte die Dresdner Bank wegen der US-Hypothekenkrise im ersten Quartal mehr als eine Milliarde Euro abschreiben müssen. Ein Sprecher der Allianz-Tochterfirma wollte dazu auf Anfrage nicht Stellung beziehen. Nach Angaben des Frankfurter Instituts beliefen sich die Abschreibungen per 31. Januar auf 400 Millionen Euro. Seither haben sich die Marktbewertungen strukturierter Wertpapiere aber erheblich verschlechtert. Die Ergebnisse des ersten Quartals will die Dresdner Bank am 9. Mai veröffentlichen.
Angesichts der jüngsten Milliardenbelastungen bei der BayernLB mehren sich die Rufe nach einer grundlegenden Reform der Landesbanken. Mehrere CDU-Politiker favorisieren eine Fusion der BayernLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Grünen sprachen sich sogar für den Zusammenschluss der Landesbanken zu einem Institut mit klarem Förderauftrag für den Mittelstand aus.
itz/Reuters/AP
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