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Dänisch-deutsches Riesenprojekt: Bürger wollen Fehmarnbelt-Tunnel stoppen

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Deutschland und Dänemark starten ein Megaprojekt: Der Fehmarnbelt-Tunnel zwischen beiden Ländern soll 18 Kilometer durch den Meeresboden führen. Kritiker bringen sich jetzt in Stellung - sie wollen die Planer mit Klagen überziehen.

Femern A/S

Hamburg - Für die einen ist er ein Prestigeprojekt, für die anderen ein absehbares Fiasko: der rund 18 Kilometer lange Tunnel im Meeresboden zwischen Deutschland und Dänemark, zwischen den Ostseeinseln Fehmarn und Lolland. Auf jeden Fall aber ist die geplante Fehmarnbelt-Querung ein Bauvorhaben von gigantischen Ausmaßen, hier soll der längste Absenktunnel der Welt entstehen.

Die Planung des Milliardenprojekts geht jetzt in die entscheidende Phase. Wenn alle politischen und behördlichen Verfahren rechtzeitig abgeschlossen werden, soll der Bau des Tunnels bereits im kommenden Jahr starten - und in sechseinhalb Jahren abgeschlossen sein. (Die wichtigsten Daten zum Bauprojekt erfahren Sie hier.)

Doch das Vorhaben wird seit Beginn der Planungen von lauten Protesten begleitet. Und jetzt, wo der mögliche Baubeginn naht, bringen sich die Gegner neu in Stellung: auf beiden Seiten der Ostsee.

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Feste Fehmarnbelt-Querung: Der Supertunnel
In Deutschland ist einer der bekanntesten Kritiker des Tunnels der Fehmaraner Hendrick Kerlen. Er engagiert sich seit Jahren, weil ihm die ökonomischen und ökologischen Studien zum Tunnel nicht überzeugend erscheinen. Der 75-Jährige, der seit 1986 auf der Insel lebt, kennt sich aus mit großen Bauprojekten. Er war lange als Wirtschaftsingenieur im Ausland tätig, in Malawi, Peru und Südkorea.

Heute kämpft er als Aktivist gegen den Tunnel, als Vorsitzender im Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung. Sollte die Baugenehmigung für den Tunnel im nächsten Jahr kommen, "würden wir sofort klagen", sagt er: "Wo immer es möglich ist."

Die Kritikpunkte sind vielfältig:

  • Gefahren für die Umwelt: Laut den Experten des Aktionsbündnisses beeinflussen die Baggerarbeiten für den Tunnel die marine Ökologie, falls ausgedehnte Sedimentfahnen durch die Ostsee treiben.

  • Gefährdung der Ostseeküsten: Die Eintrübung werde sich vor allem im Bereich Fischland-Darß auswirken.

  • Havarierisiken: Kritiker fürchten zudem, dass ein vollbeladener Öltanker während der Bauphase mit schwimmend bereitgehaltenen Tunnelsegmenten zusammenstoßen und womöglich eine Umweltkatastrophe auslösen könnte.

  • Rechtliche Mängel: Sowohl das Aktionsbündnis als auch der BUND haben Beschwerden bei der EU-Kommission eingereicht: gegen Dänemark beziehungsweise gegen den Tunnelbau als solchen, weil er Naturschutzrecht verletze.

  • Technische Probleme: Die sieht der Ingenieur Kerlen vor allem in den Bereichen der Sicherheit - etwa beim Brandschutz - und der Ventilation: In den Planfeststellungsunterlagen fehle ein Nachweis für die Wirksamkeit der Tunnelbelüftung, rügt er.

  • Unrealistische Verkehrsprognosen: Eine Basis für die Planungen ist die Annahme, dass der Pkw-Verkehr stark zunimmt - vor allem durch den Tourismus. Das halten Projektgegner für sehr unwahrscheinlich.

Knackpunkt Kosten

Lange sah es so aus, als wären die Dänen recht einmütig für die Querung. Doch jetzt, wo der Bau beschlossen werden soll, mehrt sich auch auf skandinavischer Seite die Kritik. Für neuen Zündstoff in der öffentlichen Debatte sorgt vor allem der dänische Verkehrsexperte Knud Erik Andersen. In seinem Buch "The Fehmarn Belt Fixed Link - made in Denmark" (etwa: "Die Feste Fehmarnbelt-Querung - made in Denmark"), das kürzlich im Kopenhagener Praxis-Verlag erschien, weist er auf Mängel in der 2008 erstellten Finanzanalyse hin. Andersen fürchtet, dass nach Fertigstellung des Tunnels die dänischen Steuerzahler eine riesige Fehmarn-Rechnung erwartet.

Dänemark nämlich soll die Röhre bauen und die Kosten tragen und kann dafür von künftigen Nutzern Mautgebühren erheben. Deutschland will die sogenannte Hinterlandanbindung ab Puttgarden ausbauen.

Die staatliche dänische Planungsgesellschaft, die den Tunnelbau verantwortet, müht sich auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, die Zweifel der Gegner auszuräumen. Er respektiere die öffentliche Debatte um das Projekt und auch die Kritiker, sagt Claus Baunkjær, Chef der Firma Femern A/S, die dem dänischen Verkehrsministerium gehört: "Aber sie liegen falsch."

Schließlich beruhe ein Teil der Kritik darauf, dass die Kostenprognose recht alt sei, sagt Baunkjær. Das Megaprojekt sollte nach ersten Berechnungen aus dem Jahr 2008 rund 5,5 Milliarden Euro kosten. Den Preisstand 2014 will Femern A/S jetzt anpassen und im Herbst dem dänischen Parlament präsentieren. Schätzungen zufolge dürfte dann wohl mindestens eine sechs vorm Komma stehen. Kritiker rechnen sogar mit mehr als sieben Milliarden Euro.

"Ich kann Ihnen sehr deutlich versichern, dass wir volles Vertrauen in die Kostenkalkulation haben", entgegnet Baunkjær. Sein Vertrauen in das Tunnelprojekt beruht auch auf der Unterstützung durch das dänische Parlament. Am 1. Februar 2011 hatten in Kopenhagen sieben von acht Fraktionen dem Vorschlag der Regierung zum Bau des Supertunnels zugestimmt.

Mehr als 3000 Einwendungen aus Deutschland

Ob der Tunnel gebaut wird, entscheidet aber nicht das dänische Parlament allein. Schließlich handelt es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt. In Deutschland läuft derzeit ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren, zu dem sich Privatpersonen sowie sogenannte Träger öffentlicher Belange - etwa das Bundesamt für Naturschutz, das Umweltministerium, NABU und BUND - geäußert haben.

"Jetzt haben wir alle Einwendungen und sind bei rund 3100 Stellungnahmen", sagt Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein. Der LBV-SH fungiert unter anderem als Anhörungsbehörde für das Tunnelprojekt auf deutschem Hoheitsgebiet. Trotz dieser recht hohen Zahl an Einwendungen, die gesichtet und erörtert werden müssen, gibt sich Conradt vorsichtig optimistisch: "Wenn alles problemlos laufen würde, könnte man im nächsten Jahr einen Planfeststellungsbeschluss noch erreichen", sagt er. Will heißen: einen Baubeschluss.

"Dann stellt sich natürlich die Frage: Wenn ein Beschluss vorliegt, ist er in Deutschland vor den Gerichten beklagbar?", fügt Conradt hinzu. Doch diese Aussicht scheint ihn nicht besonders zu beunruhigen. Dann müsse man schauen, ob man eben auf der Basis eines Sofortvollzugs gleich den Bau realisieren kann.

Auch Gegner wie Kerlen wären dann sofort angriffsbereit.

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insgesamt 213 Beiträge
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1. Wie ungewöhnlich!
dalethewhale 21.08.2014
In Deutschland wird wiedermal gegen ein Zukunftsprokjekt demonstriert! Wer die Lust an Selbstzerstörung in diesem Land beobachtet kann wenig überrascht sein.
2.
tiefseetanker 21.08.2014
Wenn ich mir die Kritikpunkte so anschaue, dann scheint es wohl mal wieder eher darum zu gehen, Hauptsache gegen etwas zu sein.
3. In Deutschland kann man
knieselstein 21.08.2014
offensichtlich nur noch Stadtautobahnen für Bollerwagen bauen ;-)
4. Haha,
Checkker 21.08.2014
der Unsinn wird sich in Jahrhunderten nich gerechnet haben. Aber gerade deshalb wird das Ding gebaut. Politiker haben sich noch nie von logischen und sachlichen Argumenten überzeugen lassen. Sie treten vielmehr mit Wolllust in jeden Fettnapf, der sich ihnen in den Weg stellt.
5. Kritik...
Sandygirl 21.08.2014
Das der Tunnel kritisiert wird ist offensichtlich. Leider ist für einen Aussenstehenden die Kritik nicht nachvollziehbar. Es werden lediglich bzarre Horrorszenarien an die Wand gemalt (Ein Öltanker könnte mit dem Bauschiff kollidieren - ja, aber das könnte auch mit einem Fischerboot kollidieren). Es scheint vielmehr, als ginge es um das Prinzip und den Erhalt der Einkünnfte einiger Fährunternehmen. Interessanterweise wird auch immer über "die Bürger" gesprochen, welche gegen den Tunnel sind. Vielmehr drängt sich vor Ort der Verdacht auf, dass die "Proteste" zentral organisiert sind. man schauen schon, wieviele Mitarbeiter zum Beispiel Scandilines hat .. da kommt man schnell auf 3000 Einwendungen geben den Tunnel. Aber es ist doch klar: Für die Kunden wird es beqeumer im Tunnel. Kein Staustehen mehr an der Fähre, keine horrenden Tansportkosten mehr.
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