Filialschließungen Gewerkschaft wirft Schlecker Lohndumping vor

Größere Drogerie-Märkte, aber geringere Löhne: Schlecker nutzt nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di den Umbau im Filialnetz, um Personalkosten zu drücken. Die Kette zahle Mitarbeitern neuer Läden weniger Lohn, teurere Beschäftigte alter Standorte hätten nach der Schließung gehen müssen.


Frankfurt am Main - Die Gewerkschaft Verdi wirft der Drogeriekette vor, den aktuellen Umbau des Filialnetzes zum Drücken der Lohnkosten zu nutzen. Das Unternehmen schließe derzeit in Hessen kleinere Filialen und entlasse die Mitarbeiter, sagte der hessische Verdi-Fachbereichsleiter Handel, Bernhard Schiederig, am Freitag. Zugleich öffne Schlecker über eine Tochter größere Filialen. Dort Beschäftigte würden aber nicht mehr nach Tarif bezahlt. Am Freitag war ein Sprecher des Unternehmens aus Ehingen bei Ulm für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Schlecker-Filiale: Drogeriekette setzt auf niedrige Kosten
AP

Schlecker-Filiale: Drogeriekette setzt auf niedrige Kosten

Schlecker hatte angekündigt, in Deutschland mehrere hundert größere Filialen mit bis zu 1000 Quadratmeter Ladenfläche zu öffnen. Allerdings werde auch an kleinen Filialen festgehalten. Die Firma hatte den Vorwürfen von Verdi widersprochen, damit unter dem Strich Stellen abzubauen.

Nach Angaben von Ver.di haben in Hessen inzwischen drei der neuen Großfilialen von Schlecker geöffnet: In Kassel, Frankfurt und in Groß-Bieberau in Südhessen. In Groß-Bieberau sei eine kleine Filiale geschlossen und direkt daneben eine Großfiliale eröffnet worden. Dabei habe sich Schlecker aber geweigert, die vier bisher in der kleinen Filiale beschäftigten Mitarbeiter zu übernehmen.

Laut Schiederig zahlt Schlecker in den kleinen Filialen entsprechend dem allgemeinen Einzelhandels-Tarifvertrag 12,98 Euro pro Stunde. Die neue Firma Schlecker XL, die nicht unter den Vertrag falle, zahle dagegen nur 6,50 Euro pro Stunde. Die Gewerkschaft, die derzeit bundesweit gegen Schlecker protestiert, will mit einem eigenen Tarifvertrag durchsetzen, dass die Beschäftigten von den Großfilialen übernommen und auch dort nach allgemeinem Tarif bezahlt werden.

Schlecker betreibt in 13 europäischen Ländern rund 14.000 Filialen, in Deutschland sind es rund 10.000. Nach Einschätzung des bundesweit bei Verdi für Schlecker zuständigen Unternehmensbetreuers Achim Neumann sind allein in diesem Jahr schon 500 Stellen in Deutschland gestrichen worden. Seit 2005 sei die Zahl der Filialen von 11.000 auf rund 9400 gesunken. Er warf dem Unternehmen im Zusammenhang mit der Umstrukturierung "Geheimniskrämerei" vor.

tko/dpa



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