Finanzberatung für Fußball-Profis Gut gekickt, falsch getippt

Profi-Fußballer sind für Finanzberater eine lukrative Zielgruppe. Doch die Tipps der Geld-Experten sind oft riskant, viele Kicker werden über den Tisch gezogen. Nach dem Karriere-Ende ist ein Viertel der Spieler verschuldet, manche leben gar von Hartz IV.

Von Oliver Lepold


Er liegt in einem Sarg in einem dunklen Tunnel, Ratten laufen über ihn und beißen ihm die Lippe blutig - die schaudernde Nation konnte Anfang 2008 den tiefen Fall eines ehemaligen Nationaltorwarts live im RTL-Dschungelcamp verfolgen. Die fünfstellige Gage brauchte Eike Immel nach eigener Aussage, um sich eine dringende Hüftoperation leisten zu können.

Später nahm er dann eine erfolglose Single ("Wie ein Liebeslied") mit Schlagerveteran und Dschungelmitbewohner Bata Illic auf. Dazu eine Vorstrafe wegen Betrugs, Gerüchte um Spielsucht und Kokainkonsum. Eike Immel mag ein drastischer Fall sein, aber immer wieder tauchen Geschichten gescheiterter Ex-Fußballer auf, die zu ihrer aktiven Zeit Millionen verdienten und danach vor dem Bankrott stehen. Bauherrenmodelle in den Achtzigern, später Ost-Immobilien und obskure Beteiligungen spielten dabei eine Hauptrolle.

Nur neun Prozent der Profis haben nach ihrer Karriere ausgesorgt - die Zahl stammt aus einer Studie der Vermögensberatung Daudert & Daudert (siehe Grafik). Michael Daudert hat die Spieler, von denen einige mittlerweile ihre Karriere beendet haben, weiterverfolgt: "Die Situation hat sich nicht verbessert, fünf Ex-Profis leben heute von Hartz IV."

Die Gründe für das Finanz-Fiasko: Sorglosigkeit bei den Spielern, kaum Unterstützung von Vereinen und schlechte Beratung von windigen Betreuern und Hausbanken. "In fast allen Fällen sind kreditfinanzierte Immobiliengeschäfte das Problem", so Daudert, der gemeinsam mit seinem Bruder Christian 35 Erstligaprofis, darunter die Spieler Marco Rehmer, Oliver Neuville und Matthias Scherz, berät. Fast immer brechen hohe Beiträge, die nicht mehr bedient werden können, wenn Verträge auslaufen oder Verletzungen passieren, einem Spieler das Genick.

Hinzu kommt: Der Markt ist eng geworden, viele Produktanbieter haben sich zurückgezogen, weiß Christian Schmeckmann von MLP. Zum Beispiel im Bereich der privaten Krankenversicherung: "Marktführer ist hier die DKV, die auch Krankentagegeld versichert.

Grafik: So steht es um die Finanzen der Ex-Spieler

Grafik: So steht es um die Finanzen der Ex-Spieler

Interessenten müssen jedoch dazu drei Jahre über der Bemessungsgrenze liegen, was bei jungen Spielern schwierig ist." Am besten schließe man bereits als junger Spieler noch vor der Profikarriere eine Zusatzversicherung mit Optionstarif ab.

Wichtig für jeden Berufsspieler ist es, das Invaliditätsrisiko abzusichern - eine reguläre Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten Profis nicht. Der Grund: Das Risiko ist den Versicherern zu hoch. "Viele Gesellschaften sichern nur bis zum 35. Lebensjahr ab und dann auch nur bis zu 2500 Euro monatlich", sagt Schmeckmann. Daher legt MLP einen Schwerpunkt auf die sogenannte Spielunfähigkeitsabsicherung - dabei sind 100.000 bis eine Million Euro versicherbar.

"Manche Spieler lassen sich von der Kreissparkasse beraten"

Rund 800 Profis gibt es, nach einer Erhebung der deutschen Fußballliga sind rund 35.000 Arbeitnehmer im Profigeschäft, davon 9000 Festangestellte - eine lukrative Zielgruppe, an die schwer heranzukommen ist. "Viele Spielerberater arbeiten exklusiv mit Banken zusammen", sagt Andreas Schmidt von Laransa Consulting. Oft hat ein Verein auch einen Sponsor als Partner, der einen Erstzugriff auf die Beratung der Spieler hat.

Ex-Profi Schmidt: "Ich kenne Spieler, die großes Geld verdienen und sich noch immer von ihrer Kreissparkasse beraten lassen oder ein Depot haben, das alles andere als unabhängig beraten wurde." Schmidt wechselte nach seiner Zeit bei Hertha BSC nahtlos in die Finanzberatung. Dafür hatte er während der Sportkarriere ein BWL-Studium absolviert. Sein Unternehmen, eine Tochter der Laransa AG, berät einige Berliner Fußballprofis und ist im Aufbau.

Die richtige Ansprache der Fußballer ist für den Erfolg einer Beratung essentiell. "Wir erklären Produkte und Konzepte in Fußballer-Terminologie", sagt Daudert. So erklärt Sportreporter Jörg Wontorra auf der Web-Site den hauseigenen Dachfonds - Asset Allocation wird in Form einer Teamaufstellung erläutert. "Aktien sind die Stürmer, Anleihen und Mischfonds die Mittelfeldspieler und Immobilienfonds bilden die Abwehr - nur bei einer ausgewogenen Aufstellung ist das Team erfolgreich, das verstehen die Profis sofort", so Daudert.



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