Finanzdebakel Chinesischer Versicherer verliert Milliarden durch Fortis-Rettung

Die Finanzkrise reißt chinesische Unternehmen mit: Der Versicherungskonzern Ping An erlitt durch seine Beteiligung an dem taumelnden Finanzriesen Fortis einen Milliardenverlust. Fortis rettete sich inzwischen in die Arme der französischen Bank BNP Paribas.


Peking/Brüssel - Die Finanzkrise erreicht jetzt auch China mit voller Wucht: Ping An, einer der größten chinesischen Versicherungskonzerne, hat wegen seiner Beteiligung an der angeschlagenen Fortis-Bank einen Verlust in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar zu verbuchen. Das teilte Ping An am Montag in Peking mit. Die Abschreibung ist die bislang schwerste Auswirkung der westlichen Finanzkrise auf eine chinesische Finanzinstitution.

Fortis-Zentrale: BNP Paribas übernimmt
AFP

Fortis-Zentrale: BNP Paribas übernimmt

Das Geschäftsergebnis für die ersten drei Quartale 2008 werde durch die Abschreibung geschwächt, teilten die Chinesen mit. Ping An besaß nach eigenen Angaben fünf Prozent der Fortis-Anteile im Gesamtwert von 23,9 Milliarden Yuan (2,5 Milliarden Euro). Ping An hatte ursprünglich vor, für 2,15 Milliarden Euro 50 Prozent des Geschäftsbereichs Vermögensverwaltung von Fortis zu kaufen, zog sich jedoch in der vergangenen Woche von dem geplanten Deal zurück.

Nun hat der Finanzriese Fortis einen anderen Retter gefunden: Die französische Großbank BNP Paribas übernimmt 75 Prozent an dem Unternehmen, im Gegenzug behalten die belgische und die luxemburgische Regierung eine Sperrminorität.

BNP übernimmt die Mehrheit am Bankgeschäft des angeschlagenen Fortis-Konzerns sowie dessen belgisches Versicherungsgeschäft. Die französische Großbank bezifferte das Volumen der Transaktion auf insgesamt 14,5 Milliarden Euro. Für den Kauf der Bankaktivitäten, in denen auch das Geschäft der im vergangenen Jahr von Fortis gekauften niederländischen ABN Amro enthalten ist, will BNP insgesamt knapp 133 Millionen neue Aktien zu 68 Euro je Stück ausgeben. Der belgische Staat bleibt mit 25 Prozent an der Fortis-Bank beteiligt und soll Anteile am Käufer BNP Paribas erhalten.

Die im Gegenzug vorgesehene Sperrminorität bei BNP werde sicherstellen, dass die französische Bank keine Arbeitsplätze bei Fortis abbauen werde, sagte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme. In Belgien beschäftigt Fortis rund 25.000 Mitarbeiter. BNP Paribas ist die größte französische Bank und wies Ende Juni einen Nettogewinn von 3,5 Milliarden Euro aus. Das Unternehmen beschäftigt knapp 170.000 Mitarbeiter in rund 85 Ländern.

Die belgische Regierung hatte zwei Tage lang gemeinsam mit Bankenmanagern über die Rettung von Fortis beraten. Die Gesellschaft, die einst zu Europas größten Finanzinstituten zählte, ist inzwischen praktisch in einen niederländischen und einen belgischen Teil gespalten, nachdem die Niederlande am Freitag den dortigen Geschäftsbetrieb der Bank verstaatlicht haben.

Vor einer Woche hatten die Niederlande, Belgien und Luxemburg bereits 49 Prozent von Fortis übernommen, um den Finanzkonzern vor dem Kollaps zu retten. Doch konnte diese Teilverstaatlichung das Vertrauen der Finanzmärkte in die Bank nicht wiederherstellen.

Mit ihrem Einstieg bei der größten niederländischen Bank ABN Amro war Fortis im Oktober 2007 zu einem der 20 größten Finanzkonzerne in Europa mit rund 85.000 Mitarbeitern in 50 Ländern aufgerückt.

Der Preis dafür war mit 24 Milliarden Euro aber zu hoch: Seit dem Zukauf hat die Fortis-Aktie rund vier Fünftel ihres ursprünglichen Werts verloren.

cvk/Reuters/dpa-AFX/Reuters

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