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Finanzdebakel: Lehman-Anlegern steht Entschädigung zu

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat für die Lehman-Tochter in Frankfurt den Entschädigungsfall festgestellt. Damit können Anleger von der Sicherungseinrichtung deutscher Banken ihr Geld zurückerhalten. Betroffen sind hauptsächlich Kirchen, Kommunen und Versicherungen.

Bonn - Anleger der deutschen Lehman-Tochter können hoffen: Die BaFin hat die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sie entschädigt werden dürfen. Das teilte die Finanzaufsicht am Dienstag in Bonn mit.

Lehman-Tochter in Frankfurt: Entschädigungsfall festgestellt
AP

Lehman-Tochter in Frankfurt: Entschädigungsfall festgestellt

Die Lehman Brothers Bankhaus AG, Frankfurt, gehört der der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken und auch dem Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands an. Die BaFin ist nur für die deutsche Lehman-Tochter der US-Pleitebank Lehman Brothers zuständig und nicht für deren Mutter zuständig.

Neben Banken haben sich auch Kommunen, Kirchen und Versicherungen bei der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers engagiert. Die deutsche Tochter Lehman Brothers Bankhaus AG hatte nach Kenntnis der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) keine Privatkunden, wie Sprecher Lothar Gries sagt.

Nachdem die BaFin den Entschädigungsfall verkündet hat, beginnt das Verfahren der gesetzlichen und der privaten Einlagensicherung. Die Entschädigungseinrichtung schreibt dann die Kunden an, damit diese ihre Ansprüche geltend machen können. Der Eintritt des Entschädigungsfalls an sich bedeutet laut einem BaFin-Sprecher aber nicht, dass Insolvenz beantragt werden muss. Dies prüfe die BaFin unabhängig davon.

Die BaFin musste nach eigenen Angaben den Entschädigungsfall feststellen, da die gesetzlich festgeschriebene Sechs-Wochen-Frist nach Verhängung des Moratoriums gegen die Bank abgelaufen ist. Dieses wurde am 15. September 2008 erlassen.

Das Moratorium hatte die BaFin anordnen müssen, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern. Dem Institut droht die Zahlungsunfähigkeit, nachdem mehrere Gesellschaften des Konzerns in den USA Gläubigerschutz beantragt hatten (Chapter 11) beziehungsweise in Großbritannien unter Verwaltung gestellt worden sind.

Besitzer von Lehman-Zertifikaten nicht betroffen

Besitzer von Lehman-Zertifikaten sind allerdings nicht von dem Urteil betroffen. Falls sich Betroffene Besitzer der Papiere von dem Institut, bei dem sie die Papiere gekauft haben, falsch beraten fühlen, sollten sie dort Schadenersatzansprüche geltend machen, wie die Verbraucherzentrale Sachsen rät. Ohne die Hilfe eines spezialisierten Rechtsanwalts sei dies aber kaum zu machen. Der Anleger muss im Streitfall eine Falschberatung beweisen. Bei den Anlegerschutzgemeinschaften setzt man derzeit auch noch darauf, sich mit Hilfe der Ombudsmänner der Geldinstitute außergerichtlich zu vergleichen. Das sei schneller und günstiger, es gebe aber wohl auch nur Teilbeträge zurück.

Einige Sparkassen, Citibank und Dresdner Bank haben an etwa 20.000 bis 30.000 Kunden Zertifikate von Lehman verkauft. Die Sparkasse Frankfurt am Main spricht von 5000 Kunden, die im Schnitt 5000 bis 15.000 Euro angelegt haben, die Hamburger Sparkasse nennt die Anzahl von 3700 Kunden, aber keine Anlagesummen. Dresdner Bank und Citibank machen keine Angaben zu Zahlen. Die SdK geht aber insgesamt von einem Anlagevolumen im dreistelligen Millionenbereich aus.

Krankenkassen im Sog der Finanzkrise

In den Sog der Finanzkrise geraten auch immer mehr deutsche Sozialversicherungen. Am Dienstag gab die Barmer als größte deutsche Krankenkasse bekannt, dass sie mehr als 200 Millionen Euro bei der deutschen Tochter der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers angelegt hat. Die Knappschaft legte bei dem Bankhaus 90 Millionen Euro an. Die Gelder seien durch den Einlagensicherungsfonds gedeckt, betonten die Kassen und die Bundesregierung.

cvk/Dow Jones/AP/dpa

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