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Finanzdesaster: Drastische Kreditausfälle bei BayernLB - bis zu vier Milliarden Euro Schaden

Bayerns Ministerpräsident Beckstein gibt alarmierende Zahlen bekannt. Der CSU-Politiker hält bei der Landesbank des Freistaats Kreditausfälle von vier Milliarden Euro wegen der Finanzkrise für möglich - bisher waren lediglich 1,9 Milliarden Euro bekannt gegeben worden.

München/Bayreuth - Die Kreditkrise wird immer unangenehmer für Günther Beckstein - jetzt muss der CSU-Politiker zugeben, dass die Kreditausfälle bei der BayernLB wohl sehr viel höher ausfallen werden, als bislang veranschlagt. Er sei sich sicher, dass die Belastungen deutlich über die bisher eingeräumten 1,9 Milliarden Euro hinausgingen, sagte der bayerische Ministerpräsident dem "Nordbayerischen Kurier". Stattdessen könne sich der Schaden auf bis zu vier Milliarden Euro belaufen.

CSU-Chef Huber und der bayerische Ministerpräsident Beckstein: Die Opposition wirft Huber vor, die Lage bei der BayernLB zu lange beschönigt zu haben
DPA

CSU-Chef Huber und der bayerische Ministerpräsident Beckstein: Die Opposition wirft Huber vor, die Lage bei der BayernLB zu lange beschönigt zu haben

Die BayernLB wollte sich nicht zu den Aussagen Becksteins äußern. "Wir kommentieren die Zahlen am 3. April", sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp. An diesem Tag hält die Landesbank ihre Bilanzpressekonferenz ab.

Die erneuten Milliardenabschreibungen belasten nicht nur die BayernLB, sondern auch Finanzminister und CSU-Chef Erwin Huber. Die Opposition wirft ihm seit Wochen vor, die Lage der Bank zu lange beschönigt zu haben. Huber ist Vize-Chef im Verwaltungsrat der Bank.

Mit den jüngsten Zahlen bestätigt Beckstein die schlimmsten Experten-Befürchtungen: Zuvor hatte schon die Ratingagentur Moody's Ausfälle von rund 3,8 Milliarden Euro bei der Landesbank kalkuliert. Bisher hatte die BayernLB Abschreibungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro bis Ende 2007 bekannt gegeben. Seitdem haben die Subprime-Papiere aber weiter an Wert verloren, erklärte Moody's. Insgesamt hat die BayernLB strukturierte Wertpapiere in einem Volumen von 32 Milliarden Euro in den Büchern - der Ratingagentur zufolge steht ein Volumen von über vier Milliarden Euro dabei mit Immobilienkrediten bonitätsschwacher Schuldner im Zusammenhang. Der Bank droht nun eine Herabstufung ihres Ratings durch Moody's.

Insidern zufolge könnten die Belastungen Garantien der Eigentümer für das Institut notwendig machen. Die Eigentümer prüften Bürgschaften für das Geldhaus, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am 3. April. Ein Sprecher der Bank selbst sagte zu möglichen Garantien vom Land und von den bayerischen Sparkassen: "Das wird gegebenenfalls Thema in der Pressekonferenz sein."

Ein Sprecher des Bayerischen Sparkassenverbands bekräftigte, dass die Institute der Landesbank die Stange hielten. Die BayernLB gehört je zur Hälfte dem Freistaat und den Sparkassen. "Beide Eigentümer stehen fest hinter ihrer Bank." Ein Sprecher der Landesbank sagte: "Der Vorstand steht in ständigem Kontakt mit den Eigentümern."

Bei der mit Verlusten kämpfenden WestLB waren die Eigner bereits mit Garantien in die Bresche gesprungen, um eine Herabstufung und damit eine teurere Refinanzierung für die Düsseldorfer Bank zu verhindern. Dort haftet allein das Land - und damit der Steuerzahler - für drei Milliarden Euro. Auch die NRW-Sparkassenverbände stützen das Institut.

ase/ddp/dpa/Reuters

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