Finanzdesaster IWF fordert Krisen-Schlachtplan für Europa

Die USA tüfteln noch an ihrem Banken-Rettungspaket - die Europäer sollten sich jetzt auch einen Schlachtplan ausdenken, fordert der Chef des Internationalen Währungsfonds. Denn die Krise wird Europa hart treffen: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank rechnet mit einer Rezession.


Frankfurt am Main/Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor der Finanzkrise und fordert Europa deshalb zum gemeinsamen Handeln auf: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sagte, Europa solle sich mit einem gemeinsamen Plan auf eine Ausweitung der Bankenkrise vorbereiten.

Bankenviertel Frankfurt: "Europa ist nicht immun"
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Bankenviertel Frankfurt: "Europa ist nicht immun"

Die europäischen Staaten seien nicht immun gegen die Finanzmarktkrise in den USA, sagte der ehemalige französische Wirtschaftsminister in einem Interview. "Also müssen sie sich organisieren. Das ist dringend nötig auf der europäischen Ebene." Nach den Worten des IWF-Chefs wird die Krisenreaktion des Kontinents durch das Fehlen einer paneuropäischen Aufsichtsbehörde erschwert. Durch die EU-Regeln wird es seiner Meinung nach schwieriger, grenzübergreifend zu handeln. In den USA sei das anders.

Auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, kritisierte die europäische Haltung zur Finanzmarktkrise. "So zu tun, als handele es sich um ein amerikanisches Problem, ist nicht überzeugend", sagte Walter den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". "Nur weil wir von bestimmten Ereignissen in Amerika nicht betroffen waren, sind wir nicht immun." Er warnte europäische Politiker und Banker davor, mit dem Finger auf andere zeigen, wenn es "hinten im eigenen Kontor gerade einschlägt".

Nicht nur für Europa sind Walters Prognosen deshalb düster: "Eine Rezession ist für die Alte Welt, also USA, Europa, Japan, nicht mehr zu vermeiden", sagte er den "Stuttgarter Nachrichten". Dafür sei zu viel schiefgelaufen. Allerdings besteht auch ein bisschen Hoffnung: "Das Krisenmanagement in Deutschland ist im internationalen Vergleich durchaus professionell", sagte Walter. So begrüßt Walter, dass der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate gerettet wurde.

Nach Einschätzung der Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin war die Aktion unbedingt erforderlich, um "schwerste Störungen der Geldmärkte" zu verhindern. In einem Brief von Bundesbank und BaFin an Steinbrück heißt es, ansonsten hätten für das deutsche Finanz- und Wirtschaftssystem "ähnliche unabsehbare Folgen" gedroht, wie sie der Zusammenbruch der amerikanischen Finanzgruppe Lehman Brothers hatte.

Im Hinblick auf das Scheitern des milliardenschweren US-Rettungsplans für notleidende Banken erwartet der Ökonom, dass es bald zu einer großen Lösung kommt. Sollte das nicht der Fall sein, kommen schwere Zeiten auf Deutschland zu: Dann erwartet Otto Bernhardt, der finanzpolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, dass "noch mehr deutsche Banken Probleme bekommen". Das sagte er der "Bild"-Zeitung. Bernhardt begründete seine Einschätzung unter anderem mit einem erheblichen Vertrauensverlust innerhalb der Bankenbranche.

Erste Auswirkungen der Finanzkrise bekommt der Mittelstand bereits zu spüren: Das deutsche Handwerk leidet nach Ansicht von Handwerksgeneralsekretär Hanns-Eberhard Schleyer unter den Nebenwirkungen der Bankenkrise. "Wir gehen davon aus, dass die Handwerkswirtschaft um mehr als ein Prozent schrumpfen wird", sagte Schleyer der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Im Jahr 2007 habe es noch ein Umsatzplus von 1,1 Prozent gegeben.

Angesichts der Finanzkrise seien die Banken erkennbar zurückhaltender bei der Kreditvergabe. Das wirke sich negativ auf die Investitionstätigkeit der Betriebe aus.

cvk/Reuters/ddp/AP



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