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Finanzhilfe: Paulson plant Notrettung für Auto-Giganten noch vor Weihnachten

Die US-Regierung kämpft hinter den Kulissen ums Überleben der Detroiter Autoindustrie. Finanzminister Paulson macht Druck für ein Rettungspaket noch vor Weihnachten - GM und Chrysler sprechen jetzt wieder über eine Fusion, Chrysler muss einen Monat lang die Produktion einstellen.

Detroit/New York - Die US-Regierung forciert die Verhandlungen mit den US-Autobauern über ein Rettungspaket. Dabei geht es um Zahlungen in Höhe von bis zu 14 Milliarden Dollar aus dem Hilfsfonds für die US-amerikanische Bankenbranche, um Chrysler und General Motors (GM) Chart zeigen zumindest in den kommenden drei Monaten vor der Insolvenz zu bewahren.

US-Autohandel: Drohende Insolvenz bei Chrysler und GM
AP

US-Autohandel: Drohende Insolvenz bei Chrysler und GM

Die Unternehmen stehen durch schwere Absatzeinbrüche infolge einer verfehlten Modellpolitik und der Rezession in den USA unter massivem Druck. Beide Konzerne haben erklärt, dass sie ohne staatliche Finanzhilfe innerhalb der nächsten Wochen zahlungsunfähig sein könnten.

Washington möchte das Rettungspaket für Chrysler und GM noch vor Weihnachten auf den Weg bringen, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf informierte Kreise der Industrie und der Regierung. Eine zentrale Rolle nimmt dem Bericht zufolge US-Finanzminister Henry Paulson ein, der Gelder aus dem riesigen Rettungspaket für die Finanzbranche zu den Auto-Giganten abzweigen könnte. Mitarbeiter seines Ministeriums prüfen derzeit laut "New York Times" intensiv die finanzielle Lage von General Motors.

Angesichts der weiter schwierigen Lage verstärken die Autounternehmen ihre Sparbemühungen. Chrysler schließt nach eigenen Angaben vom Mittwoch alle 30 Produktionsstätten in Nordamerika für einen Monat. Die Arbeit in den Werken soll mit dem Ende der Schicht am Freitag bis zum 19. Januar eingestellt werden. Vier Standorte bleiben sogar über diese Vier-Wochen-Frist hinaus vorerst geschlossen. Der Hersteller reagiert damit auf die sinkenden Nachfrage und den hohen Kostendruck.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors stoppt seinerseits vorerst Bauarbeiten an einem neuen US-Werk für sparsame Motoren. Die geplante Fabrik ist eigentlich ein Herzstück für die von GM angekündigte neue umweltfreundliche Modellpalette, zu der als Prestigeprojekt auch das Elektroauto Chevrolet Volt zählt.

Der Baustopp am neuen Standort im US-Bundesstaat Michigan sei nur vorübergehend, betonte eine Konzernsprecherin. Der für das Jahr 2010 geplante Start der Produktion und des Volt-Elektroautos sei dadurch nicht gefährdet. In der Fabrik sollen später Motoren für sparsame Kleinwagen sowie Generatoren zur Stromerzeugung im Volt gebaut werden.

Beim dritten großen Autokonzern Ford Chart zeigen ist die Situation nicht ganz so prekär. Dennoch schließt auch Ford im Januar zehn Produktionsstätten für eine zusätzliche Woche. Eine Konzernsprecherin begründete die Verlängerung der Werksferien auf drei statt zwei Wochen am Mittwoch ebenfalls mit dem schleppenden Autoabsatz in den USA.

Gleichzeitig kommt offenbar wieder Bewegung in die Fusionsgespräche zwischen Chrysler und GM. Nach Informationen des "Wall Street Journal" haben die Unternehmen ihre Verhandlungen wieder aufgenommen.

Der Chrysler-Besitzer, die Beteiligungsgesellschaft Cerberus, habe signalisiert, dass sie bereit sei, Anteile zu verkaufen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Personen, die mit den Gesprächen vertraut seien. Die Initiative zur Wiederaufnahme der vor Wochen abgebrochenen Gespräche sei von Cerberus ausgegangen, hieß es weiter. GM und Chrysler waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar - sie hatten aber im US-Kongress einen Zusammenschluss offen angeboten, um rettende Milliarden des Staates zu erhalten.

suc/AP/dpa-AFX/Reuters

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