Finanzimperium Die Bin-Laden-Corporation

Um das Wirtschaftsimperium des Osama Bin Laden ranken wilde Spekulationen. Sicher ist, dass es genauso weit verzweigt ist wie das Terrornetzwerk al-Qaida, das auf sein Kommando hört.

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Keine Geldsorgen: Osama Bin Laden
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Keine Geldsorgen: Osama Bin Laden

Washington - Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass Bin Laden an verschiedenen Bauunternehmungen beteiligt ist, darunter die Hirja Construction Company, die zum Beispiel im Sudan die Straße von Khartum nach Port Sudan gebaut hat. Auch mehrere Farmen in Afrika sollen zum Bin-Laden-Konzern gehören. Zum Teil werden sie nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes als Trainings- und Waffenlager genutzt.

Der Online-Dienst "Success" will darüber hinaus von einer Straußenzucht in Kenia und Waldbesitz in der Türkei erfahren haben. Auch am Diamantenhandel soll der meistgesuchte Terrorist der Welt beteiligt sein. "Geld ist die geringste Sorge, die Bin Laden umtreibt", meint Orientexperte Faisal Salman, geschäftsführender Redakteur der Beiruter Zeitung "As-Safir".

Über die Größe seines Vermögens gehen die Schätzungen weit auseinander. Sie reichen von einigen Millionen Dollar bis hin zu 80 Milliarden. Die CIA schätzt, dass Osama allein 250 bis 500 Millionen Dollar von seinem Vater Mohammed Awad Bin Laden geerbt hat.

Ein großer Teil davon soll in den Kampf gegen die USA fließen. Der Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon soll Bin Laden, wenn er denn tasächlich hinter den Anschlägen steckt, nach ersten Expertenschätzungen rund eine Million Dollar gekostet haben - Pilotentraining, Reisekosten und Erster-Klasse-Tickets für die Flugzeugentführer inbegriffen. Weitaus das meist Geld fließt aber wohl in das das Terrornetzwerk al-Qaida (Die Basis), das Bin Laden zusammen mit Abu Hafs el Masri, Abu Ubaida al-Banschiri und einigen Veteranen aus dem Afghanistan-Krieg gegründet hat und dem inzwischen weltweit rund 5000 militante Islamisten angehören sollen.

Seine weit verzweigten Beteiligungen erlauben es Bin Laden auch, große Summen unauffällig rund um den Erdball zu bewegen, ohne dass die Behörden eine Chance hätten einzugreifen. Auch von den Mittelsmännern, deren er sich bedient, um seine Renditen einzustreichen, sind den Geheimdiensten so gut wie keine bekannt.

Immerhin haben die Fahnder inzwischen offensichtlich einige Bankkonten ausfindig gemacht. Eine Filiale der Barclays Bank in London, Girocredit in Wien und eine Bank in Dubai werden in einem Untersuchungsbericht des US-Kongresses genannt. Nach Einschätzung des ehemaligen CIA-Chefs für Terrorismusbekämpfung, Vince Cannistraro, sind diese Bankverbindungen bereits blockiert.

Ob Bin Laden dadurch in Bedrängnis gerät, darf wohl bezweifelt werden. Denn abgesehen von Konten, die dem Zugriff der US-Behörden entzogen sind, verfügt seine Organisation seit dem Guerilla-Krieg gegen die Sowjetunion in Afghanistan über ein dichtes Netzwerk von Spendern. "Millionen Muslime aus allen Teilen der arabischen Welt haben auch nach dem Sieg über die Besatzer ihre Zahlungen nicht eingestellt", sagt Faisal Salman. Die bittere Ironie der Geschichte: Dieses Netzwerk hat Bin Laden ausgerechnet mit Unterstützung der USA aufgebaut.



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